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Treffen im globalen Dorf

Güterslohs Partnerstadt Châteauroux feiert 30 Jahre Verbindung mit Bittou in Burkina Faso und begründet eine neue Partnerschaft mit Jinhua/China

Gütersloh (gpr). Städtepartnerschaften mit größtmöglicher Bandbreite: 30 Jahre Verbindung mit Bittou in Burkina Faso, Westafrika, und die Neugründung einer „Jumelage“ mit der chinesischen Stadt Jinhua standen vergangene Woche auf dem Programm in Güterslohs französischer Partnerstadt Châteauroux. Mit Delegationen aus Gütersloh und der polnischen Partnerstadt Olsztyn ergab sich hier ein global-lokaler Dialog, der einen Einblick gibt in das, was Städtepartnerschaften leisten können.

Mit Bittou verbindet Châteauroux ebenso die Kolonialgeschichte auf der einen wie 30 Jahre Unterstützung und Hilfetätigkeit auf der anderen Seite. Châteauroux war vor 30 Jahren die erste Stadt in Frankreich, die eine Städtepartnerschaft mit einer afrikanischen Stadt aus einem Land der Kolonialvergangenheit schloss. Seither hat es – unterstützt von einem sehr aktiven lokalen „Comité de Jumelage“ - zahlreiche Projekte gegeben, die vor allem der Bildung und Infrastruktur der Stadt zu Gute kamen. Das große Thema „Wasserversorgung“ findet sich hier ebenso in der Bilanz wie die Finanzierung von Projekten zur Gleichstellung von Mann und Frau oder Hilfen bei der Organisation der Kommunalverwaltung. All dies geschieht in einem Land, in dem Krieg und Terror den Alltag bestimmen. Nicht zuletzt aus diesem Grund findet der Besuch Angela Merkels Anfang Mai in Burkina Faso und ihre Zusage, gemeinsam mit französischen Streitkräften die Sicherheit im Land zu unterstützen, Anerkennung in der Rede von Châteauroux‘ Bürgermeister Gil Avérous zum Festakt.

Auch Bürgermeister Henning Schulz hat als Geschenk zum Jubiläum eine finanzielle Unterstützungsleistung mitgebracht, die für ein Gesundheitsprojekt und der Förderung von Schulen eingesetzt werden soll. Er erinnert in seiner Rede an die Wurzeln der deutsch-französischen Städtepartnerschaft, dem „Nie wieder“ nach dem Zweiten Weltkrieg und beschreibt den globalen Radius, der allein mit den Städtepartnerschaften aus Gütersloh und Châteauroux gezeichnet ist: Deutschland, Frankreich, Polen, Russland, Burkina Faso, USA (Städtepartnerschaft von Châteauroux mit Fresno), Schweden, Großbritannien – und jetzt China. Schulz: „Städtepartnerschaften bewegen uns immer wieder Neues zu entdecken, neugierig und offen gegenüber Lebensweisen und dem Alltag anderer Länder zu sein.“

Erste praktische Erfahrungsmöglichkeiten lieferte eine 31-köpfige Delegation aus Jinhua. Die 5,5 Millionen-Einwohner-Stadt südlich von Shanghai ist Industriezentrum und Wachstumsstandort, wovon nun die „kleine“ Metropole im Herzen Frankreichs (55000 Einwohner) profitieren möchte. Seit zehn Jahren knüpft man in Châteauroux Beziehungen zu China, 100 StudentInnen der Universität Peking absolvieren hier bereits ein Studium. Besonders der 1. stellvertretende Bürgermeister Jean-Yves Hugon, in Gütersloh bekannt als einer der Partnerschaftsförderer der ersten Stunden, hat hier – nicht nur mit in Rekordzeit erworbenen chinesischen Sprachkenntnissen – viel Vorarbeit geleistet. Diese Partnerschaft ist von ihrer Grundlage auf Wirtschafts- und Hochschul-Austausch ausgerichtet, Jinhua will investieren, Châteauroux ist eine Stadt im Wandel in der ökonomischen Ausrichtung. Und doch soll es dabei allein nicht bleiben: Grenzen und Barrieren überwinden, Kulturen kennenlernen und respektieren, voneinander lernen und den Kontakt über politische Differenzen hinaus pflegen ist erklärtes Ziel aller Partnerschaften. Gil Avérous sagt es mit den Worten des französischen Poeten Paul Valéry: „Vereinigen wir unsere besten Seiten und bereichern wir einander durch unsere Andersartigkeiten.“

 

Bilder:

Gastgeschenk 1: Der „Gütersloher Urmeter“ – Fachwerkidyll des historischen Stadtkerns – kam gut an bei den Delegationen aus Bittou und Jinhua. Hier übergibt ihn Bürgermeister Henning Schulz an seinen Amtskollegen Lassané Zampalingré aus bittou, flankiert von Alain Dubost (Vorsitzender des Comité de Jumelage für Bittou) und stellvertretendem Bürgermeister Jean-Yves Hugon (v.r.).

Gastgeschenk 2: Der Urmeter ist schon längst in Châteauroux angekommen. Das Motiv aus der gemeinsamen Fotoausstellung von Detlef Güthenke (Gütersloh) und Sophie Pamart (Châteauroux) zum Jubiläum vor zwei Jahren ist ein schönes Beispiel für gemeinsame Projekte, überreicht an Gil Avérous.

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