Seinen Karrierehöhepunkt feierte Tony Bennett wohl etwa um seinen 90. Geburtstag herum: Galas mit Konfettiregen, Konzerte mit Billy Joel und für Hillary und Bill Clinton, dazu eine Autobiografie mit dem Titel «Just Getting Started» (Ich fange gerade erst an). Zuvor hatte der von der «New York Times» als «Schatz Amerikas und New Yorks größter Schnulzensänger» gefeierte Bennett gemeinsam mit Lady Gaga das Album «Cheek to Cheek» herausgebracht, einige Jahre später folgte noch ein zweites gemeinsames Album. Bennett sei «der ultimative Gentleman», lobte die 60 Jahre jüngere Popdiva. «Er hat mir so viel über den Jazz beigebracht. Über das Leben.» Bennett war da schon mehr als 60 Jahre im Musikgeschäft, aber sein spätes und umso erfolgreicheres Comeback genoss er sichtlich. Rund zwei Wochen vor seinem 97. Geburtstag starb der Musiker am Freitag im Alter von 96 Jahren in New York, wie die «New York Times» und AP unter Berufung auf Bennetts Sprecherin berichteten. Anfang 2021 hatte Bennetts Familie mitgeteilt, dass er an Alzheimer erkrankt sei. Wenige Monate später gab der Sänger zwei ausverkaufte Konzerte mit Lady Gaga in New York - seine letzten großen Auftritte. Zahlreiche Wegbegleiter und Stars trauerten öffentlich um Bennett. Der Musiker sei «ein echtes Talent, ein echter Gentleman und ein echter Freund gewesen», schrieb die frühere US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Der frühere US-Präsident Barack Obama nannte Bennett einen «ikonischen Songschreiber». «Er war auch ein guter Mann - Michelle und ich werden für immer geehrt sein, dass er bei meiner Amtseinführung aufgetreten ist.» Die frühere Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, würdigte Bennett als «nationalen Schatz». Schauspieler George Takei bezeichnete Bennett als «den letzten seiner Art» und Sänger Elton John würdigte ihn als «unersetzlich». Schauspieler Josh Gad schrieb: «Das hier sollte nicht so weh tun, denn jeder von uns würde 96 Jahre nehmen, aber - Oh Mann! - ist es schwierig, sich die Welt ohne den großartigen Tony Bennett vorzustellen.» Zu verdanken habe er seine Karriere Frank Sinatra, sagte Bennett einmal in einem Interview. «Er hat mein Leben verändert. In einem Artikel im "Life Magazine" hat er betont, dass ich der beste Sänger sei, den er je gehört habe. Damals war ich so mittelmäßig erfolgreich und hatte hin und wieder eine millionenfach verkaufte Platte, aber für mich ging es darum, gut zu sein, nicht der berühmteste. Dann hat er mich den besten genannt, den er je gehört hat. Und seitdem sind meine Konzerte auf der ganzen Welt ausverkauft.» Zum Dank gründete Bennett eine Schule für musikalisch begabte Jugendliche in New York und benannte sie nach Sinatra. Die Schule steht in seinem Heimatbezirk Astoria, im New Yorker Stadtviertel Queens. Hier wurde Bennett 1926 als Anthony Dominick Benedetto geboren. Sein Vater starb, als er noch ein kleiner Junge war. Die Mutter brachte ihn und seine zwei Geschwister als Schneiderin durch. Schon als Teenager trat Bennett als Sänger auf. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Soldat, unter anderem in Deutschland und Frankreich. Ein «Sitz in der ersten Reihe der Hölle» sei das gewesen, sagte er später. Zurück in den USA startete er seine Karriere mit Songs wie «Because of You», «Rags to Riches» und dann dem Hit, der ihn sein ganzes Leben lang begleiten sollte, «I Left My Heart in San Francisco». Nebenbei hat Bennett immer gemalt, hauptsächlich Natur und den New Yorker Central Park. «Die Natur ist der Chef.» Gemeinsam mit seiner dritten, rund 40 Jahre jüngeren Ehefrau Susan und dem Hund «Happy» lebte der Vater von vier Kindern direkt südlich des Parks. So oft er konnte, setzte er sich auf eine Bank und malte. «Die meisten Leute respektieren es, wenn sie mich malen sehen. Sie bleiben ruhig. Ich komme hier ganz früh morgens her. Später wird es dann interessant. An Wochenenden ist es unmöglich.» Zwei Kunstbücher hat Bennett veröffentlicht, drei seiner Werke sind in die Sammlung des Smithsonian Museums eingegangen. Bennetts Musikkarriere hatte dagegen Höhen und Tiefen. Gegen den Rock in den 70ern konnte er nicht ankommen, nahm Drogen und hatte Depressionen. «Ich hatte Augenblicke der Unsicherheit und Dunkelheit, aber ich konnte mich wieder davon befreien.» Bennett wollte sich und seinen Stil nie verändern, trotz aller Tiefen. «Wenn etwas gut ist, ist es immer gut. Mann muss es nicht verändern.»Trauer um Tony Bennett: «Der letzte seiner Art»
Sinatra hat ihm sehr geholfen
Eine Karriere mit Höhen und Tiefen
Bildnachweis: © picture alliance / dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Jazz-Legende Tony Bennett ist tot
Tony Bennett gehört zu den populärsten Musikern der USA. Rund sieben Jahrzehnte dauert seine Karriere, er singt auch mit Lady Gaga. Nun ist die Jazz-Legende in hohem Alter gestorben. Die Trauer ist groß.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App?
Meistgelesene Artikel
- 14. September 2026
Michaeliswoche 2026: Das erwartet euch in Gütersloh
Vom 25. September bis 4. Oktober bietet die Michaeliswoche in Gütersloh Kirmes, Straßenkunst und ein Familienprogramm.
- 24. September 2026
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.
- 21. September 2026
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.
Neueste Artikel
- 11. Oktober 2026
Serie von Messerangriffen erschüttert Polen
Drei Attacken in wenigen Tagen: Was steckt hinter der plötzlichen Gewalt an polnischen Schulen und warum geraten immer mehr Jugendliche ins Visier der Polizei?
- 11. Oktober 2026
Cybergrooming: Ermittler warnen vor Massenphänomen im Netz
Sie haben sexuelle Absichten und knüpfen Kontakte über Chats und Gaming-Plattformen: Wie Täter im Netz vorgehen, welche Hürden bei der Strafverfolgung bestehen und welche Maßnahmen Ermittler fordern.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 11. Oktober 2026
Serie von Messerangriffen erschüttert Polen
Drei Attacken in wenigen Tagen: Was steckt hinter der plötzlichen Gewalt an polnischen Schulen und warum geraten immer mehr Jugendliche ins Visier der Polizei?
- 11. Oktober 2026
Cybergrooming: Ermittler warnen vor Massenphänomen im Netz
Sie haben sexuelle Absichten und knüpfen Kontakte über Chats und Gaming-Plattformen: Wie Täter im Netz vorgehen, welche Hürden bei der Strafverfolgung bestehen und welche Maßnahmen Ermittler fordern.






