Die jüngsten schweren Mittelmeer-Unwetter wie in Libyen lassen sich nach Expertenmeinung wahrscheinlich dem Klimawandel zuordnen. Dafür sprächen «diese extremen Niederschläge in ganz, ganz kurzer Zeit», sagte der Kieler Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif im Bayerischen Rundfunk. Tiefs könnten hier «gerade im Herbst besonders intensiv sein, weil das Mittelmeer noch sehr, sehr aufgeheizt ist. Auf der anderen Seite kann dann auch kalte Luft aus dem Norden auf diese warme Luft treffen, und das ist dann so ein explosives Gebräu», sagte Latif. Rund vier Grad, so ergänzte Meteorologe Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach, ist das Wasser im Mittelmeer derzeit wärmer als normalerweise. «Die hohen Wassertemperaturen heizen auch die Luft auf, die dadurch mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann.» So enstand eine Wetterlage, die viel Zerstörung über die Region brachte. «Dieses Tiefdruckgebiet beschäftigt uns ja schon viele Tage lang - es hat ja zuerst in Südosteuropa gewütet, in Griechenland, Bulgarien, der Türkei, und dann hat es sich auf dem Mittelmeer noch mal richtig intensiviert und ist zu einer Art Medicane geworden», sagte Latif, der am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel arbeitet. Als Medicane bezeichnet man einen Mittelmeer-Sturm, der Ähnlichkeiten mit einem tropischen Wirbelsturm hat. Lässt sich diese Libyen-Katastrophe nun glasklar auf den Klimawandel zurückführen? Auf diese Frage sagte Latif: «Ich vergleiche das immer mit dem berühmten gezinkten Würfel. Wenn wir einen Spielwürfel auf die Sechs zinken, kommt eben die Sechs häufiger. Aber man kann nie genau sagen: Welche Sechs ist nun auf das Zinken zurückzuführen, und welche Sechs wäre ohnehin gekommen?» Latif betonte die enorme Wucht, die die jüngsten Unwetter im Mittelmeerraum hatten: «In der letzten Woche haben wir Niederschläge gemessen, die hat es so in Europa noch nie gegeben. Das war zum Teil ein Vielfaches dessen, was wir bei uns während der Ahrtal-Flut hatten. Da kann man vielleicht ermessen, um welche Regenmassen es geht und welche Zerstörungskraft hinter diesen Regenmassen steckt.» Zu Libyen sagte DWD-Experte Herold: «Das Tief ist auf ein Gebirge getroffen und hat sich dort quasi entladen. Sonst gibt es dort wenige Regenfälle im Monat, nun wurden mitunter 414 Liter pro Quadratmeter gemessen.» Für Klimaforscher Latif muss es nun auch darum gehen, wie eine Region sich anpassen kann. Da sehe er aber auch Grenzen: «Ich glaube, wir waren viel, viel zu sorglos, was den Klimawandel angeht. Ich denke, das ändert sich gerade, dass wir erkennen, Klimawandel bedeutet nicht einfach nur höhere Temperaturen, sondern bedeutet vor allem extremeres Wetter, mehr Schadenspotenzial und vor allen Dingen auch eine gigantische Herausforderung für die Menschen im Sinne der Gesundheit.» Man könne sich ein Stück weit anpassen, aber es gebe auch Grenzen: «Bei solchen Wassermassen, was wollen sie da noch tun?»Ähnlichkeiten mit tropischen Wirbelsturm
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Mojib Latif zu Mittelmeer-Unwettern: «Explosives Gebräu»
Wie entstand die Unwetterkatastrophe mit gewaltigen Regenmengen im Wüstenland Libyen? Die wesentliche Ursache für die Starkregenfälle sehen Experten in den viel zu warmen Mittelmeer-Temperaturen.
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