4. Januar 2025 / Allgemeines

Orca-Weibchen trauert um totes Kalb

Schon 2018 konnte sich Schwertwal-Mutter Tahlequah tagelang nicht von ihrem toten Nachwuchs trennen. Nun wurde das Tier erneut dabei gesichtet, wie es einen verstorbenen Nachwuchs bei sich trägt.

Das NOAA-Forschungsteam schreibt auf Instagram, es wolle die Trauer des Schwertwal-Weibchens respektieren. (Handout)
Veröffentlicht am 4. Januar 2025 um 12:02 Uhr von dpa

Es sind herzzerreißende Bilder, welche die US-amerikanische Ozean- und Klimabehörde (NOAA) auf Instagram und Facebook teilt: Darauf ist ein Orca-Weibchen zu sehen, das sein totes Kalb vor sich herträgt. Die Schwertwal-Mutter J35, auch Tahlequah genannt, ist Teil einer sehr kleinen und bedrohten Population in Puget Sound, einer Meerenge in der Nähe von Seattle im US-Bundesstaat Washington. Besonders tragisch: Es ist nicht das erste Mal, dass sich J35 nicht von einem toten Jungtier trennen kann.

Tiefe emotionale und soziale Strukturen 

Am 1. Januar habe eine Forschungsgruppe der US-amerikanischen Ozean- und Klimabehörde (NOAA) beobachtet, dass die Orca-Mutter ihr totes Kalb vor sich hertrug, heißt es im Instagram-Video der Behörde – ein Verhalten, das auch von anderen sozialen Tieren wie Primaten und Elefanten bekannt sei. «Der Verlust von J35 erinnert uns an die tiefen emotionalen und sozialen Strukturen dieser unglaublichen Tiere», heißt es in dem Video weiter.

Der Tod des Kalbs sei angesichts der Tatsache, dass die Schwertwal-Population in Puget Sound nur noch 73 Tiere umfasse, eine niederschmetternde Nachricht. Zudem habe Tahlequah bereits 2018 Schlagzeilen gemacht, als sie ihr damaliges totes Kalb 17 Tage lang mit sich trug. 

Entsprechend sei der Verlust von J61 besonders tragisch, «nicht nur, weil es ein Weibchen war, das eines Tages möglicherweise seine eigene Matriline hätte anführen können, sondern auch angesichts der Geschichte ihrer Mutter J35, die nun zwei von vier dokumentierten Kälbern verloren hat - beide waren weiblich», schrieb das NOAA-Team auf Instagram.

Tahlequah habe zwei weitere Nachkommen, darunter ein drei Jahre altes Kalb, J57 (genannt Phoenix), und ein 14 Jahre altes, J47 (bekannt als Notch), die beide männlich sind.

Respekt vor der Trauer der Orca-Mutter

Auf die Frage eines Instagram-Nutzers, woran J61 gestorben sein könnte, antwortete die Behörde allgemein, dass die Population der Orcas (Orcinus orca) im nordöstlichen Pazifik gegen eine Vielzahl von Bedrohungen um ihr Überleben kämpfe: «Die Forschung hat drei Hauptbedrohungen für ihr Überleben ausgemacht: Lärm und Störungen durch den Schiffsverkehr, Gesundheit und Schadstoffe sowie die Verfügbarkeit von Beutetieren. Diese Faktoren verstärken sich gegenseitig.» Noch dazu führe die schrumpfende Population zu mehr Inzucht, was die Lebenserwartung der Tiere nahezu halbieren könne.

Eine Nekropsie – ähnlich einer Autopsie beim Menschen – könnte zwar Aufschluss darüber geben, woran das Jungtier gestorben sei. Diese sei angesichts der Bindung von J35 an ihr totes Kalb sowie dessen Verwesung unwahrscheinlich, so ein weiterer NOAA-Beitrag: «Wir respektieren ihr Bedürfnis, den Tod ihres Kalbs zu betrauern, und werden ihre Situation weiter beobachten, sobald es die Umstände erlauben.»


Bildnachweis: © Candice Emmons/NOAA Fisheries West Coast/AP/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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