Kriminelle Banden in Deutschland greifen immer häufiger zu exzessiver Gewalt, um ihre Opfer einzuschüchtern und Machtansprüche durchzusetzen - auch gegenüber rivalisierenden Gruppen. Im aktuellen Bundeslagebild Organisierte Kriminalität (OK) werden für das vergangene Jahr 20 vollendete Tötungsdelikte aufgeführt sowie 100 Fälle von vollendeter Körperverletzung. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im OK-Bereich 13 vollendete Tötungsdelikte und 77 Fälle von Körperverletzung. «Insbesondere zur Durchsetzung von Interessen und Machtansprüchen sowie in Konfliktsituationen zeigen OK-Gruppierungen eine erhöhte Gewaltbereitschaft und -anwendung», heißt es in dem Lagebild, das die Situation im Jahr 2025 abbildet. Als ein Beispiel für die Brutalität, mit der viele Täter inzwischen vorgehen, nennt das vom Bundeskriminalamt (BKA) erstellte Lagebild eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024, die auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurückzuführen sind. Zugenommen haben demnach zuletzt auch die Fälle, in denen Gewalttaten wie eine Dienstleistung bestellt oder durch eigens dafür rekrutierte Minderjährige verübt werden. Da sich dieses vergleichsweise neue Phänomen der Anwerbung der Täter über soziale Medien «sehr dynamisch entwickelt», sei ein fortlaufender Austausch mit den Service-Providern notwendig, hält das BKA fest. Unter den angeheuerten Tätern seien teils sogar 13-Jährige. Auftraggeber und derjenige, der die Tat ausführt, begegnen sich dabei oft überhaupt nicht. Solche kriminellen Dienstleistungen funktionierten nach dem Prinzip «Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu», sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Zum dritten Mal in Folge stieg 2025 der Anteil der Tatverdächtigen, die bewaffnet waren. Er lag im vergangenen Jahr bei 5,8 Prozent. In 30,3 Prozent der OK-Verfahren, die von den Dienststellen aus Bund und Ländern gemeldet wurden, stieß die Polizei auf bewaffnete Tatverdächtige. Im Vorjahr war dies in 28,4 Prozent der Ermittlungsverfahren der Fall gewesen. Drei Viertel der insgesamt 556 im OK-Kontext aufgefundenen Waffen waren illegale Waffen. Das heißt, die Tatverdächtigen besaßen dafür keine waffenrechtliche Erlaubnis. «Während Abschottung lange ein Kennzeichen der OK war, inszenieren insbesondere jüngere kriminelle Akteure - die sogenannte "Gen-Z-Mafia" Macht, Status und Gewalt zunehmend in den sozialen Medien», teilt das BKA mit. Die erhöhte Verfügbarkeit von Schusswaffen in Deutschland hängt den Angaben zufolge auch mit Fälschungen zusammen. Diese würden vor allem aus der Türkei in die Bundesrepublik geschmuggelt - unter anderem nach Berlin. Die oft täuschend echten Nachbauten sind optisch teilweise schwer vom Original zu unterscheiden. Die Fälschungen sind funktionstüchtig, haben jedoch in der Regel gewisse technische Mängel. Zugenommen hat 2025 auch die Zahl der Ermittlungsverfahren zu OK-Gruppierungen. Insgesamt waren es 683 Verfahren und damit so viele wie seit 2021 nicht mehr. Um mehr als 13 Prozent stieg die Zahl der Tatverdächtigen - auf den höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre. Unter den 7.988 Tatverdächtigen, die im vergangenen Jahr ermittelt wurden, waren 2.722 deutsche Staatsbürger, 664 Menschen mit türkischem Pass, 402 Syrer, 281 Albaner und 258 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit. Rauschgiftkriminalität machte im Berichtsjahr erneut mit Abstand den Großteil der OK-Ermittlungsverfahren aus, gefolgt von Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben, Steuer- und Zolldelikten, Schleuserkriminalität, Eigentumsdelikten und Geldwäsche. In 31 Ermittlungsverfahren ging es primär um Gewaltkriminalität, im Vorjahr waren es 11 OK-Ermittlungskomplexe zu Gewaltkriminalität gewesen. Mit 2.150 registrierten Drogentoten lag die Zahl der Todesfälle durch Rauschgift im vergangenen Jahr in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Ein Anstieg war laut Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität bei den Todesfällen im Zusammenhang mit sogenannten Neuen Psychoaktiven Stoffen (NPS) zu beobachten. Die Zahl der Todesfälle durch diese sogenannten Designerdrogen nahm demnach um knapp 15 Prozent auf 177 Tote zu. Sehr hoch ist der Anteil von NPS, die über das Internet verkauft werden, aber auch für andere Drogen gewinnt dieser Vertriebsweg laut BKA zunehmend an Bedeutung. Was die Polizei auch feststellt: Der Reinheitsgehalt von Kokain steigt. Der Preis sei aufgrund der hohen Verfügbarkeit zuletzt um 20 Prozent gesunken, sagt BKA-Präsident Holger Münch. Der Kokain-Konsum werde leider in Teilen der Gesellschaft als normal angesehen, trotz der gesundheitlichen Risiken und der dahinter stehenden kriminellen Netzwerke, sagt der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck. Über einen QR-Code könnte inzwischen ein sogenanntes Koks-Taxi bestellt werden.Sogar 13-Jährige werden für Gewalttaten rekrutiert
Mehr Waffen
Kriminelle posieren für Social Media
Mehr Ermittlungsverfahren
Hauptdelikt ist Drogenhandel
Mehr Drogen werden über das Internet verkauft
Verharmlosung von Kokain
Bildnachweis: © Annette Riedl/dpa
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Bandenkriminalität: Mehr Waffen und brutale Einschüchterung
Explosionen und Schüsse im Raum Köln sind laut Bundeskriminalamt nur ein Beispiel für die wachsende Brutalität krimineller Banden. Die Zahl der Ermittlungsverfahren steigt deutlich an.
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