Aus vier Köpfen, die im März 2015 im Büro von Gemeindepfarrer Stefan Salzmann über einem Konzept brüteten, ist ein äußerst erfolgreiches Begegnungsprojekt für geflüchtete Menschen in Gütersloh geworden: das Café Connect. Jetzt ist es zehn Jahre alt. Aus diesem Anlass lud die Flüchtlingsberatung von DeineDiakonie* zu einer festlichen „interkulturellen Mittagspause" in die Kirchstraße 10a ein. Das Ergebnis: ein Haus voller Weggefährt:innen, Unterstützer:innen und Klient:innen, fröhliche Gesichter und eine zuversichtliche Grundstimmung.
„Die Geflüchteten bringen die Welt nach Deutschland." Mit diesen Worten machte Katharina Stein von der Flüchtlingsberatung der Diakonie deutlich, wie sehr „ihre" Klient:innen das Leben in der Dalkestadt bereichern. Ein Blick auf das üppige Büffet mit Falafel, Borschtsch und Somasawas (Teigtaschen) bestärkte diesen Eindruck. Gekocht und gebacken hatten Gäste und ehrenamtliche Helfer:innnen des Cafés. Für teils melancholische, teils ausgelassene Stimmung sorgte der Chor des Ukrainischen Kulturforums Gütersloh unter der Leitung von Anastasiia Chebotar.
„Mit offenen Armen willkommen geheißen" - zehn Geschichten
Wie viel das Café Connect den geflüchteten Menschen bedeutet, zeigt die Ausstellung „Zehn Jahre - Zehn Geschichten" im Foyer des Hauses an der Kirchstraße 10a und direkt im Café Connect. Julia Korf, Katharina Stein und Marvin Hemkendreis von der Flüchtlingsberatung der Diakonie hatten dafür einen Familienvater aus Somalia und neun weitere Klient:innen interviewt. Später formulierten sie Steckbriefe und Geschichten. All das lässt sich, begleitet von Porträts, auch in einer Broschüre nachlesen. Dazu gehört das folgende Zitat von Mohamed Ismail Adan: „Ich erinnere mich noch an meinen ersten Tag - eine warme Tasse Kaffee und ein süßes Gebäck - und jemand, der mich mit offenen Armen willkommen geheißen hat. Eine kleine, einfache Geste, aber sie hat so viel bedeutet."
„Mut müssen wir haben"
„Mut müssen wir haben bei dieser Arbeit, damit Menschen vom Rand in die Mitte der Gesellschaft kommen", erklärte Fatma Aydin-Cangülec. Als „Frau der ersten Stunde" gehörte sie zu den vier Initiator:innen des Begegnungsprojekts, zusammen mit Ernst Klinke, damals Vorsitzender des Arbeitskreises Asyl, sowie Frank Kahle-Klusmeier vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises und Pfarrer Stefan Salzmann von der Ev. Kirchengemeinde Gütersloh. 2015 hatte die Diakonie schließlich eine Flüchtlingsberatungsstelle eingerichtet, die zugleich ein Begegnungsort sein sollte. Aus einer halben sind inzwischen zwei Vollzeit-Kräfte geworden. 2016 folgte die Eröffnung des Café Connect in die Kirchstraße 10a, als gemeinsames Projekt von Flüchtlingsberatung und AK Asyl.
Von Beginn an veranstalteten Ehrenamtliche vier Sprachkurse pro Woche. „Die Geflüchteten bringen sich ebenfalls im Café ein und bieten Projekte an", betonte Fatma Aydin-Cangülec. „Hier übernehmen so viele Menschen Verantwortung. Das ist auch der Grund, weshalb es läuft."
Nächstenliebe als Diakonie leben
Karsten Stüber, Vorstand von DeineDiakonie, dankte allen Beteiligten. „Ich bin sehr froh und stolz darüber, dass wir als Diakonie mit dem Café Connect so ein gutes gemeinsames Projekt haben. Erst durch ganz viele Partner sind wir überhaupt in die Lage versetzt worden, Nächstenliebe als Diakonie zu leben." Weiter sagte der Diakonie-Chef: „Wir möchten den Menschen die Chance geben, gut anzukommen." Zentral sei für die Geflüchteten die Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen, denn Deutsch ermögliche den Zugang zu allem anderen. Das Café Connect biete nicht zuletzt die Möglichkeit, das „System Deutschland" kennen zu lernen.
Wertvoll für die Stadt Gütersloh
Henning Matthes, Erster Beigeordneter der Stadt Gütersloh, sprach allen Haupt- und Ehrenamtlichen ebenfalls „Dank, ganz hohen Respekt und viel Lob aus", was mit starkem Beifall bedacht wurde. „Gütersloh zeigt sich offen, solidarisch und gern bereit, Menschen aus anderen Ländern und Kulturen aufzunehmen, zu unterstützen und zum Bleiben willkommen zu heißen. Und dafür steht das Café Connect in beispielhafter Weise", sagte Matthes. „Jeder Einzelne, so, wie er im Café Connect angekommen ist, ist wertvoll für die Stadt Gütersloh."
Weitere Finanzierung ungewiss
Ein heikler Punkt bleibt die Finanzierung, denn das Begegnungszentrum muss sich selbst tragen. So viel steht für die Beteiligten fest: Ohne die Unterstützung durch die Stadt Gütersloh, die Kirchengemeinde, das Kommunale Integrationszentrum des Kreises, die Bürgerstiftung Gütersloh sowie durch viele weitere private Spender*innen und ehrenamtliche Kräfte wäre der Fortbestand nicht möglich gewesen. Diakonie-Vorstand Stüber appellierte an Politik und Sponsoren: „Ich bin mir sicher, dass dieses Angebot weiter bestehen muss, schon allein mit Blick auf die weltpolitische Lage."
Henning Matthes zeigte sich offen für eine weitere Förderung durch Stadt. Das Café Connect bedeute eine Selbstverpflichtung für alle Beteiligten. „Als Stadt sind wir sehr daran interessiert, dass eine gute, gelebte Struktur, ein wunderbarer Anlaufpunkt erhalten bleibt. (…) Darum werden wir uns bemühen. Wir werden miteinander im Gespräch bleiben und Unterstützung leisten, wo das möglich ist und nötig wird. Insofern sage ich heute: Glückwunsch zum Zehnjährigen, aber auch: Weiter so!"
Ernst Klinke mahnte: „Es ist unser Auftrag, für die Schwachen und die Menschen auf der Flucht da zu sein." Sie hätten das Café Connect als ihren Ort angenommen. Daher sein Appell an die Stadt: „Sichern Sie dauerhaft das Angebot der Flüchtlingsberatung und schenken Sie dem Café Ihre Wertschätzung."
Infokasten
Sich ehrenamtlich im Café Connect engagieren
Das Café Connect sucht kontinuierlich weitere Mitstreiter:innen.
Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement bieten:
- Unterstützung bei den Sprachkursen
- offenes Begegnungs- und Sprachförderangebot im Café
- Unterstützung bei der Mutter-Kind-Gruppe
- Patenschaften
Interessent:innen können sich gern bei der Flüchtlingsberatung der Diakonie melden.






