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Nur noch wenige Bachforellen in Gütersloher Fließgewässern

Mit ihrer gedrungenen, spindelartigen Körperform lässt sich die Bachforelle auch in den Fließgewässern in und um Gütersloh finden. Der Bestand der beliebten Fischart nimmt seit den letzten Jahren in den heimischen Bächen jedoch ab. Im Zuge einer Besatzungsmaßnahme des Fachbereichs Umweltschutz der Stadt Gütersloh und des Fischereivereins Rheda-Gütersloh wurden jetzt 25.000 junge Bachforellen zur Artenerhaltung in den Gewässern der Dalke, Wapel und des Ölbachs freigelassen.
 
In unseren Bächen leben immer weniger typische Kleinfische“, erklärt Marcus Borgmann, 1. Vorsitzender des Fischereivereins Rheda-Gütersloh. „Ein in Auftrag gegebenes Gutachten hat ergeben, dass auch die Bachforelle bei uns nur dünn besiedelt vorhanden ist.“ Die 30 bis 60 cm große Forelle ist Teil des Gütersloher Artenkorbs. Er umfasst 66 Pflanzen- und Tierarten, die in der Gütersloher Stadt- und Kulturlandschaft mit den Menschen zusammen leben und auf Rücksichtnahme oder Unterstützung angewiesen sind. Viele dieser Arten befinden sich auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. Auch die Bachforelle gehört laut NABU zu den bedrohten Fischarten.
 
Die Fließgewässer leiden unter den Einflüssen der Landwirtschaft“, berichtet Marcus Borgmann zur Gefährdungslage. „Und auch die Begradigungen der Gewässer bietet den Bachforellen wenig Möglichkeiten zur Laichplatzsuche.“ Forellen leben in schnell durchströmten, sauerstoffreichen Flachgewässern und sind standorttreue Tiere, die ihr eigenes Revier nur zur Fortpflanzung verlassen. Aus begradigten Gewässern verschwinden sie dagegen sehr schnell. Zur Laichablage suchen sich die Bachforellen von Oktober bis Januar Kies- und Sandböden. Neben der Gewässerqualität ist auch die Durchgängigkeit von Flüssen für den Lebensraum von Fischen sehr wichtig. „Wehre verhindern die Wanderung der Fische, sodass sie keine geeigneten Laichplätze finden“, unterstreicht Borgmann.
 
Die Besatzungsmaßnahme ist ein zweijähriges Projekt des Fachbereichs Umweltschutz der Stadt Gütersloh, in Kooperation mit dem Fischereiverein Rheda-Gütersloh. Insgesamt 25.000 junge Forellen werden im Zuge dessen auch in diesem Jahr zur direkten Artenerhaltung ausgesetzt. „An 21 Stellen im Flussverlauf der Wapel, Dalke und des Ölbachs sind geeignete Lebensraumstrukturen für Forellen vorhanden“, erklärt Marcus Borgmann die Auswahl der Besatzungspunkte. An diesen Abschnitten lassen Borgmann und weitere freiwillige Helfer etwa je 1.100 der kleinen Bachforellen in den Fließgewässern frei. Die etwa 3 bis 5 cm großen Bachforellen sind in großen Beuteln nach Gütersloh transportiert worden. Sie sind Ende Dezember, beziehungsweise Anfang Januar in einem Fischereibetrieb im Kalletal geschlüpft. In Zweier-Teams steigen die Freiwilligen mit den Schwärmen ins Wasser. Bis die Helfer die Fische an den geeigneten Stellen freilassen können, müssen sich die Forellen zunächst kurz an das neue Wasser und die Wassertemperatur gewöhnen, anschließend werden sie in ihre neuen Heimatbäche entlassen. In den kommenden Jahren zeigen Überprüfungen dann, ob die Besatzungsmaßnahme erfolgreich war und sich der Bestand der Forellen in den Gütersloher Bächen erholt und vermehrt hat.
 
Langfristig können solche Bemühungen, wie die Besatzungsmaßnahme der Forellen, aber nur zum Erfolg führen, wenn sie von grundlegenden Verbesserungen für die Lebensräume der Fischarten begleitet werden. Durchgängige und strukturreiche Fließgewässer mit hoher Wasserqualität sind unabdingbar. „Für den Erhalt der Arten sind renaturierte Bereiche wichtig“, unterstreicht Marcus Borgmann. Die Entfernung von nicht mehr benötigten Stauwehren oder die Umwandlung dieser in Fischtreppen, die es den Fischen ermöglichen Hindernisse entgegen der Fließrichtung der Gewässer zu überwinden, können unterstützende Maßnahmen sein, damit die Bachforellen wieder zum normalen Bestand in unseren heimischen Gewässern anwachsen. 
 
Steckbriefe und weitere Informationen über die Tier- und Pflanzenarten des Gütersloher Artenkorbs gibt es unter www.artenkorb.guetersloh.de.

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