15. November 2023 / Allgemeines

UN-Experten warnen vor Sandstürmen: «Unterschätztes Problem»

Sandstürme sind aus europäischer Perspektive weit weg. Das Phänomen hat aber globale Auswirkungen. Ein UN-Experte sagt: Das Problem kann durch Menschen verstärkt, aber auch bekämpft werden.

Sandstürme werden UN-Experten zufolge als Katastrophenrisiko unterschätzt.
Veröffentlicht am 15. November 2023 um 06:58 Uhr von dpa

UN-Experten haben vor den Gefahren durch Sand- und Staubstürme gewarnt. Diese seien ein unterschätztes Problem, das in Teilen der Welt mittlerweile dramatisch häufiger auftrete, teilte die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) mit Sitz in Bonn am Mittwoch mit. Ein gewichtiger Teil des Problems sei auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen, es brauche globale und regionale politische Antworten.

Sandstürme verursachten in Nord- und Zentralasien bis nach Afrika verheerende Schäden, hieß es. In den betroffenen Gebieten würde Boden abgetragen, es gebe Ernteausfälle. Neben den so verursachten wirtschaftlichen Folgen kann es laut den UNCCD-Experten auch gesundheitliche Probleme etwa durch Atemwegserkrankungen geben. Zwar gebe es begrenzte Vorteile - die Sandstürme beförderten auch Bodennährstoffe, von denen andere Gebiete profitierten - diese wögen die Schäden aber bei weitem nicht auf.

Die Auswirkungen des Phänomens gehen laut UNCCD außerdem weit über die Ursprungsregionen hinaus: Weltweit gelangten Schätzungen zufolge jährlich zwei Milliarden Tonnen Sand und Staub in die Atmosphäre. Eine Hauptquelle liegt mit dem Aralsee in Zentralasien: Mehr als 100 Millionen Tonnen Staub und giftige Salze würden dort pro Jahr aufgewirbelt. Die UNCCD tagt noch bis Freitag im usbekischen Samarkand.

Langfristige Auswirkungen nur begrenzt dokumentiert

Dass das Phänomen in Teilen der Welt als Katastrophenrisiko unterschätzt wird, liegt laut UNCCD-Experten wahrscheinlich daran, dass es in vielen Fällen nicht zu unmittelbaren Todesfällen kommt. Die langfristigen gesundheitlichen, aber auch wirtschaftlichen und weiteren Auswirkungen seien wiederum nur begrenzt dokumentiert. Das Problem wird laut UNCCD-Experten durch falsche Land- und Wassernutzung, Dürren und Klimawandel verschärft.

«Doch so wie Sand- und Staubstürme durch menschliche Aktivitäten verstärkt werden, können sie durch menschliches Handeln auch reduziert werden», wird UNCCD-Exekutivsekretär Ibrahim Thiaw in einer Mitteilung zitiert. Konkret soll sinnvolle Nutzung von Boden und Wasser für mehr Vegetation sorgen und Böden schützen. Außerdem brauche es ein Monitoring- und Frühwarnsystem.


Bildnachweis: © Nabil Al-Jurani/AP/dpa
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