6. Februar 2023 / Allgemeines

Chat-Dienst für organisierte Kriminalität stillgelegt

Bei der Durchsuchung des «Cyberbunkers» 2019 kamen Ermittler auf die Spur von Exclu: Über diesen Dienst tauschten sich vor allem Drogenhändler aus. Nun wurden 48 Beschuldigte festgenommen.

Polizisten sichern das Gelände eines ehemaligen Bundeswehr-Bunkers in Traben-Trarbach (Archivbild). Dort wurde ein Rechenzentrum für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben.
von dpa

In einem grenzüberschreitenden Schlag gegen die organisierte Kriminalität haben Fahnder einen Chat-Dienst abgeschaltet, der vor allem von Drogenhändlern genutzt wurde. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz teilte am Montag mit, dass es nach monatelangen Ermittlungen zusammen mit niederländischen Behörden gelungen sei, die Daten des Kryptokommunikationsdienstes Exclu zu entschlüsseln, die Kommunikation zu überwachen und den Dienst letztlich abzuschalten.

Dazu gab es nach Angaben des LKA am vergangenen Freitag in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Polen Durchsuchungen an mehr als 70 Orten. Dabei wurden im Ausland insgesamt 48 Menschen festgenommen, bei denen es sich laut LKA um Nutzer des Dienstes, aber auch um Betreiber der Plattform handelt. Unter den Beschuldigten seien keine deutschen Staatsbürger, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Koblenz.

Die Ermittlungen des LKA gemeinsam mit der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz begannen im Juni 2020. Ausgelöst wurden sie von dem Ermittlungsverfahren gegen die Betreiber des sogenannten Cyberbunkers in Traben-Trarbach, wo die Exclu-Plattform bis zur Durchsuchung dieser Anlage im September 2019 eingerichtet war. Danach wurden die Server für Exclu mehrfach verlegt, zuletzt befanden sie sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Deutschland.

Weitreichende Zusammenarbeit

Im April 2022 wurde die niederländische Polizei an den Ermittlungen beteiligt. Auch Behörden in Schweden, Frankreich und Italien waren den Angaben zufolge in die Ermittlungen eingebunden. Unterstützung gab es auch von Seiten des Bundeskriminalamts (BKA), der polnischen Polizei sowie von Europol. LKA-Präsident Johannes Kunz sprach von einer «guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den beteiligten europäischen Sicherheitsbehörden».

Die Behörden rechnen die Nutzer von Exclu vor allem dem Drogenhandel zu. Der über eine App genutzte Dienst konnte für 800 Euro je Halbjahr aktiviert werden. Exclu verfügte über einen sogenannten Panik-Button, mit dem der gesamte Chatverlauf ebenso wie der Austausch von Dokumenten sofort gelöscht werden konnte. Die Behörden schätzen, dass Exclu von etwa 3000 Menschen genutzt wurde, davon 750 in den Niederlanden. Der Betrieb des Dienstes könne strafbar sein, wenn damit die Begehung von Straftaten gefördert werde, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen werden jetzt weitergeführt.


Bildnachweis: © Thomas Frey/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Todesflug Rio-Paris: Kein Ende der Aufarbeitung in Sicht
Allgemeines

228 Menschen sterben 2009 bei dem Absturz einer Air-France-Maschine zwischen Rio de Janeiro und Paris mitten im Atlantik. Bald jährt sich die Katastrophe zum 15. Mal. Wie steht es um die Aufarbeitung?

weiterlesen...
Von Gütersloh nach Indonesien
Hilfe und Beratung

Eine Gruppe der Pater-Noldus-Aktion war vor Ort in Makassar

weiterlesen...
Das ganz spezielle Gütersloher Sommermärchen
Good Vibes

Erinnerungen an Ronaldo und Co. 2006 im Gütersloher Heidewald

weiterlesen...

Neueste Artikel

In Deutschland leben rund 83 Millionen Menschen
Allgemeines

Bevölkerungsdaten sind wichtig für den Länderfinanzausgleich und auch für die Planung vor Ort - zum Beispiel, wenn es um Wohnraum und Kitaplätze geht. Neue Daten sorgen jetzt für eine Überraschung.

weiterlesen...
Fund von Kinderleiche: Keine Hinweise auf Fremdverschulden
Allgemeines

Das Schicksal des vermissten kleinen Arian bewegt die Menschen, viele beteiligen sich an der Suche nach dem Sechsjährigen - doch vergeblich. Nun findet ein Landwirt eine Kinderleiche. Ist es Arian?

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

In Deutschland leben rund 83 Millionen Menschen
Allgemeines

Bevölkerungsdaten sind wichtig für den Länderfinanzausgleich und auch für die Planung vor Ort - zum Beispiel, wenn es um Wohnraum und Kitaplätze geht. Neue Daten sorgen jetzt für eine Überraschung.

weiterlesen...
Fund von Kinderleiche: Keine Hinweise auf Fremdverschulden
Allgemeines

Das Schicksal des vermissten kleinen Arian bewegt die Menschen, viele beteiligen sich an der Suche nach dem Sechsjährigen - doch vergeblich. Nun findet ein Landwirt eine Kinderleiche. Ist es Arian?

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner