17. Juni 2026 / Allgemeines

Warnstreik gegen Rundfunkgebühren-Aus in Tschechien geplant

Kritiker fürchten um die Unabhängigkeit der Medien: Die Regierung will die Finanzierung der Sender komplett umstellen und die Mittel kürzen. Präsident Petr Pavel sieht die Pläne skeptisch.

Die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalten sollen künftig direkt aus dem staatlichen Haushalt finanziert werden. Kritiker sehen darin einen «Frontalangriff» auf deren Unabhä...
von dpa

Gegen die geplante Abschaffung der Rundfunkgebühren und die damit verbundenen Kürzungen regt sich in Tschechien Protest. Vertreter der Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender kündigten in Prag für den kommenden Montag einen eintägigen Warnstreik an. Es bleibe keine andere Möglichkeit, da die Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babis alle Aufforderungen zu einer sachlichen Diskussion ignoriert habe, hieß es. Wie sich der Warnstreik auf das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender auswirken wird, war zunächst noch unklar.

Kritiker sprechen von «Frontalangriff»

Das rechte Kabinett hatte am Montag einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die Abschaffung der bisherigen Rundfunkgebühren vorsieht. Das Parlament muss noch zustimmen. Die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalten sollen künftig direkt aus dem staatlichen Haushalt finanziert werden. Kritiker sehen darin einen «Frontalangriff» auf deren Unabhängigkeit von politischer Beeinflussung. Verbunden ist die Änderung mit erheblichen Mittelkürzungen. Radio und Fernsehen sollen im kommenden Jahr rund 15 Prozent weniger Geld erhalten als bisher geplant, wie Kulturminister Oto Klempir ankündigte. In Tschechien regiert eine Koalition aus der rechtspopulistischen ANO des Milliardärs Andrej Babis und zwei Kleinparteien am rechten Rand des politischen Spektrums.

Präsident hält Pläne für wenig glücklich

Tschechiens liberaler Präsident Petr Pavel äußerte sich kritisch zu den Plänen. Er könne am bisherigen System der Rundfunkgebühren nichts erkennen, was nicht funktionieren würde und geändert werden müsse. Das Vorgehen der Regierung nannte er wenig glücklich. «Man kann die Ausgaben nicht innerhalb eines so kurzen Zeitraums um 10, 20 oder vielleicht sogar mehr Prozent kürzen», bemängelte Pavel. Sollte das Parlament der Gesetzesänderung zustimmen, könnte der Präsident ein Veto einlegen, das nur mit der Mehrheit aller Abgeordneten überstimmt werden kann. Derzeit zahlt in Tschechien jeder Haushalt monatlich 55 Kronen (2,28 Euro) für den Rundfunk und 150 Kronen (6,21 Euro) für das Fernsehen.


Bildnachweis: © Michael Heitmann/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

„Ich genieße jeden Tag“
Stadt Gütersloh

Dienstjubilare der Stadt Gütersloh werden im Flussbetthotel geehrt.

weiterlesen...
Strömung reißt drei Menschen in Österreich in den Tod
Allgemeines

Ein Badeausflug endet für Vater, Sohn und einen Bekannten tragisch. Das Trio hat offenbar die tödliche Kraft einer Wasserwalze unterschätzt. Der Rettungsversuch eines Augenzeugen scheiterte.

weiterlesen...
Kreis Gütersloh: Nur 9 Prozent der Wohnungen sind wirklich fit fürs Alter
lokalnachrichten kreis gütersloh

Bald gehen 58.800 Menschen im Kreis in Rente. Doch in den meisten Wohnungen lässt sich kaum alt werden, zeigt eine neue Studie.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Ganz NRW gilt als „nicht-frei“ in Bezug auf BTV-8
Kreis Gütersloh

Gütersloh. Ganz Nordrhein-Westfalen gilt ab sofort in Bezug auf das Blauzungenvirus vom Typ 8 (BTV-8) als „nicht...

weiterlesen...
Zweitgrößter Waldbrand Spaniens - Sánchez fordert Klimapakt
Allgemeines

Der Waldbrand nordöstlich von Madrid ist bereits der zweitgrößte der jüngeren Geschichte Spaniens. Die zerstörte Fläche wird von Tag zu Tag größer. Doch die Behörden sind inzwischen optimistisch.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Zweitgrößter Waldbrand Spaniens - Sánchez fordert Klimapakt
Allgemeines

Der Waldbrand nordöstlich von Madrid ist bereits der zweitgrößte der jüngeren Geschichte Spaniens. Die zerstörte Fläche wird von Tag zu Tag größer. Doch die Behörden sind inzwischen optimistisch.

weiterlesen...
Online-Trading-Betrug: Opfer investieren über eine Million
Allgemeines

24 Menschen aus ganz Deutschland sollen Geld in vermeintliche Online-Trading-Plattformen investiert haben. Doch Gewinne wurden nie ausgezahlt. Was die Ermittler einer Frau aus Schweden vorwerfen.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner