20. September 2022 / Allgemeines

König Charles III. - noch kein Datum für Krönung

Modernisierung des Königshauses, Klima- und Umweltfragen, dazu Knatsch in der eigenen Familie: Der neue britische König hat viel Arbeit vor sich. Hinzu kommt die heikle Planung für ein Großevent.

König Charles III. steht vor großen Herausforderungen.
Veröffentlicht am 20. September 2022 um 16:20 Uhr von dpa

Nach dem Staatsbegräbnis für die Queen mit eigens ausgerufenem Feiertag ist für die meisten Briten am Dienstag wieder Alltag eingekehrt. Für die Königsfamilie gilt hingegen noch eine siebentägige Trauerperiode. König Charles III. flog am Dienstagmittag von einem Militärflughafen in London aus nach Aberdeen, wie der Sender Sky News berichtete. Wie seine am 8. September gestorbene Mutter ist auch der 73-Jährige dafür bekannt, gerne Zeit in dem nördlichsten britischen Landesteil zu verbringen.

Anders als in der vergangenen Woche, in der Charles und seine Familie etliche öffentliche Auftritte hatten, sollen die kommenden Tage für privateres Trauern und ruhigere Momente genutzt werden. Öffentliche Termine sind nicht geplant. Doch trotz Trauerbeflaggung dürfte hinter den Palastmauern bereits emsig an Plänen für die Zukunft geschmiedet werden - etwa wegen Vorbereitungen für die Krönung des neuen Königs Charles III. und seiner Königsgemahlin Camilla.

Der in royalen Dingen stets gut informierte «Telegraph» geht davon aus, dass die Krönung im nächsten Frühjahr oder Sommer stattfinden wird. Die Zeremonie werde voraussichtlich in einem sehr viel kleineren Rahmen gehalten als die Krönung seiner Mutter Elizabeth II. im Jahr 1953, so das Blatt. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Charles die Monarchie verschlanken und den Fokus auf wenige Mitglieder an der Spitze der Königsfamilie reduzieren will.

Hoffnungen auf baldiges royales Großevent gedämpft

Die britische Kulturministerin Michelle Donelan dämpfte am Dienstag jedoch erst einmal die Hoffnungen auf ein weiteres royales Großereignis in allzu naher Zukunft. Die Staatstrauer nach dem Tod der Königin sei eben erst beendet worden, sagte sie dem Sender LBC. «Wir wollen dem Land eine Pause gönnen.» Anders als an den Schlössern des Königshauses wehten die Fahnen an britischen Regierungsgebäuden im In- und Ausland von Dienstag an nicht mehr auf halbmast.

Vorläufigen Schätzungen der Regierung zufolge kamen etwa 250 000 Menschen ins Parlament, um am Sarg der Queen Abschied zu nehmen. Das wären allerdings weniger als zunächst erwartet wurden. Elizabeths Vater König George VI. hatten 1952 nach seinem Tod etwa 300 000 Menschen ihren Respekt gezollt. Für die Queen wurde mit deutlich größerem Zulauf gerechnet.

Auch Geld dürfte bei den Plänen für die Krönung eine Rolle spielen. Angesichts erheblich gestiegener Energiepreise und einer Inflationsrate im zweistelligen Bereich dürfte der Palast darauf aus sein, die Kosten gering zu halten und kein Feuerwerk an royalem Pomp zu veranstalten, während die Menschen im Land mit einer Krise der Lebenshaltungskosten kämpfen.

Bereits an den üppigen Trauermärschen zum Tod der Queen hatte es vereinzelt Kritik gegeben. Beispielsweise als ein Mann in der walisischen Hauptstadt Cardiff dem neuen König entgegenrief: «Charles, während wir Schwierigkeiten haben, unsere Wohnungen zu heizen, müssen wir für Ihre Paraden bezahlen.» Er wurde von einem Sicherheitsmann abgedrängt.

