Es riecht immer noch verbrannt vor der Kinderklinik mitten in Pakistans Hauptstadt Islamabad. Einige Meter entfernt steht Bahadur Khan unter einer Pappel im Schatten und trauert um seine beiden Töchter. Die Zwillinge wurden nur drei Tage alt. Am frühen Mittwochmorgen war auf der Säuglingsstation der Klinik ein Feuer ausgebrochen. 14 Neugeborene kamen bei dem Inferno ums Leben. Sie seien verbrannt, heißt es in lokalen Medienberichten. Am Nachmittag sagt der stellvertretende Innenminister Talal Chaudhry vor Reportern an der Krankenhauseinfahrt, die Brandursache sei noch nicht abschließend geklärt. Erste Erkenntnisse deuteten auf eine Fehlfunktion einer Klimaanlage hin. Premierminister Shehbaz Sharif habe eine Kommission eingesetzt. Sie soll klären, warum die Station zum Zeitpunkt des Brandes verschlossen war und warum keine Ärzte vor Ort waren. Sharif hatte zuvor seine Trauer ausgedrückt und den Familien sein Beileid ausgesprochen. Lediglich eines der Babys auf der Station sei gerettet worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) von Rettungskräften vor Ort. Die Säuglingsstation gehört zur gynäkologischen Klinik des Pakistan Institute of Medical Sciences (Pims), einem staatlichen Krankenhaus und Prestigeprojekt der Regierung. Feuerwehrleute berichteten von einer völlig ausgebrannten Säuglingsstation. Umliegende Räume seien dagegen unversehrt geblieben. Staatliche Krankenhäuser wie das Pims sind wegen niedrigerer Standards in Pakistan unbeliebt. Wer es sich leisten kann, sucht für eine bessere Versorgung Privatkliniken auf. Laxe Sicherheitsbedingungen führen in dem südasiatischen Land immer wieder zu schweren Bränden. Wenige Stunden nach der Tragödie in der Säuglingsstation legt die Tageszeitung «Dawn» eine Liste der Feuerkatastrophen in pakistanischen Krankenhäusern in den vergangenen 15 Jahren auf und zählt 30 Stück. Oppositionspolitiker wie auch Mitglieder der Regierungsparteien äußerten sich betroffen und schockiert über die neuerliche Brandkatastrophe. Senatorin Sherry Rehman von der Koalitionspartei Pakistan People's Party (PPP) schrieb auf X nach einer Begehung der Unfallstelle von «grober Fahrlässigkeit auf ganzer Linie». Menschen hätten Fenster zertrümmern müssen, um dem Feuer zu entkommen. Auch Feuerwehrleute vor Ort erzählen der dpa von Problemen bei den Rettungsmaßnahmen. Da ein Haupteingang versperrt gewesen sei, habe man Fenstervergitterungen von außen aufbrechen müssen, um sich Zugang verschaffen zu können. Feuertreppen, wie sie in Deutschland üblich sind, waren nicht zu erkennen. Eigentlich versucht sich die pakistanische Führung derzeit im Land wie auch international in gutem Licht darzustellen: Als Vermittlerstaat im Konflikt zwischen den USA und dem Iran macht etwa der mächtige Militärchef des Landes, Asim Munir, fast täglich in den pakistanischen Zeitungen Schlagzeilen – die Bemühungen würden helfen, den nun fast sechs Monate währenden Krieg beizulegen. Aber innenpolitisch gerät die Regierung unter Druck. Da sind einerseits die massiven Preissteigerungen für Sprit und Lebensmittel. Pakistan ist stark von Energielieferungen vom Golf abhängig und mit dem Krieg wurden diese rar. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Pakistaner von politischem Versagen bei der Verwaltung von Grundbedürfnissen. Und andererseits schürt die Saga um den ehemaligen Premier des Landes, den vormaligen internationalen Cricket-Star Imran Khan, immer wieder Emotionen. Seit drei Jahren sitzt der beliebte Politiker nach einem Schuldspruch wegen Korruption in Haft. Khan bestreitet die Vorwürfe gegen ihn und sieht sich als Opfer einer für politische Zwecke missbrauchten Justiz. Just vergangene Woche wurde Khan dann kurzzeitig in eben jenen Schauplatz der Tragödie, das Pims, für Untersuchungen eingeliefert. Eigentlich sollte Khan in ein privates Krankenhaus gebracht werden, doch die Regierung verweigerte sich einem Gerichtsbeschluss. Die Brandkatastrophe dürfte das Land noch über Monate beschäftigen. Nach einem schweren Feuer in der Hafenmetropole Karachi mit mindestens 60 Toten im Januar kommen immer wieder neue Versäumnisse ans Licht. Ernstliche politische Konsequenzen blieben bislang aus. Der 52-jährige Vater der verstorbenen Zwillinge handelt mit Gemüse. Zwei Söhne hat er bereits und war glücklich über die Geburt der Mädchen. Um vier Uhr morgens sei noch alles in Ordnung gewesen, als er die beiden auf Station besuchte. Wenig später brach Chaos aus, da war Rauch auf den Fluren, sagt er und hält seine Tränen zurück. Einige Stunden nach dem Inferno habe seine Familie einen Sarg mit den verbrannten Körpern seiner Töchter übergeben bekommen und sie dann umgehend begraben. «Es ist Gottes Wille, dass meine Töchter starben. Aber sie hätten gerettet werden können, gäbe es eine bessere Verwaltung», sagt Khan.Kritik an Sicherheitsbedingungen
Pakistan innenpolitisch unter Druck
Vater verstorbener Zwillinge: «Hätten gerettet werden können»
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Pakistan trauert um 14 tote Babys nach Krankenhausbrand
Nach dem Feuer in einer Säuglingsstation in Islamabad trauern Familien um ihre Babys. Eine Kommission soll klären, warum die Station verschlossen und keine Ärzte vor Ort waren.
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