19. September 2023 / Allgemeines

Neuer Prozess um getötete Frau: Gatte bestreitet Mordvorwurf

Erst soll es Suizid gewesen sein, dann spricht der Angeklagte von einem Gerangel, bei dem ein Schuss fiel. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer regelrechten Hinrichtung.

Der Angeklagte hält sich im Gerichtssaal ein Blatt Papier vor das Gesicht. Im Hintergrund stehen seine Anwälte.
Veröffentlicht am 19. September 2023 um 14:22 Uhr von Britta Schultejans und Wio Groeger, dpa

Im neu aufgerollten Münchner Prozess gegen einen Mann um den mutmaßlichen Mord an seiner Ehefrau hat der Angeklagte die Vorwürfe gegen ihn erneut bestritten. «Ich habe meine Frau nicht erschossen», sagte der 64-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht München I und brach immer wieder in Tränen aus. «Ich trage noch immer unseren Ehering.»

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Ehefrau, die sich von ihm getrennt hatte, mit einem Kopfschuss getötet zu haben. Der Tod der Frau im Jahr 2015 war lange als Suizid behandelt worden, aber nachdem Zweifel daran aufgekommen waren, erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Jahre später doch Mordanklage gegen den Ehemann.

Zunächst aus Mangel an Beweisen freigesprochen

Am Ende eines mehr als ein Jahr andauernden Indizienprozesses hatte das Landgericht München I den Mann im Februar 2022 dann aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Auch wenn die Kammer erhebliche Zweifel an der Darstellung des Angeklagten gehabt habe, müsse gelten: «in dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten», entschied das Gericht und verurteilte den Bosnier nur wegen illegalen Waffenbesitzes. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob diesen Freispruch vom Vorwurf des Mordes jedoch auf. Darum sitzt der Angeklagte inzwischen wieder in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er seine Frau - Mutter der fünf gemeinsamen Kinder - nach 17 Jahren Beziehung «von Eifersucht getrieben» umbrachte, weil sie sich kurz zuvor von ihm getrennt hatte und Beziehungen zu anderen Männern eingegangen war. In der Anklage wird ein regelrechtes Hinrichtungsszenario geschildert: Der Mann soll sie gezwungen haben, sich hinzuknien, und ihr dann die Pistole an die Schläfe gesetzt haben.

Angeklagter bestreitet das Tatszenario

Die Beziehung des Ehepaars soll der Anklage zufolge schwierig, der Angeklagte eifersüchtig und kontrollierend gewesen sein. «Der Angeschuldigte, der die Geschädigte ganz für sich allein haben wollte, isolierte diese zunehmend von Freunden und Familie und kontrollierte jeden ihrer Schritte», sagte die Staatsanwältin. «Mehrfach hatte die Geschädigte versucht, der belastenden und als bedrückend empfundenen Situation zu entkommen, indem sie sich von dem Angeschuldigten trennte, war jedoch - aufgrund der gemeinsamen Kinder - immer wieder zu dem Angeschuldigten zurückgekehrt. Die Kinder des Paares waren zwischen 4 und 14 Jahre alt, als ihre Mutter starb.

Der Angeklagte bestreitet das Tatszenario. Vor Gericht berichtete er von einvernehmlichen Sex-Spielen mit der Pistole und sagte schluchzend, er habe seiner aufgebrachten und verzweifelten Frau an jenem Abend im Jahr 2015 die Waffe bei einem Gerangel aus der Hand nehmen wollen. Dann habe sich ein Schuss gelöst. «Dann habe ich plötzlich Blut gesehen.» Seine Frau habe schon vor diesem Tag mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen, sagte der 64-Jährige.

Mehr als ein Jahr dauerte der erste Prozess, für den zweiten hat das Gericht nun 13 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte damit am 6. Dezember fallen.


Bildnachweis: © Peter Kneffel/dpa
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