Die durchschnittliche globale Temperatur lag vorläufigen Daten von US-Wissenschaftlern zufolge nun schon sechs Tage in Folge über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2016. Der bisher heißeste erfasste Tag weltweit war demnach der Donnerstag (6. Juli) mit 17,23 Grad. Auch an den anderen Tagen von Montag bis Samstag lag die durchschnittliche globale Temperatur der Plattform «Climate Reanalyzer» zufolge jeweils über 17 Grad. Der vorherige Tagesrekord der bis 1979 zurückreichenden «Climate Reanalyzer»-Daten der University of Maine lag bei 16,92 Grad am 13. und 14. August 2016, im Juli 2022 war der Wert erneut erreicht worden. Weitere Rekorde in den nächsten Wochen seien durchaus möglich, erklärte Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Im Jahresverlauf würden typischerweise etwa Ende Juli die höchsten Werte erreicht, da dann die großen Landmassen der nördlichen Hemisphäre besonders aufgeheizt seien. «Bis dahin könnten die Rekorde der letzten Tage noch übertroffen werden.» Einfluss auf die aktuelle Entwicklung haben Experten zufolge anhaltend außergewöhnlich hohe Temperaturen an der Meeresoberfläche des Nordatlantik und anderen Meeresregionen. Das sorge dafür, dass die oberflächennahen Lufttemperaturen über Ozean und Kontinenten um ein erhöhtes Hintergrund-Niveau schwanken, erläuterte Gößling. Das wiederum erhöhe die Wahrscheinlichkeit für neue Temperaturrekorde, sowohl täglich und monatlich als auch jährlich. «Solange wir uns auf einem so hohen Hintergrund-Niveau befinden, müssen wir mit neuen Rekorden rechnen.» Generell sei wenig überraschend, wenn es immer häufiger immer höhere Temperaturrekorde gebe. «Während die globale Erwärmung zunächst moderat von Jahrzehnt zu Jahrzehnt angestiegen ist, hat die Geschwindigkeit der Änderung allmählich zugenommen», schilderte Gößling. Mit neuen Rekorden sei daher immer häufiger zu rechnen. Erst am Donnerstag hatte der EU-Klimawandeldienst Copernicus gemeldet, dass der Juni der weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1979 war. Im tropischen Pazifik herrschen zudem erstmals seit mehreren Jahren wieder El-Niño-Bedingungen, wie die Weltwetterorganisation (WMO) kürzlich mitgeteilt hatte. Das natürliche Wetterphänomen kann die im Zuge der Klimakrise ohnehin stetig steigenden Temperaturen zusätzlich in die Höhe treiben - das Rekordjahr 2016 zum Beispiel war ein El-Niño-Jahr. «El Niño dürfte bereits jetzt einen deutlichen Anteil an den global gemittelten Temperaturrekorden haben», erklärte Gößling. «Da die Wärme des Ozeans ein längeres Gedächtnis hat und sich El Niño wahrscheinlich weiter ausbilden wird, können wir davon ausgehen, dass die zweite Jahreshälfte global gesehen warm bleibt.» Typischerweise würden neue globale Wärmerekorde der jährlichen Oberflächentemperatur erst im zweiten Jahr eines El-Niño-Ereignisses erreicht. «Angesichts der aktuellen Entwicklungen wird es jedoch immer wahrscheinlichlicher, dass der letzte Rekord von 2016 bereits 2023 eingestellt werden könnte - trotz der moderaten Bedingungen am Ende einer längeren La-Niña-Phase zu Beginn des Jahres.» Bei den Auswertungen von «Climate Reanalyzer» handelt es sich um sogenannte Reanalysen. «Reanalysen sind eine Kombination aus Beobachtungsdaten - Satellitendaten, Wetterballons, Wetterstationen und eine Reihe weiterer Messungen - und Wettermodellen», erklärte AWI-Forscher Helge Gößling. Der «Climate Reanalyzer» sei eine von mehreren Reanalyse nutzenden Plattformen wie etwa «ERA5» des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW). Aufgrund von Unterschieden bei der Dateneinspeisung und der verwendeten Modelle könnten die Datensätze lokal und kurzfristig spürbar voneinander abweichen - je größer die betrachteten Gebiete seien, desto kleiner würden die Unterschiede aber typischerweise. «Bei der global gemittelten Temperatur-Anomalie sind Unterschiede meist sehr klein.»Erhöhtes Hintergrund-Niveau
Beobachtungsdaten und Wettermodelle
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US-Plattform: Tagestemperaturen brechen früheren Rekord
Schon zu Wochenbeginn ist der bisherige weltweite Hitzerekord von 2016 übertroffen worden. Auch die Tage danach brachten einer Analyse zufolge extreme Werte. Dabei ist die Rekord-Phase des Jahres noch gar nicht erreicht.
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