Bei der Festnahme des mexikanischen Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes alias «El Mencho» und anschließenden Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Verdächtigen sind in dem Fußball-WM-Gastgeberland mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen. Darunter seien auch 25 Mitglieder der Nationalgarde sowie ein Justizvollzugsbeamter und ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, sagte Sicherheitsminister Omar García Harfuch. Am Sonntag hatten Soldaten versucht, «El Mencho» im westlichen Bundesstaat Jalisco festzunehmen. Dabei kam es zu heftigen Kämpfen. Der verwundete Anführer des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) wurde schließlich ausgeflogen und erlag auf dem Weg nach Mexiko-Stadt seinen Verletzungen. Daraufhin steckten mutmaßliche Kämpfer des Verbrechersyndikats in mehreren Bundesstaaten Autos in Brand und blockierten zahlreiche Straßen. Außerdem griffen sie Banken, Tankstellen und Geschäfte an. Am Montag war die Lage nach Angaben der Regierung bereits wieder unter Kontrolle. Dennoch ließ das Chaos knapp vier Monate vor Anpfiff die Bedenken über Mexiko als WM-Ausrichter wachsen. Das Land richtet ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada die Fußball-Weltmeisterschaft aus. In Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey werden insgesamt 13 Spiele ausgetragen. Bei dem Militäreinsatz gegen «El Mencho» - der Spitzname soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein - kamen nach Angaben des mexikanischen Verteidigungsministeriums in Tapalpa in Jalisco acht Bandenmitglieder ums Leben. Zudem stellten die Sicherheitskräfte gepanzerte Fahrzeuge und Waffen sicher, darunter einen Raketenwerfer mit dem nach Angaben des Verteidigungsministeriums sogar Hubschrauber oder Flugzeuge abgeschossen werden können. Die USA hatten die mexikanische Regierung bei der Operation mit Geheimdienstinformationen unterstützt, wie Karoline Leavitt, die Sprecherin von Präsident Donald Trump, in einem Post auf X schrieb. US-Vize-Außenminister Christopher Landau sprach von einer guten Entwicklung für Mexiko, die USA und Lateinamerika. «Die guten Leute sind stärker als die schlechten Leute», schrieb er auf X. Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Mio. Euro) auf «El Mencho» ausgesetzt. Von den gewalttätigen Reaktionen auf den Tod des Drogenbosses sollen etwa 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen sein, darunter Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, berichteten mexikanische Medien. Auch Ferienorte wie die ebenfalls in Jalisco gelegene Hafenstadt Puerto Vallarta blieben nicht verschont. Fotos zeigten etwa große schwarze Rauchwolken zwischen Gebäuden in Puerto Vallarta direkt hinter dem Strand. Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch mehrere Botschaften, darunter die deutsche Vertretung in Mexiko, appellierten an ihre Staatsbürger, extrem vorsichtig zu sein. Wer sich an einem sicheren Ort wie einem Hotel aufhalte, solle dort bis auf weiteres bleiben und auf nicht unbedingt erforderliche Fahrten verzichten, schrieb die deutsche Botschaft auf X. Aus Sicherheitsgründen strichen Fluggesellschaften ihre Flüge oder leiteten sie um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta. Von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa hieß es indes, bei ihr gebe es mit Blick auf die Unruhen in Mexiko keine Auswirkungen. Flüge nach München und Frankfurt fänden planmäßig statt. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands hielten sich in den betroffenen Regionen keine Gäste von deutschen Reiseveranstaltern auf. Diese reisten vornehmlich auf die Halbinsel Yucatán mit dem bekannten Badeort Cancún, der an der Karibik liegt. Puerto Vallarta befindet sich dagegen an der Pazifikküste. Zu Zwischenfällen kam es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist. Rund 1.000 Menschen aus anderen Bundesstaaten verbrachten die Nacht im Zoo von Guadalajara, weil eine Rückfahrt in ihre Heimatorte angesichts der unsicheren Lage zu gefährlich gewesen wäre. «El Mencho» wurde 59 Jahre alt. Geboren am 17. Juli 1966 in Aguililla, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán, führte der Ex-Polizist seit 2011 das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) an. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der «Herr der Hähne» genannt. Zahlreiche Narco-Lieder, «Narcocorridos» genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften. Die US-Regierung hatte das extrem gewalttätige Drogenkartell von «El Mencho» als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl ist sie demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt. In Mexiko gilt sie als das Kartell mit der größten geografischen Verbreitung. Kämpfer der Gruppe posierten mitunter in Uniformen und mit Sturmgewehren vor gepanzerten Fahrzeugen.Chaos knapp vier Monate vor der WM
USA unterstützte Einsatz mit Geheimdienstinformationen
Botschaften rufen ihre Staatsbürger zu äußerster Vorsicht auf
Auch Austragungsort der diesjährigen Fußball-WM betroffen
Der Drogenboss mit einer Vorliebe für Hahnenkämpfe
Bildnachweis: © Armando Solis/AP/dpa-tmn
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74 Tote bei Festnahme von mächtigem Drogenboss in Mexiko
Ein Militäreinsatz zur Festnahme von «El Mencho» endet blutig. Der Kartellchef erliegt nach dem Zugriff seinen Verletzungen, daraufhin überziehen seine Anhänger das WM-Land mit einer Welle der Gewalt.
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