13. September 2024 / Allgemeines

Regen ohne Ende: Nachbarländer rüsten sich vor Hochwasser

Es regnet in den östlichen Nachbarländern so viel, dass Überschwemmungen drohen. Was tun die Länder, um eine Katastrophe zu verhindern? Auch für Deutschland besteht Gefahr.

Feuerwehrleute in Tschechiens Hauptstadt Prag treffen Vorbereitungen angesichts vieler Regenmassen.
Veröffentlicht am 13. September 2024 um 17:50 Uhr von dpa

Deutschlands östliche Nachbarländer wappnen sich gegen drohende Überschwemmungen in den nächsten Tagen. Dauerregen ließ am Freitag in Österreich, Polen, in der Slowakei und Tschechien die Sorgen wachsen, dass Flüsse über die Ufer treten. «Wir bereiten uns auf die schlimmsten Szenarien vor», sagte der tschechische Regierungschef Petr Fiala in der Hauptstadt Prag. An manchen Flüssen müsse mit einem derart schlimmen Hochwasser gerechnet werden, wie es statistisch gesehen nur einmal im Jahrhundert auftritt. Auch in Deutschland könnte sich die Lage zuspitzen.

Vorbereitungen in Polen

In Polen rief Vize-Innenminister Wieslaw Lesniakiewicz zu Vorkehrungen vor einem möglichen Hochwasser auf. Menschen, die in der Nähe von Flüssen im Erdgeschoss wohnten, sollten sich auf Hochwasser einstellen, sagte er dem Radiosender Rmf.fm. Garagen sollten geräumt und Autos an einem sicheren Ort geparkt werden. «Es können auch Situationen eintreten, wo zeitweise kein Trinkwasser vorhanden ist oder kein Strom.»

Das Meteorologische Institut gab indes eine Hochwasserwarnung für die Woiwodschaften Niederschlesien, Oppeln, Schlesien und Kleinpolen heraus. Dort könnten bis zu 150 Liter Wasser pro Quadratmeter niedergehen, hieß es in einem Statement. Die Armee und alle uniformierten Dienste seien in Bereitschaft, schrieb Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf der Plattform X. Boote, Amphibienfahrzeuge und schweres Gerät seien vorbereitet.

Krisenstab in Tschechien einberufen 

In Tschechien berief die Regierung angesichts heftiger Regenfälle schon am Freitag einen Krisenstab ein. Der Abfluss aus den Stauanlagen an der Moldau sei «rasant erhöht» worden, teilte Landwirtschaftsminister Marek Vyborny auf X mit. Am Freitag wurden mehr als 300 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen. Damit sollen die Kapazitäten in den Stauseen für die später erwarteten Wassermassen freigehalten werden. Im historischen Stadtzentrums Prags sollten Schutzwände aufgestellt werden. Aus der Moldau wurde eine Leiche geborgen - weshalb der Mann ums Leben kam, ist laut Polizei noch unklar.

Der tschechische Wetterdienst weitete unterdessen seine Warnung vor starken bis extremen Niederschlägen für das Wochenende auf den Großteil des Landes aus. Besonders kritisch könnte die Lage im Osten Tschechiens werden. In Jesenik im Altvatergebirge könnten den Vorhersagen zufolge bis einschließlich Sonntag bis zu 400 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen. Die Fußball-Ligaspiele am Wochenende wurden bereits abgesagt.

Die Behörden rechnen mit einem sogenannten Jahrhundert-Hochwasser am Grenzfluss March. Die slowakische Hauptstadt Bratislava liegt direkt am Zusammenfluss von Donau und March im Dreiländereck zu Ungarn und Österreich. Die Behörden des Landes wollen gezielt Flächen überfluten, um so Überschwemmungen in Bratislava zu verhindern. 

Österreich erwartet bis zu 300 Liter Regen

In Österreich erwarten Wetter-Fachleute in den kommenden Tagen massive Regenmengen mit Überschwemmungen und Erdrutschen. Bis Dienstag könnten im Großteil des Alpenlandes 100 bis 200 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, hieß es vom staatlichen Meteorologie-Institut Geosphere Austria. In Teilen Niederösterreichs und Oberösterreichs könnten es demnach auch mehr als 300 Liter werden.

