Schneller, genauer, günstiger - so bewirbt Google sein Produkt «Graphcast». Dahinter steckt eine Künstliche Intelligenz (KI). Das KI-Modell sei in der Lage, «mittelfristige Wettervorhersagen mit beispielloser Genauigkeit zu erstellen», schwärmt Remi Lam vom «Graphcast»-Forschungsteam. «GraphCast» sei nicht nur schneller, es könne auch früher vor extremen Wetterereignissen warnen, so Remi Lam. «Es kann die Spuren von Wirbelstürmen in der Zukunft mit großer Genauigkeit vorhersagen, atmosphärische Flüsse identifizieren, die mit Überschwemmungsrisiko verbunden sind, und den Beginn extremer Temperaturen vorhersagen. Diese Fähigkeit hat das Potenzial, durch eine bessere Vorbereitung Leben zu retten.» Im November präsentierten die Google-Forscher im Wissenschaftsmagazin «Science» einen Vergleich: Ihre KI prognostizierte dem Artikel zufolge Hunderte von Wettervariablen über einen Zeitraum von zehn Tagen weltweit in weniger als einer Minute. Bei 90 Prozent der Metriken - wie etwa Temperatur, Windgeschwindigkeit oder Luftfeuchtigkeit - schlug sich «Graphcast» besser als die Vorhersagen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW). Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sieht solche Ankündigungen kritisch - und bleibt gelassen. Ja, KI habe «ein unglaublich großes Potenzial», sagt der Meteorologe Andreas Walter, Experte für Klimamodelle beim DWD. KI sei vielleicht schneller, aber keinesfalls besser. Die größten Defizite sieht er, wenn es darum geht, Extreme vorherzusagen, die bisher noch nicht aufgetreten sind. Das liegt daran, wie die Maschine arbeitet. «Herkömmliche numerische Wettervorhersagen nutzen erhöhte Rechenressourcen, um die Vorhersagegenauigkeit zu verbessern», erklären die Entwickler von «Graphcast» in «Science». «Sie nutzten jedoch nicht historische Wetterdaten, um das zugrundeliegende Modell zu verbessern. Genau diese «Reanalyse-Daten», mit denen die KI trainiert wird, sind aus Sicht von Andreas Walter das Problem: «Die KI leitet ihre Lern-Algorithmen aus der Vergangenheit ab. Unsere Modelle lösen die physikalischen Grundgleichungen.» Nach Erfassung des Anfangszustandes der Atmosphäre, bei dem sämtliche Beobachtungsdaten in das Wettermodell einfließen, werden die Gleichungen laut DWD in die Zukunft projiziert, um den zukünftigen Wetterzustand zu ermitteln. Dieses numerische Verfahren kommt zum Beispiel auch zum Einsatz, um Niederschlagsprognosen in der aktuellen Hochwasserlage zu erstellen. «Das ist natürlich ein ganz anderer Aufwand. Aber dafür ist es auch gesicherter als ein KI-Verfahren, das nur auf Ähnlichkeiten beruht», sagt Walter. Geschwindigkeit sei bei Vorhersagen eigentlich nicht der Punkt, ergänzt DWD-Sprecher Uwe Kirsche. «Es ist ja kein Wettlauf um die schnellste Wettervorhersage. Es muss ja immer der Wettlauf um die beste Wettervorhersage sein.» Der DWD rechnet zwei Mal am Tag ein globales Modell für sieben Tage im Voraus für 90 Schichten in der Atmosphäre. Das dauert ungefähr eine Stunde. Dazu kommen vier Durchläufe am Tag für Europa und acht für Deutschland. Ein limitierender Faktor ist die Rechnerleistung. «Meteorologen brauchen und bekommen immer mehr Daten. Also brauchen wir immer größere Rechner, die diese Daten auch verarbeiten können», sagt Kirsche. In etwa zwei Jahren braucht der DWD einen neuen Großrechner. Der aktuelle hat rund 120 Millionen Euro gekostet, der nächste wird wohl nicht billiger werden. KI sei in der Meteorologie «sicher ein Werkzeug, das unterstützend genutzt werden kann», sagt Kirsche. Der Wetterdienst erprobt KI daher derzeit in nahezu allen Bereichen. «Unser Ziel ist es, die gesamte Prozesskette - von der Datenerhebung bis zum Ausspielen an die Kunden - durch KI zu verbessern», sagt Kirsche und betont: «Nicht zu ersetzen: zu verbessern.»DWD bleibt gelassen
Wettlauf um die beste Wettervorhersage
Bildnachweis: © Andreas Arnold/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Machen Maschinen die Wetterdienste bald überflüssig?
Private Angebote wie «Graphcast» von Google wollen Behörden wie dem Deutschen Wetterdienst Konkurrenz machen. Angesichts der riesigen Datenmengen erscheint es logisch, dass KI Vorteile hat.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App?
Meistgelesene Artikel
- 14. September 2026
Michaeliswoche 2026: Das erwartet euch in Gütersloh
Vom 25. September bis 4. Oktober bietet die Michaeliswoche in Gütersloh Kirmes, Straßenkunst und ein Familienprogramm.
- 24. September 2026
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.
- 21. September 2026
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.
Neueste Artikel
- 12. Oktober 2026
Tod beim Bungee-Sprung – Polizei sieht keine Straftat
Eine 21-Jährige verunglückt beim Bungee-Jumping in einem ehemaligen Steinbruch tödlich. Notfallseelsorger betreuen ihre Begleiter. Die Polizei sieht keinen Anlass für strafrechtliche Ermittlungen.
- 12. Oktober 2026
14-Jähriger soll Schulleiter angeschossen haben
Ein 14-Jähriger soll in Südfrankreich vor seiner Schule auf den Schulleiter und eine Lehrerin geschossen haben. Beide sind verletzt, aber außer Lebensgefahr.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 12. Oktober 2026
Tod beim Bungee-Sprung – Polizei sieht keine Straftat
Eine 21-Jährige verunglückt beim Bungee-Jumping in einem ehemaligen Steinbruch tödlich. Notfallseelsorger betreuen ihre Begleiter. Die Polizei sieht keinen Anlass für strafrechtliche Ermittlungen.
- 12. Oktober 2026
14-Jähriger soll Schulleiter angeschossen haben
Ein 14-Jähriger soll in Südfrankreich vor seiner Schule auf den Schulleiter und eine Lehrerin geschossen haben. Beide sind verletzt, aber außer Lebensgefahr.






