27. Januar 2022 / Allgemeines

Nach Ölpest in Peru - Ermittlungen gegen Ölkonzern

Beim Entladen eines Tankers laufen vor Peru fast eine Million Liter Öl ins Meer. Ursache soll Wellengang nach dem Vulkanausbruch auf Tonga gewesen sein. Doch auch an der Betreiberfirma gibt es Kritik.

Das Öl hat nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima mehrere Strände verschmutzt.
Veröffentlicht am 27. Januar 2022 um 18:19 Uhr von Denis Düttmann, dpa

Eineinhalb Wochen nach einem Unfall beim Entladen eines Tankers kämpfen Hunderte Einsatzkräfte an der peruanischen Küste gegen die Ölpest. In weißen Schutzanzügen und Gummistiefeln tragen die Einsatzkräfte den kontaminierten Sand an den Stränden nördlich der Hauptstadt Lima ab.

Am Mittwoch meldeten das Umweltministerium und die Marine, dass bei Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle erneut Öl ins Meer gelaufen sei. Unterdessen leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen vier Manager des spanischen Energiekonzerns Repsol ein.

Es werde gegen den Produktionsleiter der Raffinerie La Pampilla, die Umweltbeauftragte und zwei weitere leitende Angestellte ermittelt, sagte der Staatsanwalt beim Umweltministerium, Julio César Guzmán, am Mittwoch im Radiosender RPP. «Wir werfen den Verdächtigen Umweltverschmutzung vor. Darauf stehen vier bis sieben Jahre Haft.» Außerdem kämen Schadensersatzforderungen auf das Unternehmen zu.

Beim Entladen eines Tankers waren vor eineinhalb Wochen etwa 6000 Barrel (je 159 Liter) Öl ausgelaufen. Hohe Wellen nach der Eruption des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai auf Tonga hätten den Unfall verursacht, teilte Repsol mit. 21 Strände wurden kontaminiert und zahlreiche Tiere vom ausgelaufenen Öl verschmutzt.

USA bieten Hilfe an

Rund 2500 Arbeiter waren an den Aufräumarbeiten beteiligt. Nach Angaben von Repsol wurden bislang über 10 000 Kubikmeter verschmutzter Sand abgetragen - das entspricht mehr als 2000 Containern. Bei den Arbeiten kamen 73 schwere Maschinen, neun Skimmer zum Abschöpfen des Öls von der Meeresoberfläche, 27 Schiffe und 4400 Meter Ölsperren zum Einsatz.

Die Vereinigten Staaten boten Peru Hilfe bei den Reinigungsarbeiten an, wie der peruanische Botschafter in den USA, Oswaldo de Rivero, sagte. Der Umfang der Hilfe war zunächst noch offen. Die Vereinigten Staaten verfügen über viel Erfahrung im Kampf gegen Ölteppiche. Im Oktober vergangenen Jahres waren beim Bruch einer Pipline vor der Küste von Kalifornien mindestens 93 000 Liter Öl ins Meer gelaufen. «Einige der Experten, die für die Säuberung des Strandes von Huntington in Kalifornien verantwortlich waren, könnten Teil des Teams sein, das nach Peru geschickt wird», sagte Rivero.

Das ganze Ausmaß der Schäden war zunächst allerdings noch unklar. «Wir haben natürlich viele verendete Vögel und Fische, aber die Gefahr geht darüber hinaus», sagte der Meeresbiologe Yuri Hooker. «Das Öl treibt auf das offene Meer hinaus und sinkt auf den Meeresboden ab.»

Fischer leiden besonders

Besonders betroffen von der Ölpest waren auch die Fischer in der Region. «Der Schaden ist bereits angerichtet, es wird mindestens drei Jahre dauern, ihn zu beheben», sagte der Vorsitzende der Fischergewerkschaft, Roberto Espinoza. «Das wirkt sich auf die Wirtschaft in dieser Sommersaison aus, denn wir verdoppeln unser Einkommen im Sommer, und es wirkt sich auch auf die Handelskette, die Transporteure und andere Aktivitäten aus.»

Nach dem zweiten Leck forderte die Stadtverwaltung von Ventanilla nördlich von Lima einen sofortigen Betriebsstopp für die Raffinerie. Die gesamte Infrastruktur in der Fabrik müsse von einer unabhängigen Stelle überprüft werden, hieß es in einer Mitteilung. Bürgermeister Pedro Spadaro warf Repsol zudem vor, die Schäden herunterzuspielen und die Säuberungsarbeiten zu verschleppen. «Wir sind von der Arbeit des Unternehmens nicht überzeugt», schrieb auch Umweltminister Ruben Ramírez auf Twitter.


Bildnachweis: © ---/Presidencia Peru/dpa
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