6. September 2022 / Allgemeines

Forscher in Japan entwickeln Super-Cyborgs

Insekten als kleine Roboter nutzen - daran haben Militär und Forschung großes Interesse. Die Technik der Cyborgs braucht Strom - eine mit Solarenergie arbeitende Variante wurde nun in Japan geschaffen.

Eine Cyborg-Kakerlake, ausgestattet mit einem winzigen drahtlosen Steuermodul, das von einer wiederaufladbaren Batterie betrieben wird. Letztere ist mit einer Solarzelle verbunden.
Veröffentlicht am 6. September 2022 um 11:27 Uhr von dpa

Insekten ferngesteuert durch die Gegend laufen lassen - das klingt gruselig und nach Tierquälerei. Forschende tüfteln schon seit Jahren an solchen Cyborgs - und haben nun eine besonders ausdauernde Mischung aus Insekt und Roboter geschaffen. Die Schaben tragen ein drahtloses Steuermodul und eine von ultradünnen Solarzellen gespeiste Batterie, wie das Team im Fachjournal «npj Flexible Electronics» berichtet. Das sei ein weiterer Schritt zur Nutzung solcher Mischwesen etwa bei der Inspektion gefährlicher Bereiche oder zur Suche nach Überlebenden oder Gaslecks nach Erdbeben.

Bisher sei die Stromversorgung über längere Zeit ein Problem bei den Insekten-Cyborgs gewesen. «Es ist von grundlegender Bedeutung, dass die Batterie immer ausreichend aufgeladen ist - niemand möchte, dass plötzlich ein Team von Cyborg-Schaben herumläuft, das außer Kontrolle gerät», heißt es in einer Mitteilung zur Studie. Andockstationen zum Aufladen des Akkus seien zwar möglich, die beste Lösung sei aber eine Solarzelle. Das bei den aktuellen Experimenten verwendete flexible Solarzellenmodul sei nur vier Mikrometer dick.

Die Wissenschaftler um Kenjiro Fukuda vom Riken Cluster for Pioneering Research (CPR) nutzen für ihre Versuche Madagaskar-Fauchschaben (Gromphadorhina portentosa), die ungefähr sechs Zentimeter lang sind. Sie befestigten ein drahtloses Beinsteuerungsmodul und einen Lithium-Polymer-Akku als eine Art Rucksack an den Insekten. Dieser wurde aus einem elastischen Polymer in 3D-Druck geschaffen, angepasst an die gekrümmte Form der Tiere. Die Beinsegmente wurden über Drähte stimuliert und auf diese Weise ferngesteuert - die Tiere laufen so in die gewünschte Richtung.

Auch fliegende Insekten haben die Forscher im Blick

In Tests habe die Befestigung des Systems mehr als einen Monat lang gehalten, so die Forschenden. Die Tiere würden in ihren normalen Bewegungsabläufen kaum beeinträchtigt und könnten sich großteils auch wieder aus der Rückenlage aufrichten. Künftig könne das System eventuell auch bei Käfern oder sogar bei fliegenden Insekten wie Zikaden verwendet werden.

International gibt es viele ähnliche Projekte, etwa des US-Militärs. Tierschützer allerdings zeigen sich ob solcher Experimente oft entsetzt.


Bildnachweis: © Kenjiro Fukuda/RIKEN/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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