4. Februar 2026 / Allgemeines

Mal jemand von auswärts? Niemals! – Clans blieben unter sich

Möchte ein Maniote jemanden heiraten, mit dem er nicht verwandt ist, hat er schlechte Karten: Bewohner dieser Ecke Griechenlands haben sich so wenig mit Fremden gemischt wie kaum anderswo in Europa.

Mehr als die Hälfte der heute in der Inneren Mani lebenden Menschen stammen von einem einzigen männlichen Vorfahren ab, der im 7. Jahrhundert nach Christus lebte.
Veröffentlicht am 4. Februar 2026 um 11:13 Uhr von dpa

Heute bestaunen viele Touristen die ikonischen Wohntürme der Halbinsel Mani im äußersten Süden Griechenlands – jahrhundertelang aber blieben die Menschen dort weitgehend für sich, wie eine genetische Analyse zeigt. Die meisten heute lebenden Manioten stammen demnach in väterlicher Linie von Bewohnern der Region im 4. bis 8. Jahrhundert ab.

Sie sind Nachfahren der patriarchisch geprägten Familienclans, die die einzigartigen, nur in der Inneren Mani zu findenden Megalithbauten schufen – Zeugen jahrhundertelanger Blutrache, in Griechenland Vendetta genannt. Dazu zählen bis zu 20 Meter hohe Wohntürme mit meterdicken Wänden und aus riesigen Steinquadern gestapelte Festungsanlagen, Kirchen und Kapellen.

Hälfte der Menschen hat ein und denselben Vorfahren

Die im Fachjournal «Communications Biology» vorgestellte Genanalyse ergab, dass mehr als die Hälfte der heute in der Inneren Mani – dem südlichsten, abgelegensten Teil der Halbinsel – lebenden Menschen von einem einzelnen männlichen Vorfahren abstammen, der im 7. Jahrhundert nach Christus lebte. Ein solch extremes Muster deute darauf hin, dass die Bevölkerung der rauen, zerklüfteten Gegend damals auf sehr wenige Familien schrumpfte. Zu den möglichen Ursachen zählten Seuchen oder Kriege.

Das Team um Leonidas-Romanos Davranoglou von der University of Oxford hatte Erbgut von 102 Manioten aus bedeutenden Familienclans der Gegend mit dem von mehr als einer Million moderner Individuen aus aller Welt sowie tausenden alten DNA-Proben abgeglichen. Es gab fast keine Übereinstimmungen mit anderen Populationen. Die Bevölkerung der Inneren Mani hat sich also über einen außergewöhnlich langen Zeitraum kaum mit Menschen anderer Regionen vermischt, schließen die Wissenschaftler. Lediglich die ein oder andere Frau sei integriert worden.

Genetische Momentaufnahme der alten griechischen Welt

Mit mehr als einem Jahrtausend der Isolation stellten sie eine der genetisch einzigartigsten Bevölkerungsgruppen Europas dar. Sie böten eine genetische Momentaufnahme der griechischen Welt vor der Völkerwanderungszeit. «Unsere Studie zeigt, wie Geografie, soziale Organisation und historische Umstände alte genetische Muster in bestimmten Regionen bewahren können, lange nachdem sie anderswo verändert wurden», sagte Davranoglou. Als weitere Beispiele dafür gelten unter anderem die Sorben in Deutschland und die Samen in Nordeuropa.

Die Genomanalyse bestätige viele mündliche Überlieferungen in der Region über gemeinsame familiäre Abstammungen, von denen einige hunderte Jahre zurückreichten, erklärte Mitautor Athanasios Kofinakos aus Piräus. «Die geografische Isolation und die begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen der Inneren Mani haben den kriegerischen Charakter der Einheimischen gefördert. In einer so rauen Umgebung wurden Familienbündnisse für das individuelle und kollektive Überleben von größter Bedeutung.»

Zu gehäuft auftretenden genetischen Erkrankungen äußern sich die Studienautoren nicht. Von Menschen in lange isolierten Alpen-Bergdörfern ist bekannt, dass sich zeitweise unter anderem erbliche Schilddrüsenkrankheiten häuften.


Bildnachweis: © ---/Anargyros Mariolis/dpa
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