5. März 2023 / Allgemeines

Asiatische Hornisse breitet sich aus

Asiatische Hornissen breiten sich seit einigen Jahren in Europa aus. Ihre Eigenart, gezielt an Bienenstöcken auf Beute zu lauern, lässt die Sorge von Imkern wachsen.

Asiatische Hornissen (Vespa velutina nigrithorax) sammeln sich an einem Ausgang ihres Nestes.
von Pascal Eichner, dpa

Sie lauern vor Bienenstöcken und fangen heimkehrende Honigbienen ab: Asiatische Hornissen machen Imkern in Baden-Württemberg und anderen Regionen Deutschlands Sorgen.

Die aus Südostasien eingeschleppte Art belagere gern Bienenstöcke, mitunter drängen die Hornissen sogar in die Kästen ein, sagt Kristin Krewenka, Geschäftsführerin im Landesverband der Badischen Imker. «Wir machen uns große Sorgen.» Durch den heißen und trockenen Sommer im letzten Jahr hätten sich die Tiere vermutlich stark vermehrt. Schon 2022 hätten sich die Sichtungen im Vergleich zum Vorjahr knapp verdreifacht.

Zwar jagen auch heimische Hornissen (Vespa crabro) gerne mal Bienen - die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) tut das aber weitaus häufiger und gezielter. Der Einfluss auf die heimische Insektenwelt sei bisher jedoch nicht gut genug untersucht, um gesicherte Aussagen treffen zu können, sagt Sabine Holmgeirsson, Wildbienenbeauftragte beim Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg.

Auch schon in anderen Ländern Europas

2014 war die eingeschleppte Art dem Nabu zufolge erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Frankreich - wo es schon 2004 einen ersten Fund gab - habe sie bereits in weiten Teilen besiedelt, auch in anderen europäischen Ländern gebe es zunehmend Meldungen. In Baden-Württemberg ist die invasive Art Krewenka zufolge besonders um Heidelberg und Karlsruhe verbreitet. Im vergangenen Jahr sei sie zudem auch in Tübingen und im Regierungsbezirk Stuttgart nachgewiesen worden. Meldungen gab es dem Nabu zufolge unter anderem auch aus Hessen und NRW.

Asiatische Hornissen sind etwas kleiner als heimische, ihre Völker können aber Tausende Tiere umfassen. Mehr als 15 Nester habe man 2022 in Baden-Württemberg gezählt, sagt Benjamin Waldmann, Referent für invasive Arten beim baden-württembergischen Landesumweltministerium. «Wir gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus.» Die ballonförmigen Nester seien schwer zu finden, oft hingen sie versteckt in Baumkronen.

Mit Peilsendern sollen sich die Hornissen darum selbst verraten: Helfer lauern ihnen in der Nähe von Bienenstöcken mit Keschern auf und fangen einzelne Tiere, an denen sie winzige Sender befestigen. «Die Idee ist, dass wir den Hornissen auf diese Weise bis zum Nest folgen können», sagt Waldmann. Einige Male sei die Methode bereits erfolgreich gewesen.

Nestöffnungen werden mit Schaum verschlossen

Werde ein Nest in großer Höhe aufgespürt, komme eine Feuerwehr-Drehleiter zum Einsatz, erklärt der Referent. Mit einem Schaumlöscher werde die Öffnung des Nests geschlossen, danach der entsprechende Ast abgesägt. Das Nest werde dann in eine Box gelegt und tiefgefroren. Durch die Kälte sterben die Hornissen.

Bisher haben Imker durch die invasive Art noch keine großen Schäden, wie es vom badischen Imkerverband heißt. Das Problem müsse aber auf lange Sicht gedacht werden. Zudem schmeckten den Hornissen auch Weintrauben und Obst - in Südeuropa sei das schon ein Problem für Wein- und Obstbauern.

Für den Menschen bedeutet die invasive Art keine größere direkte Gefahr als ihre heimische Verwandtschaft. Sie verhält sich den Experten zufolge friedlich und defensiv - nach ihnen zu schlagen oder sich ihrem Nest zu nähern, ist aber auch bei diesen Hornissen keine gute Idee. «Dann besteht die Gefahr, gestochen zu werden», sagt Waldmann.

Die Asiatische Hornisse ist nicht zu verwechseln mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia). Diese bis zu fünf Zentimeter großen, ursprünglich in Ost- und Südostasien vorkommenden Insekten breiten sich unter anderem in den USA aus und sind gefürchtete Bienenfeinde. Wegen allergischer Reaktionen kann ihr Stich für Menschen gefährlich sein. In Deutschland kommt die Art nicht vor.


Bildnachweis: © Axel Heimken/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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