28. Juli 2023 / Allgemeines

Fadenwürmer aus Permafrost nach 46.000 Jahren aufgetaut

Das Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden hat herausgefunden, dass Fadenwürmer im Permafrost nach 46.000 Jahren wiederbelebt werden können.

Ein Fadenwurm (Panagrolaimus kolymaensis) auf einem Rasterelektronenbild.
von dpa

Fadenwürmer können 46.000 Jahre im Permafrost überdauern und sich danach wieder vermehren. Wie sie das machen, hat ein Team um Teymuras Kurzchalia vom Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden herausgefunden.

Die Würmer produzieren einen speziellen Zucker und bilden eine Dauerlarve, wie das Team in der Fachzeitschrift «Plos Genetics» schreibt. Es entdeckte zudem, dass die Fadenwürmer, die im dauerhaft gefrorenen Boden Sibiriens gefunden worden waren, einer bisher unbekannten Art angehören.

«Unsere Forschung zeigt, dass Fadenwürmer Mechanismen entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, ihr Leben über geologische Zeiträume hinweg zu erhalten», werden Kurzchalia und sein damaliger MPI-Kollege Vamshidhar Gade in einer Mitteilung des Dresdner MPI zitiert.

Fadenwürmer wurden wiederbelebt

Forscher des Instituts für physikalisch-chemische und biologische Probleme der Bodenkunde (RAS) in Russland hatten 2018 im Nordosten Russlands, am Fluss Kolyma, Bodenproben aus dem Permafrost genommen. Im Labor gelang es ihnen, zwei Fadenwürmer (Nematoden) wiederzubeleben, die sich anschließend auch vermehrten, da bei diesen Tieren auch die ungeschlechtliche Vermehrung möglich ist. Analysen des umliegenden Pflanzenmaterials mit der Radiokarbon-Methode ergaben, dass sich die Würmer rund 46.000 Jahre im Permafrost befunden hatten.

Kurzchalia und Kollegen erforschten schon länger einen anderen Fadenwurm und taten sich mit den russischen Forschern zusammen, um mehr über die Überlebensfähigkeit der Würmer herauszufinden. Eine genetische Analyse erbrachte, dass der Wurm aus dem Eis zu keiner bekannten Art gehörte.

Würmer überleben durch Fettreserven

Die Forscher nannten die neue Art «Panagrolaimus kolymaensis», nach dem Fluss, an dem ihre ersten Vertreter gefunden worden waren. Das Wurmgenom verglichen sie dann mit dem von Caenorhabditis elegans, einem gut untersuchten Fadenwurm. Sie analysierten insbesondere die Gene, die daran beteiligt sind, C. elegans ins Stadium der Dauerlarve zu überführen: Fast alle diese Gene fanden sich auch bei Panagrolaimus kolymaensis.

Die Biologen klärten auch einen Mechanismus auf, der das Überleben bei Minusgraden möglich macht: Beide Fadenwurmarten reagieren auf eine leichte Austrocknung mit dem Auflösen ihrer Fettreserven und der Produktion des Zuckers Trehalose. In diesem Zustand können sie eine starke Austrocknung und ein anschließendes Einfrieren überstehen.


Bildnachweis: © A. V. Tchesunov/A. Shatilovich/Institute of Physicochemical and Biological Problems in Soil Science RAS/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Osterfeuer nur mit Tradition
Stadt Gütersloh

Umschichten vor dem Entzünden ist Pflicht.

weiterlesen...
Rheda-Wiedenbrück: B61 – Restarbeiten ab 13. April, Tempo 50 und Einspurbetrieb bis Freitag
Baustellen und Sperrungen

Straßen.NRW führt ab Montag letzte Bankett- und Markierungsarbeiten auf der B61 durch

weiterlesen...
Streik: Stadtbusse bleiben drei Tage stehen
Stadt Gütersloh

Von Donnerstag, 19. März, bis Sonntag, 22. März, um 4 Uhr.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Umfrage: Deutschlandweit mehr als 400 Cannabis-Anbauvereine
Allgemeines

Seit rund zwei Jahre ist Cannabis in Deutschland zum Teil legal. Der legale Anbau der berauschenden Pflanzen ist einer Umfrage zufolge in Deutschland mittlerweile in mehreren Hundert Vereinen möglich.

weiterlesen...
 Kooperative Kontrollen in Gütersloh - mehrere Personen wiederholt ohne Aufentha...
Polizeimeldung

Gütersloh (ots) - Gütersloh (FK) - Kräfte des Hauptzollamts Bielefeld, des Ordnungsamts der Stadt Gütersloh und der...

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Umfrage: Deutschlandweit mehr als 400 Cannabis-Anbauvereine
Allgemeines

Seit rund zwei Jahre ist Cannabis in Deutschland zum Teil legal. Der legale Anbau der berauschenden Pflanzen ist einer Umfrage zufolge in Deutschland mittlerweile in mehreren Hundert Vereinen möglich.

weiterlesen...
Gestrandetem Buckelwal geht es schlecht
Allgemeines

Das Schicksal des vor Poel gestrandeten Buckelwals beschäftigt die Menschen. Gesundheitlich ist der Meeressäuger in schlechtem Zustand, atmet aber noch. Auch ein Gericht befasst sich mit dem Thema.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner