22. September 2024 / Allgemeines

Wohin will «Ruby»? Schiff mit Ammoniumnitrat in Nordsee

Als Zielort gilt Litauen, aber dort ist der Frachter «Ruby» unerwünscht. Anrainer beobachten die Fahrt mit Sorge. Ein Experte hat einen Verdacht.

Auch das Havariekommando hat das Schiff im Blick. (Archivbild)
von dpa

Das Schicksal des Frachters «Ruby» mit rund 20.000 Tonnen Ammoniumnitrat an Bord, der manövrierunfähig in der Nordsee liegt, ist unklar. Das staatliche dänische Unternehmen DanPilot teilte dem dänischen Sender DR mit, dass es keine Anfrage der «Ruby» mehr für einen Lotsen gebe. 

Das könnte darauf hindeuten, dass sich die Pläne des Schiffs geändert haben. Das dänische Schifffahrtsamt hatte dem beschädigten Frachter die Durchfahrt durch dänische Gewässer nur mit einem Lotsen an Bord erlaubt.

Derzeit liegt das Schiff unter maltesischer Flagge in norwegischen Gewässern südwestlich der Stadt Kristiansand und hat sich laut Schifffahrts-Trackingdiensten zuletzt kaum bewegt. 

Die Route wird in allen Anrainerstaaten von Nord- und Ostsee genau verfolgt. «Die Bundespolizei beobachtet das Frachtschiff weiterhin und steht mit den benachbarten Behörden und internationalen Partnern im Austausch», teilte die zuständige Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt auf Anfrage mit.

Will das Schiff nach Litauen?

Die «Ruby» war auf dem Weg von der nordrussischen Halbinsel Kola zu den Kanarischen Inseln, als sie in einem Sturm beschädigt wurde. Nach mehreren Wochen im nordnorwegischen Tromsø wurde sie dort wegen ihrer riskanten Ladung aus dem Hafen verwiesen. Als Zielort für eine Reparatur gilt nun das litauische Klaipėda, aber die Behörden des baltischen EU-Staates haben ebenso bereits die Einfahrt verweigert wie die schwedischen Häfen Göteborg und Uddevalla.

Ammoniumnitrat gilt als Auslöser der Katastrophe im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut im August 2020. Dort waren über Jahre große Mengen der Chemikalie, die auch als Hauptbestandteil von Düngemittel dient, unsachgemäß im Hafen gelagert worden. Mehr als 200 Menschen kamen ums Leben.

Experten warnen seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor einer «Schattenflotte» aus häufig veralteten und schlecht gewarteten Schiffen unter Flagge von Drittstaaten, die russische Güter durch Ost- und Nordsee transportieren. Jacob Kaarsbo vom dänischen Think Tank Europa sagte DR, die «Ruby» verhalte sich «verdächtig». Er schließe nicht aus, dass das Schiff Teil eines hybriden Kriegs ist, mit dem Russland die Reaktion der nordeuropäischen Staaten testen wolle, sagte Kaarsbo.


Bildnachweis: © Focke Strangmann/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

„Ich genieße jeden Tag“
Stadt Gütersloh

Dienstjubilare der Stadt Gütersloh werden im Flussbetthotel geehrt.

weiterlesen...
„Gütersloh International“ feiert die Vielfalt der Kulturen mit zwei Neuheiten
Stadt Gütersloh

Mehr als 40 Stände, ein internationales Bühnenprogramm und neue Angebote für Kinder machen das Fest erneut zum...

weiterlesen...
Kreis Gütersloh: Nur 9 Prozent der Wohnungen sind wirklich fit fürs Alter
lokalnachrichten kreis gütersloh

Bald gehen 58.800 Menschen im Kreis in Rente. Doch in den meisten Wohnungen lässt sich kaum alt werden, zeigt eine neue Studie.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Weiterer amerikanischer Ebola-Patient jetzt in Deutschland
Allgemeines

Wieder hat sich ein US-Mediziner im Kongo mit dem gefährlichen Ebola-Virus angesteckt, wieder geht es zur Behandlung nach Deutschland. Diesmal übernimmt eine andere Isolierstation den Fall.

weiterlesen...
Werksverkauf bei Pöttker in Lippstadt: Esstische, für die sich die Fahrt lohnt
Lokalnachrichten Ostwestfalen

Musterstücke, Einzelstücke und Auslaufmodelle direkt ab Werk – am 17. & 18. Juli in Lippstadt.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Weiterer amerikanischer Ebola-Patient jetzt in Deutschland
Allgemeines

Wieder hat sich ein US-Mediziner im Kongo mit dem gefährlichen Ebola-Virus angesteckt, wieder geht es zur Behandlung nach Deutschland. Diesmal übernimmt eine andere Isolierstation den Fall.

weiterlesen...
Social-Media-Verbot: Könnte ein EU-Bericht den Weg ebnen?
Allgemeines

Ab wann ist man alt genug für TikTok, Snapchat und Co.? Experten sollten für die EU-Kommission klären, ob es ein Social-Media-Verbot braucht. Ihre Antworten sind auch für die deutsche Debatte wichtig.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner