17. Oktober 2023 / Allgemeines

Schlappe für Bürger im Streit um Tempo-30-Schilder

Anwohner stellen auf ihren Grundstücken Schilder auf, um langsames Fahren auf der Straße anzumahnen. Ein Gericht weist ihre Klagen gegen eine Behörde ab. Geht der Schilderstreit vom Bodensee nun in die nächste Runde?

Christian Kronbitter (l) und Erich Maier vor dem Verwaltungsgericht in Freiburg mit einem «Freiwillig 30»-Schild.
von dpa

Im Streit um Schilder für ein freiwilliges Tempo 30 sind Bodensee-Anwohner zunächst gescheitert: Das Freiburger Verwaltungsgericht wies am Dienstag drei Klagen von Bürgern gegen das zuständige Landratsamt ab. Im Kern geht es um die Frage, ob Anwohnerinnen und Anwohner auf ihren Grundstücken und mit eigenen Schildern an Fahrer appellieren dürfen, die Geschwindigkeit in Ortsdurchfahrten zu drosseln.

Das Landratsamt Konstanz hatte die Schilder zur freiwilligen Geschwindigkeitsbegrenzung als unzulässig eingestuft und mit einem Zwangsgeld gedroht. Die Kläger aus Bodenseegemeinden gingen dagegen rechtlich vor. Sie werden von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unterstützt, die ein Grundsatzurteil erstreiten will

Die DUH teilte nun mit, sie wolle «in weiteren rechtlichen Schritten» eine Klärung erreichen. «Dazu müssen wir zunächst die Urteilsbegründung des Gerichts abwarten», sagte der Bundesgeschäftsführer der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation, Jürgen Resch. Er hatte bereits am Montag am Rande einer mündlichen Gerichtsverhandlung signalisiert, den Streit notfalls in die nächste Instanz bringen zu wollen.

DUH: Tempo 30 innerorts als Regelgeschwindigkeit

Bisher ist es nach Ansicht der DUH ungeklärt, ob Bürger nun mit den Tafeln für ein langsames Fahren werben dürfen. «Daher bleiben die Schilder stehen», hieß es in einer Mitteilung. Zu den Urteilsgründen will sich das Gericht nach eigenen Angaben in den nächsten Wochen äußern - ein Termin wurde nicht genannt.

«Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie den Menschen, die unter hohem Verkehrsaufkommen, Rasern und Verkehrslärm leiden, endlich hilft: Tempo 30 innerorts muss Regelgeschwindigkeit sein», erklärte Resch. Mit der angekündigten Reform des Straßenverkehrsgesetzes biete sich dazu eine Gelegenheit. Mit der Gesetzesnovelle soll es nach ergänzenden Angaben für Kommunen einfacher werden, Tempo-30-Zonen, Radwege und Busspuren einzurichten.

Bei der mündlichen Verhandlung waren die unterschiedlichen Standpunkte zu den Schildern für ein freiwilliges Tempo 30 aufeinandergeprallt. Bereits während der Sitzung war deutlich geworden, dass die Feststellungsklagen der Bürger möglicherweise unzulässig sind. Die Kläger könnten innerhalb eines Monats beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim beantragen, eine Berufung zuzulassen, teilte das Gericht mit.

Auf den strittigen Tafeln sind das Wort «Freiwillig», ein nachempfundenes Tempo-30-Zeichen und Silhouetten laufender Kinder zu sehen. Nach Ansicht der DUH sind die auf der Bodenseehalbinsel Höri aufgestellten Schilder eindeutig von amtlichen Verkehrszeichen zu unterscheiden. In den Kommunen gelte die übliche Begrenzung von 50 Stundenkilometern.

Wie das Gericht mitteilte, rief der örtliche Grünen-Verband im Herbst 2021 zu einer «Privatinitiative für Klimaschutz, mehr Verkehrssicherheit und weniger Lärm» auf. Die Schilder seien in diesem Zuge beschafft und dann verteilt worden.


Bildnachweis: © Silas Stein/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Osterfeuer nur mit Tradition
Stadt Gütersloh

Umschichten vor dem Entzünden ist Pflicht.

weiterlesen...
Rheda-Wiedenbrück: B61 – Restarbeiten ab 13. April, Tempo 50 und Einspurbetrieb bis Freitag
Baustellen und Sperrungen

Straßen.NRW führt ab Montag letzte Bankett- und Markierungsarbeiten auf der B61 durch

weiterlesen...
Streik: Stadtbusse bleiben drei Tage stehen
Stadt Gütersloh

Von Donnerstag, 19. März, bis Sonntag, 22. März, um 4 Uhr.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Halbe Milliarde Maikäfer bei Massenflug erwartet
Allgemeines

Die Maikäfer im Hessischen Ried stehen in den Startlöchern für ein besonders Spektakel. Warum der Massenflug der Käfer auch Autofahrer betrifft.

weiterlesen...
KI-Ära: Wie unmenschlich sind Dating-Apps?
Allgemeines

Tinder und Grindr haben das Dating revolutioniert. Doch die geradezu klischeehafte Präsenz in der Popkultur und vor allem nervige Werbung, Bots und KI werfen Fragen zur Zukunft der Plattformen auf.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Halbe Milliarde Maikäfer bei Massenflug erwartet
Allgemeines

Die Maikäfer im Hessischen Ried stehen in den Startlöchern für ein besonders Spektakel. Warum der Massenflug der Käfer auch Autofahrer betrifft.

weiterlesen...
KI-Ära: Wie unmenschlich sind Dating-Apps?
Allgemeines

Tinder und Grindr haben das Dating revolutioniert. Doch die geradezu klischeehafte Präsenz in der Popkultur und vor allem nervige Werbung, Bots und KI werfen Fragen zur Zukunft der Plattformen auf.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner