Der dramatische Schwund der Artenvielfalt ist nach wissenschaftlichen Studien eine beispiellose Bedrohung für die Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit der Menschen. Deshalb soll in diesem Jahr ein weltweites Rahmenabkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt verabschiedet werden. Am Montag beginnen in Genf unter dem Dach der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) die Schlussverhandlungen über das Abkommen, das noch in diesem Jahr in Kunming in China verabschiedet werden soll. Ein weitreichendes Abkommen sei auch nötig, um die Welt vor künftigen Pandemien zu schützen, sagte die Leiterin des CBD-Sekretariats, Elizabeth Maruma Mrema. «Die Menschen rücken immer näher an die Wildtiere heran, die Tierwelt rebelliert dagegen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Die Arten können nicht warten - entweder wir machen voran oder wir bereiten uns auf eine neue Pandemie vor.» Die Biodiversität umfasst neben der Artenvielfalt auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und eine Vielfalt der Lebensräume. Nach Angaben von Mrema sind im Jahr 700 Milliarden Dollar (gut 640 Mrd Euro) für Schutzmaßnahmen nötig. Wenn die rund 500 Milliarden Dollar, die nach ihren Angaben heute in für die Artenvielfalt schädliche Subventionen fließen, umgewidmet würden, sei schon viel erreicht. «In Kunming müssen dieses Jahr die Weichen für die Zukunft der Menschheit gestellt werden», sagte Ralf Sonntag von der deutschen Umweltorganisation World Future Council der dpa. «30 Prozent der Meere und 30 Prozent der Landflächen bis 2030 unter effektiven Schutz zu stellen ist die einzige Möglichkeit, den Artenverlust zumindest teilweise aufzufangen. Das Ergebnis ist für das künftige Leben auf der Erde genauso wichtig wie das Pariser Klimaabkommen.» Umstritten ist etwa, was genau «effektiver Schutz» bedeuten soll und inwieweit solche Schutzgebiete dennoch kommerziell genutzt werden können. Ohne Natur könne der Mensch nicht überleben, betont der Weltbiodiversitätsrat IPBES. 75 Prozent der Nahrungsmittelpflanzen, einschließlich Obst und Gemüse sowie Nutzpflanzen wie Kaffee, Kakao und Mandeln, sind auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen. Eine Million Tier- und Pflanzenarten - mehr als zwölf Prozent aller Arten - sei vom Aussterben bedroht, teils schon innerhalb weniger Jahrzehnte. Das Artensterben sei heute mindestens zehn- bis hundertmal heftiger als im Durchschnitt in den vergangenen zehn Millionen Jahren. Zwischen 1970 und 2016 sind die Populationen beobachteter Wirbeltierarten nach dem Living Planet Index der Umweltstiftung WWF und anderen Organisationen um 68 Prozent geschrumpft. In Genf verhandeln mehr als 1000 Vertreterinnen und Vertreter der 196 CBD-Vertragsstaaten. Sie hatten sich 2010 in Aichi in Japan schon Ziele gesetzt, um den Verlust der Artenvielfalt bis 2020 zu bekämpfen, davon global aber kein einziges vollumfänglich erreicht. Befürchtung neuer Pandemien
Auf Tiere angewiesen
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Verhandlungen über Rahmenabkommen zur Biodiversität
In der Schweiz werden die Weichen für ein weltweites Rahmenabkommen zur Biodiversität gestellt. Nötig ist rigoroser Naturschutz, aber wie so oft sind vor allem die Finanzen ein Knackpunkt.
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