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„Verwirrung“ auf die Bühne gebracht

„Verwirrung“ auf die Bühne gebracht

Deutsch ist keine einfache Sprache – umso bemerkenswerter, wenn Menschen, die noch nicht lange in Deutschland leben, mit dieser Sprache spielen können. Vor vollem Haus, auf der Studiobühne des Theater Gütersloh taten die Mitglieder eines Integrationskurses der Volkshochschule Gütersloh kürzlich genau dies.

„Ich kenne eine gute deutsche Landgaststätte. Dort gibt es eine leckere Schweinshaxe“ – bei diesem Satz muss das Publikum lachen. Es ist schließlich schon eine eher ungewöhnliche Situation: Menschen, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben, sprechen auf der Bühne einen Satz, der „typisch deutsch“ ist. „Wir wollen ein wenig mit der Sprache spielen. Mit Sätzen und Wörtern, die eben „typisch deutsch“ sind“, erklärt Tim Brüning, Lehrer des Integrationskurses. Tohuwabohu, Kuddelmuddel, Verwirrung, Fassungslosigkeit, all diese schwierigen Wörter werden von den internationalen Akteuren auf der Bühne in ihre Szene „Verwirrung“ eingebaut. Die Sprachschüler haben die Szene selber, in Zusammenarbeit mit der Theaterpädagogin Claudia Bieber, die das Pilotprojekt gemeinsam mit Brüning leitet, erarbeitet. So entstand ein fröhliches Zusammenspiel aus komplexen deutschen Wörtern, als auch Passagen in den jeweiligen Muttersprachen. Mutig und mit viel Selbstvertrauen untermalten die Akteure zudem die Sprachpassagen mit den passenden Emotionen: Freude, Ablehnung, Verwirrung,– je nach Sprachkontext.

 „Wir sagen damit: Ich kann das. Auch wenn die Aussprache noch nicht ganz perfekt ist, wir trauen uns“, unterstreicht Brüning. Aber die Bühne eignet sich nicht nur um vor Publikum besonders mutig und laut die neu erlernten Wörter zu sprechen. „Zur Sprache gehören ja auch Gefühle und Körpersprache. Es ist schön, wenn jemand Vokabeln und Grammatik beherrscht, aber noch besser, wenn er oder sie im Gespräch diese Worte auch mit Stimmung füllt“, so Brüning weiter. „Da bietet sich das Schauspiel als Werkzeug um Gefühle mit den Wörtern zu verbinden einfach an“.

 Das Integrationstheater, das auf Initiative von VHS-Leiterin Dr. Birgit Osterwald  in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Gütersloh und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entstanden ist, ist ein absolutes Novum. „Ich war anfangs schon ein wenig skeptisch“, gesteht auch Brüning, „aber als wir dann mit Frau Bieber losgelegt haben das Stück zu erarbeiten und zu proben hat sich ganz schnell gezeigt:  Das ist eine gute Idee, an der alle Spaß haben und lebensnah Deutsch lernen“.

Bild: Was willst du sagen? Auf der Bühne spielen die Mitglieder des VHS-Integrationskurses auch auf Verständnisprobleme im Alltag an.

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