13. August 2025 / Allgemeines

Sommer, Sonne, Sauberkeit: Unterwegs mit Grill-Diplomaten

In vielen deutschen Städten ist öffentliches Grillen wegen der starken Vermüllung zum Streitthema geworden. In Köln versuchen sogenannte Grill-Scouts, mit Würstchen-Brutzlern ins Gespräch zu kommen.

Wenn Rauch aufsteigt, wissen die Grill-Scouts: Jetzt ist ihr Rat gefragt.
von Jonas-Erik Schmidt, dpa

Vera Drewke hat eine Aufgabe, die es so auch im Vatikan geben könnte - bei einer Papstwahl: Sie wartet auf weißen Rauch. Nur, dass er in ihrem Fall nicht aus einem Schornstein über der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, sondern irgendwo zwischen Klappstühlen, Bluetooth-Boxen und Trekking-Sandalen. «Ich sehe Rauchschwaden!», verkündet Drewke nun. Zusammen mit Sabrina Scholtisseck und Nisa Bagci, ihren Kolleginnen, zieht sie los.

Die drei jungen Frauen, neon-orange gekleidet und mit Müllsäcken ausgestattet, haben einen Job mit besonderem Profil: Sie arbeiten als Grill-Scouts. Das bedeutet, dass sie im Auftrag der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln durch Parks streifen und Menschen ansprechen, die dort Steaks, Würstchen oder Grillkäse brutzeln. Das Ziel: einfach mal reden - und so die Grünanlagen sauber halten.

Öffentliches Grillen scheidet die Geister

Denn Grillen im öffentlichen Raum ist in vielen deutschen Städten aufgrund der starken Vermüllung und Rauchbelästigung längst zum Streitthema geworden. In Hamburg etwa prüfen laut Berichten immer mehr Bezirke die Einhaltung der Regeln und gehen mit hohen Geldstrafen gegen wildes Grillen vor. In Berlin haben diesen Sommer mehrere tausend Anwohner eine Petition gestartet, welche eine «respektvolle Nutzung» der Grillwiese im Volkspark Friedrichshain fordert. 

Der Ansatz der Kölner Grill-Scouts ist aufgrund der lockeren, nicht-konfrontativen Art ein besonderer. Sie treten so auf, dass die - unbegründete - Angst, einer Ordnungsmacht gegenüberzustehen, schnell verfliegt. 

Die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln schreiben über die Grill-Scouts: «Sie beraten die Parkbesucher hilfsbereit und auf Augenhöhe zum Thema Picknick- und Grillabfälle.» Dazu gehöre, auf «Entsorgungsangebote» hinzuweisen oder Müllsäcke zu verteilen. 

Die Zahlen der Truppe, die es in Köln seit 15 Jahren gibt, sind beeindruckend. Im vergangenen Jahr verteilten die Grill-Scouts nach eigenen Angaben 31.399 Müllbeutel - und hatten 5.286 «Kontakte». Die große Zahl hängt damit zusammen, dass in Köln viele Parks - so ein genutzter Terminus - «begrillbar» sind. Bei sommerlichem Wetter sind die Grill-Scouts, von denen es in der Stadt rund 25 gibt, an jedem Wochenende und an Feiertagen unterwegs. An einem Tag laufen sie zu Fuß durchaus mal 20 Kilometer.

Gerade sind Drewke und ihre zwei Kolleginnen auf eine Gruppe junger Leute getroffen, Typus Studenten-Clique. Ein kleiner Grill kokelt. Kurze Begrüßung, dann fragt Drewke: «Die Unterflur-Container kennt ihr?» Auffälliges Schweigen. «Äh, nein, wo sind die?», fragt der junge Mann am Grill. «Die sind in diesem Park genau...», sagt Drewke und nimmt die Haltung einer Fluglotsin an, «da». Dann lässt sie noch einen Müllbeutel da. Dank ist ihr gewiss. 

Die Reaktionen auf die Grill-Scouts seien «durchweg positiv», sagt Vera Drewke zwischen zwei Stopps. Vielfach werde ihnen auch angeboten, einfach mitzuessen. Zumindest mit Wurst und Steak kann man sie allerdings kaum locken. Drewke ist Pescetarierin. Sie isst kein Fleisch, nur Fisch.


Bildnachweis: © Fabian Strauch/dpa
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