22. Januar 2026 / Allgemeines

Das «erste Mal» passiert später - und mit Verhütung

Jugendliche lassen sich mit dem ersten Sex mehr Zeit als noch vor einigen Jahren. Sie warten auf den Richtigen und den passenden Moment.

23 Prozent der 16-Jährigen haben laut Umfrage schon Geschlechtsverkehr gehabt - bei der Vorgängerstudie 2019 waren es noch 34 Prozent.
Veröffentlicht am 22. Januar 2026 um 12:54 Uhr von Petra Albers, dpa

Das «erste Mal» findet später, mit Verhütung und überwiegend in einer festen Partnerschaft statt: Das zeigt eine Umfrage des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter mehr als 5.800 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Köln vorgestellt wurde. 

Demnach haben 23 Prozent der 16-Jährigen schon Geschlechtsverkehr gehabt - bei der Vorgängerumfrage 2019 waren es 34 Prozent. Auch in den anderen Altersgruppen ist der Anteil der bereits sexuell aktiven Jugendlichen gesunken. «Während 2019 die Mehrheit der jungen Menschen mit 17 Jahren den ersten Sex erlebt hatte, ist die Mehrheit heute 19 Jahre alt», sagte Studienleiterin Sara Scharmanski. 

Den Richtigen noch nicht gefunden

Gefragt nach den Gründen für Zurückhaltung gaben 47 Prozent der 14- bis 17-jährigen Mädchen an, den Richtigen noch nicht gefunden zu haben - bei den Jungen waren es 55 Prozent. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Mädchen und ein Drittel der Jungen (34 Prozent) hielt sich für zu jung. 

Auch beim Küssen sind Jugendliche zurückhaltender geworden. Während 2019 bereits mehr als die Hälfte der 14-Jährigen den ersten Kuss erlebt hatte, war dies 2025 erst bei einem Drittel der Fall. 

Weniger Gelegenheiten jemanden kennenzulernen

Dass Jugendliche sich mit dem ersten Sex mehr Zeit lassen, sei internationalen Studien zufolge auch in vielen anderen Ländern zu beobachten, sagte Scharmanski. Ein Grund sei ein verändertes Freizeitverhalten, das weniger Gelegenheiten biete, Gleichaltrige kennenzulernen. Corona habe bei dieser Entwicklung «als eine Art Katalysator» fungiert. Zudem hätten junge Menschen ein stärkeres Gesundheits- und Sicherheitsbedürfnis, das sich etwa auch in Befragungen zum Alkohol- und Drogenkonsum widerspiegele. 

Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, das «erste Mal» sei für sie «gerade zum richtigen Zeitpunkt» passiert. 65 Prozent der weiblichen und 53 Prozent der männlichen Befragten waren mit ihrem ersten Sexpartner in einer Beziehung oder gut bekannt (weiblich: 25 Prozent, männlich: 31 Prozent).

Die meisten benutzen Kondome

Fast alle achteten auf Verhütung: Nur 5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen haben den selbst gemachten Angaben zufolge beim ersten Sex nicht verhütet (2019: 9 Prozent). Am häufigsten griffen Jugendliche dabei zum Kondom (76 Prozent), gut ein Drittel verwendete die Pille. In knapp neun von zehn Partnerschaften sprechen Jugendliche und junge Erwachsene offen über Verhütung, zwei Drittel thematisieren auch den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. 

Beim Thema Aufklärung sind den Umfragedaten zufolge Schule und Eltern wichtiger geworden. 78 Prozent der Befragten gaben an, im Schulunterricht Wissen über Sexualität und Verhütung erhalten zu haben (2019: 69 Prozent). Das Internet als Informationsquelle hat mit 53 Prozent leicht an Bedeutung verloren (2019: 59 Prozent).

Prien: Sexuelle Bildung stärkt das Selbstbewusstsein

Für die zehnte Analyse zur Jugendsexualität hat das BIÖG zwischen Februar und Juli 2025 bundesweit 5.855 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass Sexualaufklärung in Deutschland wirke, sagte Scharmanski.

Bundesjugendministerin Karin Prien (CDU) nannte die Ergebnisse ermutigend. Sexuelle Bildung helfe, ungewollte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Infektionen zu vermeiden. «Vor allem stärkt sie junge Menschen in ihrer Selbstbestimmung», sagte Prien. Damit leiste sie auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor sexualisierter Gewalt.


Bildnachweis: © Rolf Vennenbernd/dpa
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