Nach dem spektakulären Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse beklagen betroffene Schließfachkunden die Kommunikation der Bank. Wochenlang habe die Bank die Kunden nicht von sich aus angesprochen. Sie hätten selbst anrufen müssen, um herauszufinden, ob ihr Geld weg war. Eine von der Sparkasse geschaltete Info-Hotline sei ständig besetzt gewesen, sagten mehrere Geschädigte. Die Sparkasse hat inzwischen angekündigt, am Montag eine Servicestelle für betroffene Schließfachkunden eröffnen. Die Kunden sollten «transparent informiert» und beim weiteren Ablauf unterstützt werden, versprach Sparkassenchef Michael Klotz laut Mitteilung. Kritik an ihren Sicherheitsvorkehrungen hat die Bank mehrfach zurückgewiesen. «Unsere Sicherheitsvorkehrungen sind auf dem anerkannten Stand der Technik und sind aktuell», erklärte eine Sprecherin. Der Sparkassenkunde Joachim Alfred Wagner sagte, er habe nicht nur Gold mit fünfstelligem Wert eingebüßt, sondern auch Schmuck von seinem Vater und den Großeltern - unersetzliche Familienstücke. «Das ist bestimmt schon alles eingeschmolzen.» Das Schließfach habe er nach mehreren Einbrüchen in seine Wohnung gemietet und gedacht, darin seien seine Wertsachen sicher. «Jetzt frage ich mich: Wo sollst Du denn noch hin - ich habe geheult vor Wut», sagte der 63-Jährige. Wagner zählt zu den ersten drei Klägern, die nach dem Millionen-Einbruch vor dem Essener Landgericht volle Haftung von der Bank verlangen. Bisher ist die Haftung auf maximal 10.300 Euro begrenzt. Das gelte aber nicht bei Fahrlässigkeit der Bank, sagte Wagners Anwalt Daniel Kuhlmann bei dem Termin mit Mandanten in seiner Kanzlei in Datteln. Er habe einen renommierten Sachverständigen eingeschaltet und sei überzeugt, dass es Mängel bei den Sicherheitsvorkehrungen im Tresorraum gegeben habe. Die Klagen hätten gute Aussichten auf Erfolg. Ein weiterer Kläger, der 46 Jahre alter Geschäftsführer Daniel Oryan, sprach bei dem Termin von «Kommunikation Null». Nachdem er tagelang nichts erfahren habe, habe er die Sparkassen-Hotline angerufen - drei bis vier Mal und immer vergeblich. Besetzt. Beim Anmieten seines Schließfaches habe er doch seine Telefonnummer angegeben. «Die hatten meine Nummer, warum rufen die nicht an», sagte er. Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden und sich direkt in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale gebohrt. Dort räumten sie rund 3.100 Kundenschließfächer aus. Der Gesamtschaden wurde kurz nach dem Einbruch von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, er könnte aber auch noch wesentlich höher liegen. Von den Tätern gibt es trotz intensiver Fahndung aktuell keine heiße Spur.Anwalt Kuhlmann sieht gute Chancen vor Gericht
«Die hatten meine Nummer. Warum rufen die nicht an?»
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Nach Millionen-Coup: «Ich habe geheult vor Wut»
Nach dem Gelsenkirchener Einbruch mit Millionen-Beute kritisieren Geschädigte die Kommunikation der Bank. Von sich aus habe die Bank sich erst nach Wochen gemeldet, eine Hotline war ständig besetzt.
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