27. März 2025 / Allgemeines

U-Boot im Roten Meer verunglückt: Sechs Urlauber tot

Vor nur rund vier Monaten hatte es ein ähnliches Unglück gegeben, bei dem auch Deutsche unter den Opfern waren. Jetzt sinkt wieder ein Urlauber-Boot mit mehr als 40 Menschen an Bord vor Ägypten.

Vor dem Urlaubsort Hurghada ist ein Urlauber-Boot gesunken. (Archivbild)
von Nehal ElSherif, Ulf Mauder und Nick Kaiser, dpa

Ein Ausflug zu einem Korallenriff ist für mindestens sechs Urlauber in Ägypten tödlich ausgegangen. Ein U-Boot, das Touristen im Roten Meer die Unterwasserwelt zeigte, sank am Vormittag vor der Resort-Stadt Hurghada. Mindestens 29 Überlebende seien gerettet worden, sagten Rettungskräfte vor Ort der Deutschen Presse-Agentur. Demnach gab es auch neun Verletzte.

An Bord waren den Einsatzkräften zufolge 44 Passagiere. Nach Angaben des russischen Generalkonsuls in Hurghada, Viktor Woropajew, waren sie alle russische Touristen. Er bestätigte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass fünf Todesfälle, darunter zwei Minderjährige. Von den ägyptischen Behörden gab es vorerst keine Angaben zur Nationalität der Betroffenen.

Bericht: Panik ausgebrochen

Auch die Unglücksursache ist bislang unklar. Russische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen von einer Kollision des Bootes mit einem etwa 25 Meter tiefen Korallenriff. Nach einem Bericht des russischen Telegramkanals Shot brach daraufhin an Bord Panik aus, weil Wasser in den Innenraum des U-Boots gedrungen sei und dieses zu sinken begonnen habe. Es sei zu Rangeleien gekommen, weil Eltern versucht hätten, ihre Kinder zu retten.

Wegen des hohen Wasserdrucks hätten die Menschen die Orientierung verloren. Zu Hilfe kam demnach ein anderes Touristenschiff. Urlauber hätten Menschen in Seenot aus dem Wasser gezogen, schilderte Shot. Nach ägyptischen Medienberichten waren 21 Krankenwagen an den Rettungseinsätzen beteiligt.

Zweites Unglück binnen rund vier Monaten

Erst im vergangenen November war ebenfalls im Roten Meer vor Ägypten ein Urlauber-Boot mit mehr als 40 Menschen an Bord gesunken. Sechs Tote wurden geborgen, fünf Menschen galten als vermisst - darunter auch zwei Deutsche. Es handelte sich damals um die Motorjacht «Sea Story», die Touristen zu Tauchplätzen im Roten Meer brachte.

U-Bootfahrten für Touristen unterliegen meist hohen Sicherheitsauflagen. Doch das hilft nicht immer. So war das Tauchboot «Titan», das 2023 bei einer Tour zum Wrack der «Titanic» im Nordatlantik auseinanderbrach, von keiner Behörde oder Einrichtung überprüft, zertifiziert oder offiziell zugelassen worden. Bei dem Unglück, das weltweit Schlagzeilen machte, starben alle fünf Menschen an Bord.

Der Veranstalter der nun betroffenen Touren in Ägypten besitzt nach eigenen Angaben zwei von weltweit 14 U-Booten, die für touristische Zwecke genutzt werden. Urlauber können damit demnach 25 Meter tief in die Unterwasserwelt vor Hurghada tauchen und durch die Bullaugen Korallen und andere Meeresbewohner beobachten. Die U-Boote bieten nach Angaben des Veranstalters Platz für 44 Passagiere und die Crew. Gebaut worden seien die Boote in Finnland. Sie seien so konstruiert, dass sie einem Unterwasserdruck bis zu einer Tiefe von 75 Metern standhalten könnten.

Hurghada bei russischen wie deutschen Urlaubern beliebt

Ägyptens Rote-Meer-Küste und insbesondere Hurghada ist bei Urlaubern aus aller Welt beliebt, insbesondere auch bei Deutschen. Beim Reiseveranstalter Tui ist Ägypten das drittbeliebteste Reiseziel in den Osterferien. 13 Prozent der Urlauberinnen und Urlauber verbringen ihre Ferien dort, wie das Unternehmen vergangenen Freitag mitteilte.

Auch für Russen gehört Ägypten zu den wichtigsten Urlaubszielen - seit den im Zuge des Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine eingeführten Reisebeschränkungen in der EU. Hurghada ist von verschiedenen Städten Russlands mit Direktflügen erreichbar. Ausflüge mit Tauchbooten zu den Korallenriffen im Roten Meer, wo Schwärme verschiedener Fische zu beobachten sind, gehören zu den beliebtesten Beschäftigungen. Viele Hotels werben bei ihren Gästen mit einem unvergesslichen Erlebnis.

Zu den großen Schiffsunglücken in Europa mit Touristen an Bord gehörte 2012 der Unfall des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia», dessen Kapitän zu nah an der italienischen Küste gefahren war und einen Felsen rammte. 32 Menschen starben. 2019 kostete ein Bootsausflug zur Vulkaninsel White Island vor Neuseeland 22 Menschen das leben. Die Boote hatten abgelegt, obwohl der Vulkan Whakaari verstärkte Aktivität zeigte. Kurze Zeit später brach er aus, die Menschen starben unter anderem durch den heißen Ascheregen.


Bildnachweis: © Marcel Lauck/dpa
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