Im Kampf gegen die Corona-Pandemie braucht Deutschland aus Sicht der Bundesärztekammer dringend eine bessere Datenbasis. «Wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren einen wahren Datenblindflug erlebt, der keine gute Grundlage für rationale Entscheidungen war», sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt der Funke-Mediengruppe. Nur wenn Klarheit über das tatsächliche Infektionsgeschehen herrsche, könne die Belegung der Krankenhaus- und Intensivbetten realistisch prognostiziert werden. Die Bundesregierung sollte sich daher den Rat ihrer Experten zu eigen machen und endlich systematisch Daten zu Infektionsdynamik, Krankheitsschwere und zur Belastung des Gesundheitswesens erheben und auswerten. Ähnlich wie Reinhardt äußerte sich auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß. Die Politik rief er in der «Rheinischen Post» und im Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) auf, die Frage zu klären, wer die Kosten für die notwendigen IT-Investitionen übernimmt. Der Expertenrat erwartet im Herbst und Winter erneut eine erhebliche Belastung des Gesundheitssystems. Er empfiehlt eine Rechtsbasis für schnelle Reaktionen auf möglicherweise steigende Infektionszahlen im Herbst und Winter und dringt auf langfristige Verbesserungen - etwa bei Datenanalyse und Prognose. Der Rat fordert zudem Einheitlichkeit - nämlich eine zentrale Koordination der Pandemiemaßnahmen zwischen Bund und Ländern und eine bundesweit möglichst einheitliche und schnelle Kommunikation aller bestehenden Regelungen und Empfehlungen. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hofft auf Entscheidungen der Politik, die den Vorschlägen des Expertenrats entsprechen. Das sagte Streeck in der ARD-Sendung «maischberger». Unabhängig davon, ob es eine Sommer-Coronawelle gebe oder nicht, müssten ohnehin Vorbereitungen für den Herbst getroffen werden. Die Politik habe viele schützende Instrumente wie Impfung und Masken an der Hand. «Wir können uns auf alles vorbereiten», sagte Streeck. Auf die Frage, wie er zu der Möglichkeit eines neuen Lockdowns stehe, sagte er: «Ich würde keinen Lockdown empfehlen.» Auch in der Stellungnahme des Expertenrats war davon nicht die Rede. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte zuvor betont, die Stellungnahme werde zur «Basis für den Corona-Herbstplan der Bundesregierung».Expertenrat erwartet Belastung des Gesundheitssystems
Streeck: «Können uns auf alles vorbereiten»
Bildnachweis: © Matthias Balk/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Ärztekammer prangert Corona-«Datenblindflug» an
Die bisherige Corona-Datenbasis liefere «keine gute Grundlage für rationale Entscheidungen», kritisiert Ärztepräsident Reinhardt. Virologe Streek spricht sich gegen einen neuen Lockdown bei einer Herbst-Welle aus.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App?
Meistgelesene Artikel
- 14. September 2026
Michaeliswoche 2026: Das erwartet euch in Gütersloh
Vom 25. September bis 4. Oktober bietet die Michaeliswoche in Gütersloh Kirmes, Straßenkunst und ein Familienprogramm.
- 24. September 2026
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.
- 21. September 2026
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.
Neueste Artikel
- 6. Oktober 2026
Schulmassaker in Kanada: Angreiferin hatte wohl Unterstützer
Im Februar erschießt eine 18-Jährige acht Menschen in Kanada, sechs von ihnen in einer Schule. Nun enthüllen Ermittler: dem Attentat ging ein langer Austausch voraus.
- 6. Oktober 2026
Erste reguläre Behandlung mit Genschere in Deutschland
Für die Entwicklung der Crispr-Methode gab es 2020 den Nobelpreis. Nun hat ein Patient bundesweit erstmals nach der Zulassung der Genscheren-Therapie ein entsprechendes Mittel erhalten.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 6. Oktober 2026
Schulmassaker in Kanada: Angreiferin hatte wohl Unterstützer
Im Februar erschießt eine 18-Jährige acht Menschen in Kanada, sechs von ihnen in einer Schule. Nun enthüllen Ermittler: dem Attentat ging ein langer Austausch voraus.
- 6. Oktober 2026
Erste reguläre Behandlung mit Genschere in Deutschland
Für die Entwicklung der Crispr-Methode gab es 2020 den Nobelpreis. Nun hat ein Patient bundesweit erstmals nach der Zulassung der Genscheren-Therapie ein entsprechendes Mittel erhalten.






