10. Juli 2021 / Allgemeines

Amsterdam: TV-Sendung wegen Drohungen abgesagt

Eine ernstzunehmende Drohung gegen eine TV-Sendung in den Niederlanden hat unmittelbare Folgen. Vor dem Studio war erst vor wenigen Tagen ein bekannter Journalist niedergeschossen worden.

Polizei steht vor dem Studio von RTL Boulevard (oben r) am Leidseplein, das evakuiert wurde.
von dpa

Wenige Tage nach dem Mordanschlag auf den niederländischen Kriminalreporter Peter R. de Vries ist am Samstag eine Fernsehsendung wegen Drohungen abgesagt worden.

Das Studio im Zentrum von Amsterdam sei aus Sicherheitsgründen geräumt worden, teilte der Sender RTL mit. De Vries war am Dienstagabend vor dem Studio auf offener Straße niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden, nachdem er in der Live-Sendung RTL Boulevard aufgetreten war.

Ein Sprecher der Amsterdamer Stadtverwaltung erklärte, es sei eine ernstzunehmende Drohung gegen die Sendung eingegangen. Justizminister Ferd Grapperhaus sagte, es seien daraufhin «sichtbare und auch unsichtbare Maßnahmen» ergriffen worden. Einzelheiten wurden nicht genannt.

In Medienberichten hieß es, der Zustand von De Vries sei weiterhin kritisch. Kurz nach dem Anschlag waren zwei Männer aufgrund von Aussagen von Augenzeugen und Kamerabildern festgenommen worden. Ein 21-jähriger Rotterdamer soll der Schütze sein. Ein 35 Jahre alter Pole mit Wohnsitz im Dorf Maurik im Südosten der Niederlande soll das Fluchtauto gefahren haben. Die Untersuchungshaft der beiden Tatverdächtigen wurde am Freitag um zunächst zwei Wochen verlängert.

Die Polizei nannte bislang keine Einzelheiten über Hintergründe oder Motive. Weithin wird in den Niederlanden das organisierte Verbrechen für den Mordanschlag verantwortlich gemacht. De Vries ist Vertrauensperson des Kronzeugen in einem großangelegten Prozess gegen eine Drogenbande.


Bildnachweis: © Evert Elzinga/ANP/dpa
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