Allein die Kosten für den Polizeieinsatz während der elftägigen Trauerfeierlichkeiten dürften enorm gewesen sein. Wie viel genau das Staatsbegräbnis gekostet hat, konnte Donelan zunächst nicht sagen. «Ich denke, die britische Öffentlichkeit würde argumentieren, dass das Geld gut angelegt war», sagte die Ministerin. Sie glaube nicht, «dass irgendjemand behaupten kann, unsere gestorbene Monarchin habe diesen Abschied nicht verdient, angesichts der Pflicht und des selbstlosen Dienstes, dem sie sich mehr als 70 Jahre verschrieben hat.»

In den ersten Tagen nach dem Tod der Queen hatten sich viele Briten Kritik am Königshaus verbeten. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt dafür, hörte man vielerorts. Ob das auch in den kommenden Wochen und Monaten so bleibt, muss sich erst noch erweisen.

Doch auf Charles warten noch ganz andere Herausforderungen. So dürfte auch der Kurs der neuen britischen Premierministerin Liz Truss in Sachen Klima- und Umweltschutz sowie erneuerbare Energien den König vor ein Dilemma stellen. Truss wettert offen gegen Solaranlagen, während sie die Atomkraft und das umstrittene Fracking preist. Charles, der sich seit langem für den Schutz von Umwelt und Klima stark macht, dürfte das nicht gefallen.

Doch als König ist er zur unbedingten politischen Neutralität verpflichtet. Eine Tugend, die Elizabeth II. vollendet beherrschte. Bleibt Charles stumm, dürfte er viele junge Menschen gegen sich aufbringen, die ihn wegen seines Engagements unterstützen. Stellt er sich offen der Regierung, dürfte er den Zorn der konservativen Boulevardpresse auf sich ziehen und damit dem Königshaus womöglich einen Bärendienst erweisen.

Eine weitere Baustelle hat Charles in der eigenen Familie. Trotz warmer Worte und gemeinsamer Auftritte während der Trauerfeierlichkeiten für die Queen scheint der Streit mit seinem Sohn Prinz Harry (38) und Schwiegertochter Herzogin Meghan keineswegs beigelegt. Harry hat zudem für dieses Jahr die Veröffentlichung seiner Memoiren angekündigt, die für neuen Zündstoff sorgen dürften.

Die Queen hatte bei all den Streitereien stets als Brücke fungiert, die von beiden Seiten respektiert wurde. Doch mit ihrem Tod ändert sich auch das. Ihr Sarg war am Montag nach Abschluss der offiziellen Trauerfeier in einer Seitenkapelle der St.-Georges-Kapelle auf Schloss Windsor im kleinen Kreis beigesetzt worden.


Bildnachweis: © Jane Barlow/PA Wire/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Woche der kleinen Künste: Stadtbus-Linie 208 wird umgeleitet
Stadt Gütersloh

Pressemitteilung der Stadtwerke Gütersloh.

weiterlesen...
Giftmobil und Elektroschrottsammlung auf Herbsttour
Stadt Gütersloh

22 Haltestellen werden an drei Freitagen und drei Samstagen angefahren.

weiterlesen...
Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...

Neueste Artikel

15-Jähriger treibt tagelang im Meer - und wird gerettet
Allgemeines

Zwei Männer und ein Teenager brechen mit einem Fischerboot in Alaska zu einer Tour auf. Als sie nicht wie geplant zurückkehren, beginnt die Suche. Nicht alle können gerettet werden.

weiterlesen...
Seltener Besucher: Junger Elch streift durch Niedersachsen
Allgemeines

Ein Elch tappt im Wendland vor eine Wildkamera. Der junge Bulle könnte auf der Suche nach einem neuen Revier oder einer Partnerin sein.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

15-Jähriger treibt tagelang im Meer - und wird gerettet
Allgemeines

Zwei Männer und ein Teenager brechen mit einem Fischerboot in Alaska zu einer Tour auf. Als sie nicht wie geplant zurückkehren, beginnt die Suche. Nicht alle können gerettet werden.

weiterlesen...
Seltener Besucher: Junger Elch streift durch Niedersachsen
Allgemeines

Ein Elch tappt im Wendland vor eine Wildkamera. Der junge Bulle könnte auf der Suche nach einem neuen Revier oder einer Partnerin sein.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner