26. November 2022 / Allgemeines

Alterndes Japan rüstet Herren-Toiletten mit Windeln auf

Mülleimer, Windeln und Tampons sollen in Japans öffentlichen Toiletten selbstverständlich werden. Profitieren könnten davon alle.

Eine öffentliche Toilette in Tokio wird durchsichtig, wenn sie nicht in Benutzung ist.
von dpa

In Japans rasant alternder Gesellschaft wächst das Bedürfnis von Mülleimern für Hygiene-Artikel auf öffentlichen Herren-Toiletten. Was auf Frauen-Toiletten selbstverständlich ist, führen manche Kommunalverwaltungen nun auch auf Männer-Toiletten ein.

«Früher habe ich den Abfall in meine Tasche gesteckt. Ich würde mich freuen, wenn es mehr Verständnis für solche Mülleimer geben würde», zitierte die Zeitung «Sankei Shimbun» kürzlich einen betroffenen Senior in Katsuragi in der Präfektur Nara, wo im Rathaus ein solcher Behälter installiert wurde. Mögen alte Männer, die Windeln tragen müssen, im Vordergrund stehen, so könnten auch menstruierende Transmenschen von den Maßnahmen profitieren.

Teilhabe für alle

«Unser Ziel ist die Verwirklichung einer gleichberechtigten Gesellschaft, in der alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, aus eigener Initiative an Aktivitäten in allen Bereichen der Gesellschaft teilnehmen, die Menschenrechte des anderen respektieren und Freude und Verantwortung teilen», schreibt dazu die Stadt von Niimi in der Präfektur Okayama auf ihrer Webseite. Zu diesem Zweck begann der Ort kürzlich mit der Installation von Mülleimern für Hygiene-Artikel wie Windeln auf Männer-Toiletten im Rathaus und der Stadt-Bibliothek. Experten fordern solche Behälter auch für private Einrichtungen.

Wohl kaum ein Volk achtet so sehr auf Hygiene wie Japans. Nicht nur gehören japanische Toiletten zu den weltweit innovativsten. Touristen sind auch erstaunt über die Sauberkeit öffentlicher Klos. Zugleich altert Japan so schnell wie keine andere Industrienation, weswegen der Bedarf an Produkten und Dienstleistungen für Senioren steigt.

Zugleich rückt das Thema sexueller Minderheiten zunehmend in Japans öffentliches Bewusstsein, auch wenn die meisten LGBTIQ*-Menschen ihre sexuelle Identität aus Angst vor Diskriminierung geheimhalten. Die englische Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transmenschen, intergeschlechtliche sowie queere Menschen, das Sternchen ist Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter.


Bildnachweis: © Hiro Komae/AP/dpa
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