Entlang der Donau bereiteten sich Einsatzkräfte auf ein Hochwasser vor, wie es etwa alle 10 bis 15 Jahre vorkommt, hieß es von den Behörden. Unter anderem wurden mobile Hochwasserschutzanlagen aufgebaut und Sandsäcke gefüllt. 

In den Bergen sorgte Schnee für lokale Straßensperren. Ab 800 Meter herrsche Lawinengefahr, warnte das Bundesland Salzburg. Dass der Schnee bis in relativ tiefe Lagen hinab fiel, werteten Hochwasser-Fachleute jedoch positiv. Denn dadurch fließt der Niederschlag erst ab, wenn es wieder wärmer wird.

Die Österreichischen Bundesbahnen riefen alle Fahrgäste auf, nicht dringend notwendige Zugfahrten zwischen Freitag und Sonntag zu verschieben. Bereits in der Nacht auf Freitag wurde die Bahnstrecke zwischen Bad Hofgastein und Bad Gastein im Salzburger Land wegen starken Schneefalls gesperrt. Mehrere Straßen in Österreich waren wegen umgestürzter Bäume oder liegengebliebener Fahrzeuge blockiert. Andere Routen, wie etwa die Großglockner Hochalpenstraße, wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. In manchen Gebieten galt Schneekettenpflicht.

Dauerregen an den Alpen und in östlichen Mittelgebirgen

Für Deutschland sagte der Deutsche Wetterdienst ergiebigen Dauerregen an den Alpen und in den östlichen Mittelgebirgen vorher. Dies gelte im Südosten gebietsweise bis Montag. Oberhalb von 1.500 Metern schneit es bis Sonntagfrüh zeitweise kräftig. In Sachsen und an der Lausitz ende der Dauerregen vorläufig am Samstagvormittag. Am Sonntag ziehen der Vorhersage zufolge von Polen und Tschechien her neue Regenfälle auf, allerdings voraussichtlich mit geringerer Intensität.

Am Alpenrand könnten laut Wetterdienst bis Sonntagfrüh binnen 48 Stunden 60 bis 90 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen, teils auch um die 100 Liter pro Quadratmeter. In Ostsachsen, am Erzgebirge und in der Niederlausitz sei mit 30 bis 50, in Staulagen bis 70 Litern pro Quadratmeter binnen 24 Stunden bis Samstagmittag zu rechnen.

Hochwasser an der Elbe erwartet

In den östlichen Landesteilen Deutschlands richten sich nun die Blicke auf die Wetterlage in den Nachbarländern. Die Elbe könnte Hochwasser auch nach Sachsen bringen, die Oder auch nach Brandenburg. Den Prognosen zufolge wird die Elbe in Dresden am Sonntag die Alarmstufe 1 erreichen - die niedrigste von vier Hochwasserwarnstufen. Bis zum Mittwoch könnte die Alarmstufe 3 erreicht werden. Der Wasserstand könnte demnach auf sechs bis sieben Meter ansteigen, normal sind in Dresden zwei Meter.

Wegen der eingestürzten Carolabrücke in Dresden ist die Lage ohnehin angespannt. Unter Hochdruck versuchen Einsatzkräfte, die Trümmerteile aus dem Fluss zu räumen - wie lange das dauert, ist noch unklar. 

Klimawandel führt zu mehr Starkregen und Hochwasser

Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): «Ich schaue mit Sorge auf die nächsten Tage.» Bei Hochwasser gehe es zuerst um einen funktionierenden Katastrophenschutz und schnelle Hilfe für die Menschen vor Ort. Sie verwies aber auch auf die Bedeutung von Klimaschutz und von mehr Anpassung an den Klimawandel. «Grundsätzlich gilt: Starkregenereignisse und Hochwasser werden wegen der Klimakrise häufiger. Sie sind ein massives Sicherheitsrisiko und beeinträchtigen Menschen in kürzer werdenden Abständen in ihrem Alltag.» 

Flüsse bräuchten mehr Raum, sagte die Grünen-Politikerin. «Intakte Auen können mehr Wasser aufnehmen, Deichrückverlegungen können Hochwasserscheitel relevant absenken.»


Bildnachweis: © Petr David Josek/AP
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