20. April 2026 / Allgemeines

Unternehmen: «Hipp ist Opfer einer Erpressung»

Erpressung mit Rattengift in Babynahrung - und in Österreich wird noch ein Glas gesucht. Die Polizei warnt Eltern vor auffälligen Gläsern. Was Hipp und die Behörden nun unternehmen.

Die Polizei in Österreich sucht nach einem möglicherweise mit Gift verseuchten zweiten Glas mit Babynahrung. (Symbolbild)
von dpa

Nach dem Fund von vergifteter Babynahrung spricht der Hersteller Hipp nun selbst von einer Erpressung und gibt Details bekannt. «Hipp ist Opfer einer Erpressung», teilte das Unternehmen im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm mit. «Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in größeren zeitlichen Abständen gesichtet wird.» Zuvor hatte die Polizei erklärt, wegen versuchter Erpressung zu ermitteln. 

Am Wochenende war ein mit Rattengift verseuchtes Glas «Karotten mit Kartoffeln» 190 Gramm der Firma Hipp im Burgenland sichergestellt worden. Zumindest zwei Gläser sollen aber in dieser Region in Umlauf gebracht worden sein - eines wird nun noch unter Hochdruck gesucht.

Das Unternehmen teilte weiter auf seiner Homepage mit: «Unmittelbar nach Kenntnisnahme haben wir sofort die zuständige Polizei und Behörden informiert und einen internen Krisenstab eingerichtet.» 

Fünf manipulierte Gläser gefunden

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt, wo bei der Kripo die Ermittlungen wegen versuchter Erpressung laufen, wurden in Österreich sowie in Tschechien und der Slowakei insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser entdeckt. In Deutschland wurden keine vergifteten Gläser gefunden. Bei der Kripo sei eine Ermittlungsgruppe namens «Glas» eingerichtet worden. Was der mutmaßliche Erpresser fordert, teilten weder Polizei noch das Unternehmen mit.

Die Polizei in Österreich weitete unterdessen die Suche nach dem möglicherweise vergifteten Glas mit Babynahrung aus. «Wir setzen alle Hebel in Bewegung und haben nun auch Kontakt zu Kindergärten und Pflegeeinrichtungen aufgenommen», sagte eine Sprecherin der Polizei im Bundesland Burgenland. 

E-Mail am 16. April 

Laut Polizei in Ingolstadt war die Erpresser-E-Mail am 16. April bekanntgeworden. Danach seien sofort alle nötigen Maßnahmen im In- und Ausland getroffen worden, hieß es bei der Polizei. «Wir haben umgehend Maßnahmen ergriffen, um unsere Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen», unterstrich auch Hipp. «Wir stehen in enger und ständiger Abstimmung und Kooperation mit den Behörden. Dies gilt auch für unsere Kommunikation.»

«Kriminelle Manipulation» 

Der Vorfall stehe in keinem Zusammenhang mit der Produktqualität, betonte Hipp am Montag. «Es handelt sich um eine kriminelle externe Manipulation außerhalb unseres Einflussbereiches in den genannten drei Märkten. Wir haben keine Kenntnis von weiteren Manipulationen.»

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) hatte am Samstag von einem mutmaßlichen Erpressungsversuch geschrieben. Sie strich diesen Hinweis später aus ihrer Pressemitteilung. 

Gutachten soll Dosis von Rattengift bestimmen

Die Staatsanwaltschaft in Österreich ermittelt nach eigenen Aussagen wegen «vorsätzlicher Gemeingefährdung». Laut einem vorläufigen toxikologischen Gutachten sei Rattengift im sichergestellten Glas festgestellt worden. Nun erfolge eine genauere Untersuchung. Dabei werde es um die Dosis gehen und wie gefährlich das Rattengift beim Verzehr gewesen wäre, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Burgenland.

Laut Polizei wären manipulierte Gläser an einem beschädigten Deckel oder am Fehlen des Plopp-Lautes beim Öffnen zu erkennen. Zudem sollen die manipulierten Gläser einen weißen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben.

Bei Auffälligkeiten an den Babykost-Gläschen sollte der Inhalt nicht verzehrt und umgehend die Polizei verständigt werden, hieß es. Insbesondere sei beim Öffnen des Glases auf das sogenannte Knack-Geräusch zu achten. Sollte dieses fehlen, könne eine Beschädigung oder Manipulation vorliegen, warnten die Ermittler. 

Auch Tschechien und Slowakei betroffen

Produkte und Vertriebswege in Deutschland oder anderen europäischen Ländern, die nicht Bestandteil der Ermittlungen sind, seien nicht betroffen, sagte am Wochenende Hipp-Sprecher Clemens Preysing der Deutschen Presse-Agentur.

Er bestätigte, dass außer in Österreich mit Rattengift verseuchte manipulierte Gläschen auch in Tschechien und der Slowakei aufgetaucht seien. Die Handelspartner in Tschechien und der Slowakei hätten vorsorglich alle Hipp-Gläschen aus dem Verkauf genommen, sagte der Hipp-Sprecher.

Mehrfach waren in der Vergangenheit namhafte Unternehmen Ziel von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln geworden. Nicht zum ersten Mal ist Babynahrung das Ziel.


Bildnachweis: © Tobias Steinmaurer/APA/dpa
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