27. November 2022 / Allgemeines

«Eine Tragödie»: Sieben Tote nach Unwettern in Ischia

Ein heftiges Unwetter hat auf der italienischen Urlaubsinsel Ischia schwere Schäden angerichtet. Rettungskräfte entdeckten bislang sieben Leichen. Es gibt noch Vermisste.

Ein Arbeiter räumt mit einem Bagger eine Straße frei.
Veröffentlicht am 27. November 2022 um 20:57 Uhr von Johannes Neudecker, dpa

Im Schlamm versunkene Autos, bis ins Meer gerissene Busse, Schutt und Verwüstung in den Straßen: Heftige Unwetter haben am Samstag im Norden der italienischen Mittelmeerinsel Ischia Überschwemmungen und Chaos angerichtet.

Mindestens sieben Menschen, darunter zwei Kinder und ein 22 Tage altes Baby, verloren in den Schlammmassen ihr Leben, wie die zuständige Präfektur Neapels mitteilte. Einige erlitten Verletzungen. Am Sonntagabend suchten die Retter noch nach weiteren vermissten Menschen. Feuerwehrtaucher prüften, ob sich in den ins Meer gespülten Autos möglicherweise Opfer befinden. «Es ist eine Tragödie», sagte der Zivilschutz-Chef, als das Ausmaß der Verwüstung zutage trat. In Rom betete Papst Franziskus für die Menschen auf Ischia - einer bei Touristen beliebten Insel, auf der auch Altkanzlerin Angela Merkel gerne Urlaub machte.

Das Unwetter brach in den frühen Morgenstunden über das Eiland mit etwas mehr als 60.000 Einwohnern herein. Besonders betroffen war der Küstenort Casamicciola im Norden. Zwischen Häusern fraß ein Erdrutsch eine Schneise der Zerstörung in einen Hang, wie Fotos zeigten. 30 Gebäude wurden bei dem Unwetter in Mitleidenschaft gezogen. Die Gegend galt als Risikogebiet. Schnell wurden Stimmen laut, die Behörden hätten in den vergangenen Jahren nicht genug für den Schutz unternommen. Wassermassen spülten Autos durch die Straßen, die teilweise auf dem Dach liege blieben. Aus einem ins Meer gerissenen Wagen rettete die Feuerwehr nach eigenen Angaben zwei Menschen.

Schnell begannen die Aufräumarbeiten. Die Behörden waren zeitweise mit ungefähr 370 Feuerwehrleuten und Polizisten im Einsatz. Vom Festland legten Spezialisten, Fahrzeuge und weitere Verstärkung zu der Insel im Golf von Neapel ab. Das Militär entsandte Hubschrauber und rettete drei Erwachsene und zwei Kinder, die in einer Ferienanlage festsaßen. Andernorts retteten Einsatzkräfte einen Mann, der in einem Gebäude bis zur Brust im Dunkeln im Wasser steckte, wie Videos zeigten. Einsam mühte sich ein kleiner Bagger durch die mit Schlamm bedeckten Straßen und versuchte die teils völlig zerstörten Autos aus dem Dreck zu ziehen.

Unwetter erschwerte Rettungsarbeiten

Am Samstag erschwerte das noch tobende Unwetter die Arbeiten. «Die Situation ist sehr kompliziert», sagte Innenminister Matteo Piantedosi. Am Sonntag legte sich der Sturm zu Gunsten der Rettungskräfte. Nach letztem Stand holten sie rund 230 Menschen aus ihren Häusern und brachten sie etwa in einem Hotel unter. Viele hatten über Stunden im betroffenen Teil der Insel ihre Wohnungen nicht verlassen können. Die Verwaltung hatte die Menschen dazu angewiesen. Viele hatten keinen Strom mehr. Schulen, Friedhöfe und Parks waren am Samstag geschlossen geblieben. Das hatte Ischias Bürgermeister Enzo Ferrandino bereits am Freitag wegen der Unwetter-Warnung angeordnet.

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni rief am Sonntagvormittag ihre Minister in Rom zu einer Sitzung zusammen. Die Regierung erklärte für ein Jahr den Notstand auf Ischia, um schneller Hilfsgelder freimachen zu können. Zwei Millionen Euro sind für den Wiederaufbau vorgesehen, den außerdem eine außerordentliche Kommissarin koordinieren soll.


Bildnachweis: © Alessandro Garofalo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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