4. Februar 2025 / Allgemeines

Santorini bebt – Athen spürt die Erschütterungen

Die Erdbebenserie in der Ägäis steigert sich: Erstmals gab es ein Beben der Stärke 5, das selbst in Athen spürbar war. Seismologen hatten vorhergesagt, dass die Intensität zunehmen werde.

Nur wenige Touristen halten sich derzeit auf Santorini auf.
Veröffentlicht am 4. Februar 2025 um 16:30 Uhr von dpa

Ein kurzes Rütteln und Wackeln, dann war es schon wieder vorbei: Viele Menschen in der griechischen Hauptstadt Athen haben am Nachmittag ein Erdbeben gespürt. Es waren die Ausläufer eines der jüngsten Beben in der Region um die Ferieninsel Santorini - rund 230 Kilometer entfernt. Dort bebt die Erde derzeit fast im Zehn-Minuten-Takt. Das betreffende Beben erreicht mit Stärke 5 einen vorläufigen Höchstwert.

Seit zwölf Tagen wird die Region um Santorini und die Inseln Ios, Anafi und Amorgos von der Erdbebenserie heimgesucht. Experten gehen davon aus, dass die seismische Aktivität weiter zunimmt, bevor es - so die Hoffnung - zu einem mittelschweren Hauptbeben kommt, das die Lage schließlich entspannen könnte. Wann dies geschehen wird und wie stark das erwartete Hauptbeben letztlich ausfallen könnte, ist jedoch ungewiss. Bei der griechischen Erdbebenbehörde heißt es, die Situation könne sogar noch wochenlang anhalten.

Hunderte Beben innerhalb weniger Tage

Allein in den letzten drei Tagen wurden in der Region mehr als 550 Beben mit Stärken zwischen 3 und 4,9 registriert. Kleinere Erschütterungen sind kaum mehr zählbar. Während solche Beben auf Santorini nicht ungewöhnlich sind, ist die enorme Häufung gefährlich. Besonders gefährdet sind Häuser, die an den steilen Kraterrändern der Insel gebaut wurden. Sie könnten bei den anhaltenden Erschütterungen abrutschen, befürchten die Einwohner.

Weiterhin verlassen Menschen die Insel

Die Unsicherheit treibt viele Menschen in die Flucht. Über ein Drittel der rund 16.000 Einwohner hat Santorini bereits verlassen, vor allem Frauen und Kinder. Fähren und Fluggesellschaften haben zusätzliche Verbindungen eingerichtet, um die große Nachfrage zu bewältigen. Doch nicht alle fliehen: Zwar bleiben die Schulen auf den vier Inseln geschlossen, doch viele Tavernen und Geschäfte sind weiterhin geöffnet, auch in Unternehmen wird gearbeitet.

Kaum deutsche Touristen vor Ort

Auf Santorini beginne die Urlaubssaison erst im März, man habe noch keine Gäste auf der Insel, heißt es bei Tui, Dertour, Alltours und dem Deutschen Reiseverband. Man behalte die Lage im Blick und verfolge die Experteneinschätzungen. Maßgabe sei grundsätzlich der Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes und der örtlichen Behörden, teilte Dertour mit. «Die Präventionskonzepte aus Griechenland sind äußerst gut, das haben auch die vergangenen Jahre gezeigt.» So erhielten die Menschen bei Gefahren wie Erdbeben, Überschwemmungen, schweren Unwettern und Waldbränden Warn- und Evakuierungsmeldungen per SMS aufs Smartphone.

Vulkanausbruch nicht ausgeschlossen

Neben der Sorge um ein möglicherweise sehr starkes Hauptbeben, das sogar Tsunamis zur Folge haben könnte, stellt auch der Unterwasservulkan Kolumbos nordöstlich von Santorini ein Risiko dar. Manche Seismologen vertreten gegenüber griechischen Medien die Ansicht, er könne durch die anhaltenden Erschütterungen reaktiviert werden.


Bildnachweis: © Petros Giannakouris/AP/dpa
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