18. September 2022 / Allgemeines

Esa-Chef: Europäischer Astronaut soll bald auf den Mond

Für die europäische Raumfahrt ging in diesem Jahr schon einiges schief. Doch der Esa-Generaldirektor gibt sich optimistisch. Und hat den Mond im Blick.

Josef Aschbacher, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), im dpa-Newsroom.
von Interview: Valentin Frimmer, dpa

Der Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur (Esa), Josef Aschbacher, hat große Ziele - und will dafür viel Geld. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sprach er über Europäer auf dem Mond, Ticketpreise für den Flug dorthin - und den Astronautennachwuchs.

Frage: Die europäische Rakete Ariane 6 ist immer noch nicht abgehoben, die deutsch-russische Marsmission Exomars wurde gestoppt und das europäische Servicemodul ESM der Mondmission Artemis ist noch nicht auf dem Weg zum Mond. Verbuchen Sie 2022 als ein Jahr der Rückschläge?

Antwort: Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wir haben sehr viele Erfolge gehabt. Ich nenne als Beispiel den Erstflug der Rakete Vega-C. Wir haben zudem erstmals einen Weltraumgipfel organisiert, auf dem EU und Esa gemeinsam Entscheidungen getroffen haben. Der Ministerrat im November, bei dem die Esa-Mitgliedstaaten Budget und Fahrplan für die kommenden drei Jahre festlegen, wird der krönende Abschluss des Jahres werden. Die Bekanntgabe der neuen Astronautenklasse im selben Monat wird ebenfalls ein Höhepunkt. 

Frage: Wie wird diese Truppe zusammengesetzt sein?

Antwort: Das kann man derzeit noch nicht sagen. Wir sind in den letzten Zügen der Auswahl. Wir hatten fast 22.000 Bewerbungen. In mehreren Stufen haben wir das auf 50 reduziert. Daraus werden wir noch mal auswählen. Die aussichtsreichsten Kandidaten werde ich selbst im Oktober interviewen und die neuen Astronautinnen und Astronauten persönlich auswählen. Wie viele es sind und ob Deutsche dabei sind, lässt sich noch nicht sagen.

Frage: Die Zukunft der ISS ist ungewiss. Werden diese Astronauten überhaupt jemals ins All fliegen?

Antwort: Ja, natürlich. Wir wählen ja Astronauten aus, damit sie fliegen. Die Frage ist, wann. Es gibt zwei mögliche Ziele. Zum einen die ISS, die wir gemeinsam mit der Nasa bis 2030 gerne weiterbetreiben wollen. Zum anderen gibt uns das Nasa-Mondprogramm «Artemis» die Möglichkeit, Astronauten zur geplanten Station in der Mondumlaufbahn, dem «Lunar Gateway», zu bringen. Derzeit sind mit der Nasa drei Flüge für Esa-Astronautinnen und -Astronauten vereinbart. Eventuell können wir auch einen Astronauten auf den Mond selbst bringen.

Frage: Warum gibt es dafür noch keine feste Zusage?

Antwort: Glauben Sie mir, ich bringe das Thema jedes Mal auf den Tisch, wenn ich Nasa-Chef Bill Nelson treffe. Ich will noch in diesem Jahrzehnt einen europäischen Astronauten oder eine europäische Astronautin auf dem Mond sehen.

Frage: Ist das eine Frage des Geldes?

Antwort: Solche Flüge von Astronauten bei der Nasa werden nicht direkt bezahlt. Indirekt aber schon, in dem wir uns an Kooperationen beteiligen und entsprechend investieren. Wenn wir zum Beispiel wichtige Beiträge zum «Artemis»-Programm leisten, kann ich das bei Verhandlungen auf den Tisch legen. Deshalb ist es auch wichtig, dass der Esa-Ministerrat im November ein hohes Budget und viele vorgeschlagene Projekte freigibt. Das stärkt meine Position.

Frage: Die letzte bemannte Mondlandung ist jetzt 50 Jahre her. Welchen Mehrwert versprechen Sie sich von dem neuen Anlauf?

Antwort: Wir haben eine gewisse Vorstellung, welche ökonomischen Vorteile uns das bringen kann. Allerdings können wir heute noch nicht das volle Potenzial des neuen Wirtschaftsraumes kennen. Ich bin aber persönlich überzeugt, dass es sich lohnt. Der Mond wird sich zu einem neuen Wirtschaftsraum entwickeln, der im nächsten Jahrzehnt voll zur Blüte gelangen wird. Wir stehen erst am Beginn, dieses Mal den Mond nachhaltig für unsere Projekte zu nutzen. Als Columbus nach Amerika kam, wusste er zunächst auch nicht, was das alles heißt.

ZUR PERSON: Josef Aschbacher (60) ist seit Frühjahr 2021 Generaldirektor der Esa. Zuvor war der österreichische Geophysiker unter anderem Esa-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme.


Bildnachweis: © Bernd von Jutrczenka/dpa
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