Ein neuer UN-Vertrag soll Biopiraterie einen weiteren Riegel vorschieben. Firmen, die traditionelles Wissen und Pflanzen oder andere Organismen indigener Völker nutzen, um Produkte entwickeln, müssen die Herkunft künftig bei Patentanträgen offenlegen. Ziel ist es, zu verhindern, dass traditionelles Wissen für Profite ausgeschlachtet wird, ohne dass die ursprünglichen Kenner beteiligt werden. Mit dem Vertrag, der am Freitag in Genf beschlossen wurde, werden erstmals die Belange indigener Gruppen in einem internationalen Abkommen über Patentregelungen berücksichtigt, wie die UN-Organisation für geistiges Eigentum (Wipo) mitteilte. Viele nutzten solches Wissen seit Jahrtausenden. «Wir haben heute Geschichte geschrieben», sagte Wipo-Generaldirektor Daren Tang, als der Vertragstext fertig war. Über den Vertrag wurde mehr als 20 Jahre verhandelt. Er tritt in Kraft, wenn 15 der 193 Wipo-Mitgliedsländer ihn ratifiziert haben. Tausende Kosmetikartikel, Medikamente und andere Produkte werden aus Naturprodukten entwickelt. Dazu gehört zum Beispiel das Süßmittel aus der Steviapflanze, die in Südamerika schon immer zum Süßen verwendet wurde. Der Effekt verwaschener Jeans wird mit Bleichmitteln erzielt, die auf ein Enzym zurückgreifen, das unter extremen Bedingungen arbeiten kann. Es stammt aus Salzseen in Kenia oder Tansania in Afrika. Vielfach ist das Wissen über die Wirkung von Pflanzen oder Organismen über Studien bekannt und dann von Firmen zur Entwicklung von Produkten ausgenutzt worden, ohne dass die Menschen vor Ort etwas davon hatten. Die Nutzung solcher Ressourcen ist eigentlich bereits im Rahmen des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt geregelt. Allerdings halten sich nicht alle daran und viele Länder haben wenig Mittel, um ihr traditionelles Wissen effektiv zu schützen. Der Wipo-Vertrag gilt als zusätzliche Möglichkeit, Gerechtigkeit herzustellen. Künftig müssen Firmen bei Patentanmeldungen Herkunft von Material und Wissen veröffentlichen. Dann können die betreffenden Länder prüfen, ob die Firmen alle vorgesehenen Genehmigungen hatten und angemessene Verträge über die Nutzung abgeschlossen wurden.Wie traditionelles Wissen ausgeschlachtet wird
Was der neue Vertrag leistet
Bildnachweis: © Hendrik Schmidt/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Neuer UN-Vertrag soll besser vor Biopiraterie schützen
Süßmittel aus Südamerika, ein Bleich-Enzym aus Afrika: Dort sind die Kräfte der Natur seit Jahrtausenden bekannt, kommerziell ausgenutzt werden sie aber von fremden Firmen. Das soll schwerer gemacht werden.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App?
Meistgelesene Artikel
- 14. Oktober 2026
L757: Verler Straße in Gütersloh kurzzeitig voll gesperrt
Pressemitteilung von Straßen.NRW.
- 21. September 2026
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.
- 24. September 2026
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.
Neueste Artikel
- 17. Oktober 2026
Warum turtelnde Wildtiere im Herbst für mehr Unfälle sorgen
Zwischen Oktober und Dezember kracht es nach Angaben des Jagdverbands besonders häufig mit Wildtieren. Dafür gibt es mehrere Gründe.
- 17. Oktober 2026
Polizei: Motiv für Gewalttat an US-Grundschule weiter unklar
An einer Grundschule in Oregon werden drei Kinder und eine Lehrkraft erschossen. Der 16 Jahre alte Tatverdächtige war dort einst Schüler. Das Motiv für die Gewalttat ist unklar, sagt die Polizei.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 17. Oktober 2026
Warum turtelnde Wildtiere im Herbst für mehr Unfälle sorgen
Zwischen Oktober und Dezember kracht es nach Angaben des Jagdverbands besonders häufig mit Wildtieren. Dafür gibt es mehrere Gründe.
- 17. Oktober 2026
Polizei: Motiv für Gewalttat an US-Grundschule weiter unklar
An einer Grundschule in Oregon werden drei Kinder und eine Lehrkraft erschossen. Der 16 Jahre alte Tatverdächtige war dort einst Schüler. Das Motiv für die Gewalttat ist unklar, sagt die Polizei.






