30. Mai 2023 / Allgemeines

Barbesitzer rettet Frau und Sohn aus brennender Wohnung

Mitten in der Nacht steht eine Wohnung in Berlin-Wilmersdorf in «Vollbrand». Mit einer Leiter rettet ein Helfer möglicherweise Leben.

Verbranntes Mobiliar liegt auf einem Gehweg unterhalb einer ausgebrannten Wohnung in Berlin-Wilmersdorf.
von Marion van der Kraats und Andreas Rabenstein, dpa

Heftig lodern die Flammen aus den Fenstern der Wohnung im Berliner Stadtteil Wilmersdorf. Schwarzer Rauch steigt auf. Auf der Straße flackern die Blaulichter von Feuerwehr und Polizei, wie das Video eines Beobachters sowie Fotos der Feuerwehr aus der Nacht zu Dienstag zeigen.

Die Wohnung im ersten Stock des sechsgeschossigen Mietshauses steht in «Vollbrand», alle Zimmer brennen, wie ein Feuerwehrsprecher sagt. An einem Fenster lehnt eine lange Leiter aus Metall.

Nur mit viel Glück können sich eine Frau und ihr Sohn über diese Leiter eines Nachbarn aus der Wohnung retten. Dabei stürzt die Frau ab und verletzt sich lebensgefährlich. Andere Mieter wurden mit schweren Rauchvergiftungen von der Feuerwehr aus dem Haus geholt.

Es ist etwa 2.40 Uhr, als der Alarm bei der Feuerwehr eingeht. Als die Feuerwehrleute den Brandort in der Aachener Straße im Westen der Hauptstadt erreichen, brennt die Wohnung schon lichterloh. Auf der Straße liegen eine schwer verletzte Frau und ihr Sohn.

Der Besitzer einer Bar im Erdgeschoss, Murat Köse, berichtet am Dienstagmorgen: «Ich bin rausgerannt und sah, dass das Haus brennt. (...) Da standen eine Frau und ein Junge am Fenster und die haben nach Hilfe gerufen. Ich bin schnell in mein Lager und habe die Leiter geholt und aufgebaut.» Der 39-Jährige zeigt auf das Fenster und den kleinen Balkon daneben. «Der kleine Junge ist ganz normal runter geklettert. Aber die Frau war unter Schock, da kamen Flammen raus und dicker Rauch, sie wollte runterklettern, ist abgestürzt und runtergefallen.»

Frau und Sohn schwerverletzt im Krankenhaus

Die Frau wird nachts von Rettungssanitätern wiederbelebt und sofort in ein Krankenhaus gefahren, wie ein Sprecher der Feuerwehr berichtete. Auch ihr Sohn erlitt schwere Verletzungen durch den Rauch und das Feuer. Zunächst war die Feuerwehr beim Eintreffen und angesichts der beiden Verletzten davon ausgegangen, dass die beiden aus der Wohnung gesprungen waren.

Der größere Teil der Mieter in den anderen Wohnungen war durch piepende Rauchmelder auf das Feuer aufmerksam geworden und konnte rechtzeitig durch das anfangs noch rauchfreie Treppenhaus aus dem Haus fliehen.

Im ersten Stock breitete sich das Feuer aus. Aus einer weiteren brennenden Wohnung flohen eine 49-jährige Frau, ihr 16-jähriger Sohn und ein 22-jähriger Mitbewohner laut Polizei über ein Fenster. Wie sie von dort auf den Gehweg gelangten sei noch unklar, so die Polizei. Die Frau habe leichte Verbrennungen erlitten, die anderen beiden Bewohner seien nicht verletzt worden. Die Lage sei nachts sehr unübersichtlich gewesen, derzeit würde der genaue Ablauf noch geklärt.

Mehr als 140 Feuerwehrleute im Einsatz

Die Flammen brachen durch die Wohnungsdecke im ersten Stock in die darüberliegende Wohnung, aus der die Feuerwehr zwei schwer verletzte Menschen aus dem Rauch holte. Einer von ihnen musste ebenfalls wiederbelebt werden. Vier weitere verletzte Menschen wurden von den Feuerwehrleuten mit sogenannten Rettungshauben über dem Kopf durch das inzwischen völlig verrauchte Treppenhaus nach unten gebracht. Alle erlitten Rauchvergiftungen, manche auch Verbrennungen.

Mehr als 140 Feuerwehrleute waren im Einsatz, mit Druckluftschaum löschten sie die Flammen in den Wohnungen. Die Nachlöscharbeiten dauerten bis zum Morgen.

Am Dienstag ist die Fassade teilweise vom Ruß geschwärzt, zerstörte Möbel liegen in einem großen Haufen auf dem Weg, es stinkt nach Qualm. Das Haus ist zunächst nicht mehr bewohnbar. Alle Bewohner sind laut Feuerwehr bei Verwandten oder Freunden untergekommen. Nur eine Katze wurde tot in der ausgebrannten Wohnung gefunden. Warum das Feuer ausbrach, ist bislang unklar. Wie üblich ermitteln Brandexperten der Kriminalpolizei.


Bildnachweis: © Annette Riedl/dpa
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