Gekleidet in einen blauen Anzug und mit weißer Corona-Maske nahm R. Kelly das Urteil gegen ihn im vergangenen September mit heruntergebeugtem Kopf und weitgehend bewegungslos auf: Schuldig in allen neun Anklagepunkten - darunter sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung. Immer wieder hatte der frühere Pop-Superstar die Vorwürfe über seine Anwälte zurückweisen lassen, aber die Jury aus sieben Männern und fünf Frauen glaubte ihm nicht. Am Mittwoch (29. Juni) will die Richterin Ann Donnelly nun das Strafmaß gegen den «I Believe I Can Fly»-Sänger verkünden, der vom gefeierten Pop-Superstar zum verurteilten Sexualstraftäter wurde und seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt. «Dieses Urteil brandmarkt R. Kelly für immer als Raubtier, das seinen Ruhm und seinen Reichtum genutzt hat, um junge, verletzliche und stimmlose Menschen für seine eigene sexuelle Befriedigung auszubeuten», hatte die zuständige Staatsanwältin Jacquelyn Kasulis nach der Urteilsverkündung gesagt. Mehr als 25 Jahre Haft fordert die Staatsanwaltschaft nun für den Musiker. Unter anderem angesichts «der Schwere der Vergehen, dem Bedarf für Prävention und Schutz der Bevölkerung vor weiteren Verbrechen des Angeklagten» sei eine solche Strafe angemessen, hieß es. Zusätzlich werde noch eine Geldstrafe zwischen 50.000 und 250.000 Dollar gefordert. Die Anwälte des Musikers fordern dagegen eine deutlich geringere Strafe und haben bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung gehen zu wollen. Das Verfahren ist - nach Fällen wie denen von Filmproduzent Harvey Weinstein und Komiker Bill Cosby - eine weitere viel beachtete juristische Aufarbeitung der MeToo-Ära. Vertreter der MeToo-Bewegung hatten das Urteil gegen Kelly gefeiert. Der Ex-Superstar sei «der Schlimmste» der vielen Sexualstraftäter gewesen, die sie in ihrer Laufbahn verfolgt habe, hatte die Frauenrechtsanwältin Gloria Allred, die mehrere Klägerinnen in dem Verfahren vertrat, gesagt. Er habe seine Berühmtheit dazu benutzt, Minderjährige zu missbrauchen, einzuschüchtern und zu demütigen. Rund sechs Wochen lang hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung im vergangenen Jahr die Missbrauchsvorwürfe gegen Kelly aus mehreren Jahrzehnten detailliert ausgebreitet, auseinandergenommen und ihre Argumente dargelegt. Dutzende Zeugen hatten sich zu Wort gemeldet und Hunderte Beweisstücke waren gesichtet worden. Kelly hatte nicht selbst ausgesagt, den Prozess aber im Gerichtssaal verfolgt. Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago als Robert Sylvester Kelly geborenen Musiker waren bereits vor rund 25 Jahren bekannt geworden. 2008 stand er wegen des Besitzes von Bildern schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht - und wurde freigesprochen. Der Musik-Koloss schien unangreifbar auf seinem Pop-Thron - mit mehr als 50 Millionen verkauften Alben, mehreren Grammys und anderen Auszeichnungen gehörte er zu den erfolgreichsten Musikern des späten 20. Jahrhunderts. Aber spätestens als 2019 die aufsehenerregende Dokumentation «Surviving R. Kelly» die Anschuldigungen zusammenfasste, wurde es um den Sänger immer einsamer. Stars distanzierten sich von ihm, zudem Radiosender, Streaming-Dienste und dann auch sein Musiklabel RCA, das zu Sony Music gehört. Nach der Strafmaßverkündung in New York drohen Kelly noch weitere juristische Auseinandersetzungen: Auch in den US-Bundesstaaten Illinois und Minnesota liegen Anklagen gegen den Musiker vor. Ein Prozess in Chicago soll schon Mitte August beginnen. Staatsanwaltschaft fordert 25 Jahre Haft
Dokumentation «Surviving R. Kelly»
Bildnachweis: © Antonio Perez/Pool Chicago Tribune/AP/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Strafmaßverkündung im Prozess gegen Sänger R. Kelly
Schuldig in allen Anklagepunkten: Das hatte eine Jury im vergangenen Jahr im Missbrauchsprozess gegen R. Kelly entschieden. Jetzt soll das Strafmaß gegen den einstigen Pop-Superstar verkündet werden.
Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App?
Meistgelesene Artikel
- 14. September 2026
Michaeliswoche 2026: Das erwartet euch in Gütersloh
Vom 25. September bis 4. Oktober bietet die Michaeliswoche in Gütersloh Kirmes, Straßenkunst und ein Familienprogramm.
- 24. September 2026
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.
- 21. September 2026
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.
Neueste Artikel
- 12. Oktober 2026
Frauen fühlen sich in Männerteams bei Fehlern unsicherer
Ein Fehler in der Präsentation, eine übersehene Frist, eine falsche Zahl in einer Kalkulation: Solche Pannen gehören zum Arbeitsalltag. Im Umfeld von Männern sehen Frauen eigene Fehler sehr negativ.
- 12. Oktober 2026
Was die Klimakrise mit Kindern macht
Hitze, Allergien und Zukunftssorgen belasten Kinder schon heute. Ein Kinderarzt, eine Psychologin und ein Lehrer sprechen über Folgen – von der Medizin bis zum Schulalltag in Schwäbisch Gmünd.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 12. Oktober 2026
Frauen fühlen sich in Männerteams bei Fehlern unsicherer
Ein Fehler in der Präsentation, eine übersehene Frist, eine falsche Zahl in einer Kalkulation: Solche Pannen gehören zum Arbeitsalltag. Im Umfeld von Männern sehen Frauen eigene Fehler sehr negativ.
- 12. Oktober 2026
Was die Klimakrise mit Kindern macht
Hitze, Allergien und Zukunftssorgen belasten Kinder schon heute. Ein Kinderarzt, eine Psychologin und ein Lehrer sprechen über Folgen – von der Medizin bis zum Schulalltag in Schwäbisch Gmünd.






