Kabeljau und Tintenfische können viel weiter nördlich leben als bisher angenommen: Wissenschaftler entdeckten während der «Mosaic»-Expedition mit dem Forschungsschiff «Polarstern» einzelne große Exemplare dieser Meeresbewohner in der Zentralarktis. Das Konsortium «Efica» (European Fisheries Inventory in the Central Arctic Ocean) beschreibt den Fund nun in der Fachzeitschrift «Science Advances». Lange Zeit sei die Wissenschaft davon ausgegangen, dass es keine Fische im zentralen Nordpolarmeer gebe - und wenn, dann nur sehr kleine, sagte Hauke Flores, Biologe am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die Forschenden fingen während der von 2019 bis 2020 dauernden Expedition unter anderem drei Exemplare des Atlantischen Kabeljaus, der eigentlich ein Küstenfisch ist. Ein Fisch maß 67,5 Zentimeter. «Das war eine totale Überraschung», sagte Flores. Im Labor zeigte sich, dass die Fische aus norwegischen Laichgründen stammten und bis zu sechs Jahre alt waren. «Eine kleine Anzahl von Individuen scheint genug Nahrung zu finden, um über längere Zeit zu überleben», sagte Pauline Snoeijs Leijonmalm, Koordinatorin des EFICA-Konsortiums und Professorin für Meeresökologie an der Universität Stockholm. Mithilfe einer Tiefseekamera wurden bei der Expedition auch Kalmare und Leuchtsardinen entdeckt. «Die Verfügbarkeit von kleinen und sogar einigen größeren Fischen in der atlantischen Wasserschicht könnte erklären, warum Robben, Walrosse und Eisbären sogar am Nordpol zu finden sind», sagte Flores. Die Forschenden betonen zugleich, dass der niedrige Nährstoffgehalt in der Zentralarktis eine größere Population von Fischen verhindere. Veränderungen seien aber durch den Klimawandel möglich, gleichzeitig sei das Befahren einer eisfreien Zentralarktis im Sommer nur noch eine Frage von Jahrzehnten. Vorsorglich sei daher 2021 ein internationales Übereinkommen in Kraft getreten, das unter anderem die USA, Kanada, Russland und die Europäische Union unterzeichneten. «Dieses Abkommen verhindert für mindestens 16 Jahre jegliche kommerzielle Fischerei», sagte Pauline Snoeijs Leijonmalm. Die Wissenschaft habe somit Zeit, die Fischbestände weiter zu erforschen. Dies sei ein «guter Anfang auf dem Weg zu einem umfassenden Schutz», sagte die Wissenschaftlerin.Wenig Nährstoffe in Zentralarktis
Bildnachweis: © UFA Show & Factual, Germany/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Kabeljau und Tintenfische in zentraler Arktis gefunden
Damit hatten die Forschenden nicht gerechnet: Mitten in der zentralen Arktis stießen sie während der «Mosaic»-Expedition auf Kabeljau. Und die Fische waren auch noch außergewöhnlich groß.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App?
Meistgelesene Artikel
Pressemitteilung vom Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen.
Familie Baturin aus Friedrichsdorf ist im Rathaus empfangen worden – Anlass war die Ehrenpatenschaft des...
- 22. Mai 2026
Studie: Leben und Arbeiten im Kreis Gütersloh
Migration und Integration von Menschen aus Mittel- und Südosteuropa.
Neueste Artikel
- 18. Juni 2026
Bei 38. Freigang geflohen: Fahndung nach Mörder läuft
Einem Straftäter ist in Niedersachsen nach Jahren in Haft die Flucht gelungen. Trotz Begleitung konnte der Mann während eines Freigangs auf einem Motorrad davonfahren. Wann gelingt der Zugriff?
Warum ist ein Kleinkind in einem Auto gestorben? Die Mutter hatte es anscheinend stundenlang im Wagen vergessen. Eine Obduktion soll klären, ob die Hitze eine Rolle gespielt hat.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 18. Juni 2026
Bei 38. Freigang geflohen: Fahndung nach Mörder läuft
Einem Straftäter ist in Niedersachsen nach Jahren in Haft die Flucht gelungen. Trotz Begleitung konnte der Mann während eines Freigangs auf einem Motorrad davonfahren. Wann gelingt der Zugriff?
Warum ist ein Kleinkind in einem Auto gestorben? Die Mutter hatte es anscheinend stundenlang im Wagen vergessen. Eine Obduktion soll klären, ob die Hitze eine Rolle gespielt hat.






