25. Januar 2025 / Allgemeines

Kritik an Mafia-Brettspiel - Erfinder entschuldigt sich

Die Mafia mit ihren Morden als Thema für ein Brettspiel? Im Süden Italiens kommt das gar nicht gut an. Der Erfinder des Spiels reagiert.

Um das Brettspiel gibt es in Italien heftige Diskussionen.
Veröffentlicht am 25. Januar 2025 um 07:19 Uhr von dpa

Das preisgekrönte deutsche Brettspiel «La Famiglia – The Great Mafia War» sorgt in Sizilien für heftige Kritik. Das Spiel, vom Verlag Boardgame Atelier in Starnberg herausgegeben, basiert auf den Ereignissen des zweiten großen Mafiakriegs in den 1980er Jahren, bei dem verfeindete Mafia-Familien im Süden des Landes blutig um die Vorherrschaft kämpften. 

Seit Kurzem gibt es auch eine italienische Version des in Cannes mit dem Preis Goldenes Ass ausgezeichneten Spiels. Aus dem Süden kommt massives Unverständnis. «Der Spiegel» und andere Medien hatten berichtet. 

Erfinder: Wollte nicht verletzen 

Der Erfinder des Spiels, Maximilian Maria Thiel, äußerte sich betroffen über die Reaktionen. «Das habe ich nicht erwartet, es ist ein Punkt, den ich unterschätzt habe», sagte Thiel der Deutschen Presse-Agentur. 

«Es tut mir sehr leid, wenn Menschen durch das Spiel sich verletzt fühlen. Das war und ist nie meine Intention gewesen.» Er selbst habe lange in Italien gelebt und sei dem Land sehr verbunden. Er habe deshalb für das Spiel die italienische Cosa Nostra gewählt. In Italien existieren verschiedene Zweige der Mafia - darunter die Cosa Nostra aus Sizilien. 

Ursprünglich sei ein Begleitheft geplant gewesen, das die Hintergründe erkläre, sagte Thiel. Man wollen nun dafür sorgen, dass dieses allen Neuauflagen beigefügt werde, sagte Thiel. In den Reaktionen werde der Krieg unter den Familien nun vermischt mit der Ermordung von Mafia-Jägern wie Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, die aber in dem Spiel nicht vorkommen. 

Es gebe Tausende andere Kriegsspiele. Es werde bewusst mit Klötzchen gespielt, das unterstreiche den strategischen Charakter des Spiels. 

Empörung in Sizilien

Alessandro De Leo, Regionalpolitiker der Partei Forza Italia, kritisierte laut «Corriere della Sera»: «Dieses Produkt beleidigt nicht nur die Würde der Sizilianer, sondern entwertet auch das tägliche Engagement von Millionen von Bürgern, die für Legalität und Gerechtigkeit in unserer Region kämpfen.» 

Er wandte sich dem Bericht zufolge an den sizilianischen Regionalpräsidenten Renato Schifani und bat, alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Verbreitung des Spiels zu unterbinden. «Noch schwerwiegender ist in jeder Hinsicht die Trivialisierung der gewalttätigen Elemente, wie etwa der Einsatz von Autobomben, die zu reinen Spielwerkzeugen reduziert wurden.»

«Beleidigt Andenken»

Kritik kommt auch von der Familie Falcones, der 1992 durch eine Autobombe starb. «Ich verstehe nicht, wie jemand auf die Idee kommen konnte, ein solches Spiel zu entwickeln, das mit den Gefühlen derer spielt, die ihr Leben im Dienste des Staates verloren haben», sagte dessen Schwester Maria Falcone laut «Corriere della Sera». 

«Die Mafia hat in Sizilien und in Italien nur den Tod gebracht», sagte Falcone. «Der Gedanke an ein solches Spiel beleidigt das Andenken all jener Menschen, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, dieses Land zu befreien.»


Bildnachweis: © -/Maximilian Maria Thiel /Boardgame Atelier/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Michaeliswoche 2026: Das erwartet euch in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Vom 25. September bis 4. Oktober bietet die Michaeliswoche in Gütersloh Kirmes, Straßenkunst und ein Familienprogramm.

weiterlesen...
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.

weiterlesen...
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Mann stirbt in Tigergehege in England
Allgemeines

In einem Zoo im Norden Englands spielt sich ein dramatischer Vorfall ab. Ein Mann gerät in direkten Kontakt mit einem Sibirischen Tiger - für ihn kommt jede Hilfe zu spät.

weiterlesen...
USA: Vier Tote und etliche ohne Strom durch Sturm «Isaias»
Allgemeines

In mehreren Bundesstaaten im Süden der USA herrscht nach Ankunft von Sturm «Isaias» Ausnahmezustand. Mehrere Menschen kommen ums Leben. In den Metropolen an der Ostküste dürfte es sehr nass werden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Mann stirbt in Tigergehege in England
Allgemeines

In einem Zoo im Norden Englands spielt sich ein dramatischer Vorfall ab. Ein Mann gerät in direkten Kontakt mit einem Sibirischen Tiger - für ihn kommt jede Hilfe zu spät.

weiterlesen...
USA: Vier Tote und etliche ohne Strom durch Sturm «Isaias»
Allgemeines

In mehreren Bundesstaaten im Süden der USA herrscht nach Ankunft von Sturm «Isaias» Ausnahmezustand. Mehrere Menschen kommen ums Leben. In den Metropolen an der Ostküste dürfte es sehr nass werden.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner