4. Juni 2025 / Allgemeines

Industrieabgase wirbeln Ökosystem im Ozean durcheinander

Eine Studie enthüllt: Eisen aus industrieller Luftverschmutzung verändert das Ökosystem im Nordpazifik – tausende Kilometer vom Ursprung entfernt.

Untersucht wurde eine Region nördlich von Hawaii, die sogenannte Nordpazifische Übergangszone.
von dpa

Eisen aus Industrieabgasen verändert einer Studie zufolge das Ökosystem im Nordpazifik. Das Metall gelange über die Atmosphäre zu entlegenen Ozeanregionen und werde dort durch Regen ins Meer gespült. «Das ist ein Beispiel dafür, wie weitreichend menschliche Verschmutzung marine Ökosysteme beeinflussen kann – selbst tausende Kilometer vom Ursprungsort entfernt», sagte Studienleiter Nick Hawco von der Universität von Hawaii. 

Das Eisen wirkt nach Forscherangaben im Meer als Dünger und löst eine starke Vermehrung von Mikroalgen und anderem Phytoplankton aus - mit negativen Folgen. Publiziert wurden die Ergebnisse in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Wie Industrieabgase das Meer beeinflussen

Untersucht wurde eine Region nördlich von Hawaii, die in Windrichtung großer Industriezentren Ostasiens liegt. Dass industrielles Eisen dieses Gebiet im Nordpazifik erreicht, war bereits bekannt, doch die genauen Auswirkungen auf das Ökosystem dieser für die Fischerei bedeutenden Region waren bislang unklar.

In vier Expeditionen untersuchte das Team Wasserproben, Phytoplankton und die Ozeandynamik. Die Ergebnisse zeigen: Im Frühjahr hat das Phytoplankton in der untersuchten Region Eisenmangel, sodass zusätzliches Eisen sein typisches Frühjahrswachstum ankurbelt. In der Folge des starken Phytoplankton-Wachstums werden andere Nährstoffe schneller verbraucht – was später in der Saison zu einem Rückgang der Population führe.

Dieser Effekt stimmt laut Studie mit Satellitenmessungen überein: «Diese zeigen eine kürzere, aber intensivere Frühjahrsblüte, gefolgt von einem früheren Eintreten nährstoffarmer Bedingungen im Sommer.»

Eisen aus der Industrie hat einen großen Anteil im Meer

Das Forschungsteam untersuchte die sogenannte Nordpazifische Übergangszone nördlich von Hawaii. Hier treffen nährstoffarme Ökosysteme auf weiter nördlich liegende nährstoffreiche. «Mit dem zusätzlichen Eisen verschiebt sich diese Grenze nach Norden – ein Trend, der sich durch die Ozeanerwärmung noch verstärkt», erklärt Hawco. Leider gehörten die Regionen, die näher an Hawaii liegen, zu den Verlierern.

«Da Phytoplankton die Grundlage der marinen Nahrungsketten bildet, können wir uns vorstellen, dass eine kürzere Wachstumsperiode Auswirkungen auf die Biomasse von Fischen und anderen Tieren haben könnte», berichtet Hawco. Belegt sei ein solcher Zusammenhang zwischen dem anthropogenen Eiseneintrag und Beobachtungen von Meeressäugern oder der Fischerei bislang jedoch nicht. 

Das Team hatte die Isotopenzusammensetzung des Eisens analysiert, um zwischen natürlichen und industriellen Quellen zu unterscheiden. Isotope sind verschieden schwere Atomsorten eines Elements. Der geschätzte industrielle Eiseneintrag ist beachtlich. Demnach stammt die Eisenmenge des Oberflächenwassers zu rund 40 Prozent aus der Industrie.


Bildnachweis: © Ryan Tabata/University of Hawaii at Manoa/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

L757: Ausfall der Ampelanlage an der Kreuzung Verler Straße/Stadtring Sundern
Stadt Gütersloh

Pressemitteilung vom Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen.

weiterlesen...
Sieben Kinder, viele Talente und bald noch mehr Trubel
Stadt Gütersloh

Familie Baturin aus Friedrichsdorf ist im Rathaus empfangen worden – Anlass war die Ehrenpatenschaft des...

weiterlesen...
Studie: Leben und Arbeiten im Kreis Gütersloh
Stadt Gütersloh

Migration und Integration von Menschen aus Mittel- und Südosteuropa.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Erste Zivilprozesse um Sparkassen-Einbruch starten
Allgemeines

Nach dem filmreifen Einbruch in die Gelsenkirchener Sparkasse Ende 2025 verlangen die ersten geschädigten Kunden Schadenersatz. In zwei Klagen am Landgericht Essen geht es um hohe Summen.

weiterlesen...
WHO: Europäer müssen besser vor Hitze geschützt werden
Allgemeines

Der WHO-Regionaldirektor ist in Berlin, um Maßnahmen zum Schutz vor der Hitzebelastung vorzustellen. Diese trifft mit zunehmendem Klimawandel immer mehr Menschen – gerade Ältere und Kranke.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Erste Zivilprozesse um Sparkassen-Einbruch starten
Allgemeines

Nach dem filmreifen Einbruch in die Gelsenkirchener Sparkasse Ende 2025 verlangen die ersten geschädigten Kunden Schadenersatz. In zwei Klagen am Landgericht Essen geht es um hohe Summen.

weiterlesen...
WHO: Europäer müssen besser vor Hitze geschützt werden
Allgemeines

Der WHO-Regionaldirektor ist in Berlin, um Maßnahmen zum Schutz vor der Hitzebelastung vorzustellen. Diese trifft mit zunehmendem Klimawandel immer mehr Menschen – gerade Ältere und Kranke.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner