25. Januar 2024 / Allgemeines

«Monster von Amstetten»: Josef Fritzl bleibt in Haft

Er hat 24 Jahre lang seine Tochter im Keller eingesperrt und tausendfach vergewaltigt. Nach 15 Jahren Haft entschieden Richter nun darüber, ob Josef Fritzl unter Auflagen frei kommt.

Der 88-jährige Josef Fritzl auf dem Weg zu der Anhörung am Landgericht Krems.
Veröffentlicht am 25. Januar 2024 um 11:18 Uhr von Matthias Röder, dpa

Der als «Monster von Amstetten» bekannt gewordene Josef Fritzl bleibt in Haft. Ein Senat aus drei Richtern am Landgericht Krems in Österreich entschied am Donnerstag, dass der heute 88-Jährige aus präventiven Gründen nicht vorzeitig entlassen wird, wie ein Sprecher des Gerichts sagte. Allerdings soll der Häftling vom Maßnahmenvollzug in den Normalvollzug unter Auflagen verlegt werden. Dieser Beschluss ist laut Gerichtssprecher noch nicht rechtskräftig. Fritzls Anwältin Astrid Wagner sprach in einer ersten Reaktion von einem «großen Teilerfolg», ihr Mandant sei «sehr gerührt».

Fritzl wurde im März 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Anklage im Prozess lautete auf Mord durch Unterlassen, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, schwere Nötigung, Sklaverei und Blutschande - er wurde in allen Punkten schuldig gesprochen. Seitdem sitzt der gelernte Elektrotechniker in der Haftanstalt Stein bei Krems im Maßnahmenvollzug und musste sich dort therapieren lassen. Die neuen Auflagen sehen laut Gerichtssprecher vor, dass Fritzl auch im Normalvollzug alle drei Monate eine therapeutische Behandlung nachweisen muss.

Tochter in schalldichten Keller gesperrt

In der österreichischen Kleinstadt Amstetten hatte Fritzl 1984 seine damals 18-jährige Tochter in den schalldicht ausgekleideten Keller seines Hauses gesperrt. In den folgenden 24 Jahren vergewaltigte er sie tausendfach und zeugte sieben Kinder mit ihr. Eines davon starb bald. Die Ehefrau, die im ersten Stock des Hauses mit dem Rest der Familie lebte, hatte laut Behörden nichts von alldem mitbekommen. Der Fall flog 2008 auf und machte weltweit Schlagzeilen. Fritzl hat im Gefängnis einen neuen Nachnamen angenommen.

Anlass für die Anhörung von Fritzl war ein neues Gutachten der Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner, das ihm Ungefährlichkeit bescheinigte. Laut seiner Anwältin leidet der Häftling an Demenz. Fritzl hat inzwischen 15 Jahre in Haft verbracht, eine zwingende Voraussetzung für eine etwaige vorzeitige Entlassung. In Gerichtskreisen hatte es zuvor geheißen, dass in Österreich im Durchschnitt ein zu lebenslanger Haft Verurteilter rund 22 Jahre hinter Gittern sitzt.

Zum Ablauf der etwa 30-minütigen Anhörung sagte Wagner, dass ihr Mandant erzählt habe, «wie er bereut, was er getan hat. Also er war eigentlich den Tränen nahe.» Die Anwältin will weiter um die vorzeitige Entlassung ihres Mandanten kämpfen, wie sie ankündigte.

Das Verbrechen war am 26. April 2008 aufgeflogen, als eine 19-jährige Tochter aus dem Keller lebensgefährlich erkrankte und von Fritzl in eine Klinik gebracht wurde. Ein Arzt wurde misstrauisch und gab der Polizei den entscheidenden Tipp.

Gutachterin: «Er wollte Macht über eine Frau»

Der handwerklich begabte Mann hatte den Keller seines Hauses in Amstetten zu einem 60 Quadratmeter großen Gefängnis umgebaut. Insgesamt acht zum Teil 500 Kilogramm schwere Türen mit Fernbedienung sicherten den Bereich. «Er wollte Macht über eine Frau und ihre allzeitige Verfügbarkeit», sagte Kastner, die für den Prozess ein Gutachten anfertigte, 2023 in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.


Bildnachweis: © Helmut Fohringer/APA/dpa
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