27. Februar 2025 / Allgemeines

Straßenkarneval beginnt unter starkem Polizeischutz

Vor den Karnevalstagen haben Islamisten Drohungen verbreitet. Davon lassen sich viele Narren aus dem In- und Ausland nicht abschrecken - aber vielleicht gibt es doch einen Effekt.

Mit der Weiberfastnacht hat am Donnerstag der Straßenkarneval begonnen.
von Petra Albers, Jonas-Erik Schmidt und Christoph Driessen, dpa

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat der Straßenkarneval begonnen. An Weiberfastnacht oder Altweiber stürmten vielerorts Frauen die Rathäuser und übernahmen symbolisch das Regiment. Vor allem in Köln zog der Karnevalsauftakt wieder viele Zehntausende Feiernde von auswärts an. Angeheiterte Einhörner schunkelten mit fröhlichen Piraten. Besondere Vorkommnisse gab es bis zum Nachmittag nicht. Es sei «sehr ruhig», sagte ein Düsseldorfer Polizeisprecher. Ähnlich war die Lage in Köln.

Nach Angaben der Stadt Köln war insgesamt «erkennbar weniger los als in den Vorjahren». Ob das an den Anschlagsdrohungen liege, die im Internet kursierten, oder vielleicht auch daran, dass viele nach der langen Session bis in den März hinein in diesem Jahr schon genug gefeiert hätten, sei reine Spekulation, sagte ein Sprecher. Unter Session wird traditionell die Zeit vom 11.11. bis zum Aschermittwoch verstanden.

Karnevalisten wollen sich nicht einschüchtern lassen

Polizisten und Streifenwagen waren in der Kölner Innenstadt überall präsent, ebenso wie Autosperren. In sozialen Netzwerken hatten Islamisten zu Anschlägen im Kölner Karneval aufgerufen. Das Bundeskriminalamt (BKA) stufte dies jedoch als «Propagandaveröffentlichungen» ein. Der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns sagte der Deutschen Presse-Agentur, solche Posts dienten der Verunsicherung der Bevölkerung. Die Polizei tue alles Menschenmögliche, um die Feiernden zu schützen. 

Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) sagte der dpa, in NRW seien 9.900 Polizisten im Einsatz, 2.500 Beamte mehr als an einem regulären Donnerstag. «Wir dürfen uns von diesen Typen unsere Art zu leben nicht kaputt machen lassen», sagte Reul. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) bekräftigte: «Es wird niemandem gelingen, uns Kölnerinnen und Kölner einzuschüchtern. Wir lassen uns unser Lebensgefühl nicht von Terroristen oder Islamisten nehmen.»

Ein paar Leute sind aus Angst vor Anschlägen zu Hause geblieben

Mitglieder einer Frankfurter Busreisegruppe, die zum Kölner Karneval gefahren sind, erzählten, dass einige aus der Gruppe aus Angst vor Anschlägen abgesagt hätten. Sie habe sich jedoch anders entschieden, sagte Petra, gehüllt in ein funkelndes Kostüm: «Wir haben festgestellt, wenn wir jetzt kneifen, können wir nirgendwo mehr hingehen.»

Ebenso äußerten sich die Niederländer Richard und Anouk, kostümiert als Höhlenmenschen: «Wir dürfen nicht in Angst leben, sondern müssen die Freiheit feiern», sagte Richard. «Und ein bisschen aufeinander aufpassen», ergänzte Anouk.

In Mainz wurde pünktlich um 11.11 Uhr rund um den Fastnachtsbrunnen die heiße Phase der Straßenfastnacht eingeläutet. In Düsseldorf strömten bei milden Temperaturen und zeitweisem Sonnenschein Zehntausende in die Altstadt, wo die «Möhnen» - ältere Frauen - das Rathaus stürmten. «Das ist unser Tag», rief die Venetia, wie die Karnevalsprinzessin in Düsseldorf heißt, vom Rathausbalkon. In der NRW-Landeshauptstadt wird in diesem Jahr «200 Jahre Düsseldorfer Carneval» gefeiert.

Der Karneval kann die Wagenburgmentalität aufbrechen

Gerade in den jetzigen Zeiten sei der Karneval ungeheuer wichtig, sagte der Psychologe Stephan Grünewald dem «Kölner Stadt-Anzeiger». «Die Menschen merken, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet und die Spaltung immer größer wird», sagte der Buchautor und Leiter des Rheingold-Instituts. «Das ist natürlich Gift für die Demokratie.» Der Karneval könne diese Wagenburgmentalität aufbrechen. «Diese ungeheure verbindende Kraft in Zeiten, wo alles auseinanderfliegt, ist wohltuend.»

25 mutmaßliche Körperverletzungen in Köln

In der Bilanz der Kölner Polizei vom Abend hieß es, bis 20 Uhr seien 14 Menschen in Gewahrsam gekommen, unter anderem, um Auseinandersetzungen zu verhindern. In 25 Fällen werde nach Körperverletzungen ermittelt und in zwei Fällen wegen der Vergewaltigung von zwei jungen Frauen - in einem Lokal im Zülpicher Viertel sowie in einer mobilen Toilette im Bereich der Uniwiesen.


Bildnachweis: © Rolf Vennenbernd/dpa
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