5. August 2022 / Allgemeines

Corona: RKI gibt keine Entwarnung in der Sommerwelle

Das Robert Koch-Institut blickt auf das aktuelle Corona-Infektionsgeschehen - und nimmt die Impfkampagne unter die Lupe.

Die Inzidenz geht zurück - derweil werden Schutzmaßnahmen für den Herbst geplant.
Veröffentlicht am 5. August 2022 um 12:56 Uhr von dpa

In der Corona-Sommerwelle gibt das Robert Koch-Institut keine Entwarnung. Zwar seien Inzidenzen und weitere Werte zuletzt teils deutlich gesunken.

Der allgemeine Infektionsdruck und die damit verbundene Belastung des Gesundheitssystems bleibe aber hoch, heißt es im Wochenbericht des Instituts zu Covid-19. Zugleich sieht das RKI bei Millionen Menschen weiteren Impfbedarf. Derweil teilte das Gesundheitsministerium mit, dass sich Minister Karl Lauterbach mit dem Coronavirus infiziert habe. Die Diskussion über die von der Bundesregierung geplanten Schutzmaßnahmen ab Herbst hielt unterdessen an.

Patientenschützer fordern kostenlose Tests

Corona-Schnelltests in Testzentren sollten nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz wieder kostenlos sein. Derzeit stocke es bei der Erstattung für die Testanbieter, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) habe die Anfang Juli getroffene Vereinbarung mit der Kassenärztlichen Vereinigung zur Abrechnung der sogenannten Bürgertests noch immer nicht rechtlich abgesichert. «Karl Lauterbach ist aufgefordert, das bis zum 8. August verbindlich zu regeln», erklärte Brysch.

Bürgertests sind seit Ende Juni nicht mehr für alle gratis, sondern nur noch für bestimmte Risikogruppen und Anlässe. Zu weiteren Anlässen wie vor Veranstaltungen in Innenräumen sind sie mit drei Euro Zuzahlung zu haben. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die für die Abrechnung mit den Testzentren zuständig ist, hatte die Regelung als zu bürokratisch kritisiert und angekündigt, die Tests nicht mehr abrechnen zu können.

Inzidenz sinkt

Das RKI verzeichnete bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz in der vergangenen Woche im Vergleich zur Vorwoche einen deutlichen Rückgang um 21 Prozent. Neben der Inzidenz, die das Infektionsgeschehen unvollständig widerspiegelt, blickt das RKI auf weitere Datenquellen. Die Werte zu akuten Atemwegserkrankungen in der Gesamtbevölkerung wie die Zahl der Arztbesuche seien zwar im Vergleich zu denen in der Vorwoche gesunken - dennoch aber weiterhin höher als in den Vorjahren um diese Zeit, stellen die Experten heraus. Zudem hätten Ausbrüche in Pflegeheimen weiter zugenommen.

Die Todesfälle in Verbindung mit dem Virus haben laut RKI zuletzt ein recht stabiles Niveau erreicht - vergangene Woche wurden demnach 444 übermittelt. Die Zahl der Krankenhausaufnahmen von Menschen mit schwerer akuter Atemwegsinfektion und einer Covid-19-Diagnose sei in der letzten Woche zum ersten Mal seit längerem wieder gesunken. Mit Blick auf die nächsten Wochen rechnet das RKI aber mit einer «weiterhin hohen Zahl an Hospitalisierungen, intensivmedizinisch zu betreuenden Covid-19-Patientinnen und -Patienten sowie Todesfällen, insbesondere in höheren Altersgruppen».

Omikron-Variante vorherrschend

Die Omikron-Sublinie BA.5 hat demnach auf hohem Niveau noch etwas zugelegt und ist nach den aktuellsten Daten in mehr als 92 Prozent der positiven Proben gefunden worden. Das RKI stellt erneut die Bedeutung der Corona-Impfung heraus. Die Auffrischimpfung schütze auch in Omikron-Zeiten sehr effektiv vor schweren Verläufen, weshalb neben dem Beginn der Impfung bei Ungeimpften auch bei den bisher lediglich Grundimmunisierten Impflücken geschlossen werden müssten, schreibt ein RKI-Team im neuen Monatsbericht zu Covid-19-Impfungen.

Nach dem bisherigen Tiefststand des Impfgeschehens im Juni seien im Juli mit gut einer Million erstmals wieder etwas mehr Impfungen als im Vormonat registriert worden. Dennoch: Den Experten zufolge müssten noch etwa 1,3 Million Menschen im Alter ab 60 Jahren und etwa 7,8 Millionen Menschen unter 60 Jahren, die lediglich grundimmunisiert sind, ihren Impfschutz mit mindestens einer Impfung auffrischen. Noch gar keine Impfung erhalten hätten rund 7,3 Millionen Erwachsene unter 60 Jahre und 1,9 Millionen ab 60. Laut aktuellem Monitoring mit Stand Anfang August sind gut 85 Prozent der erwachsenen Bevölkerung grundimmunisiert, gut 72 Prozent haben eine erste Auffrischimpfung bekommen, knapp 10 Prozent eine zweite.


Bildnachweis: © Andreas Arnold/dpa
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