1. Juni 2021 / Allgemeines

Weniger Arztbesuche wegen Schmerzen während der Pandemie

Mehr als jeder vierte Erwachsene hat Experten zufolge chronische Schmerzen. Zum Arzt gingen viele aber trotzdem nicht. Der Aktionstag gegen den Schmerz rückt das Thema in den Fokus.

Bei Schmerzen zum Arzt? Im vergangenen Jahr galt das nur bedingt.
von dpa

Während der Corona-Pandemie sind im vergangenen Jahr weniger Menschen wegen Schmerzen zum Arzt gegangen. Dies gehe aus mehreren Umfragen hervor, wie der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Winfried Meißner, zum Aktionstag gegen den Schmerz sagte.

Dies liege zum einen an einer Zurückhaltung aus Angst vor einer Ansteckung. Zum anderen sei dies in den Einschränkungen der medizinischen Versorgung begründet, so der Leiter der Sektion Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena.

Wie Patienten mit den Schmerzen im Einzelnen umgingen, wisse man nicht genau. «Manche haben sicher die Zähne zusammengebissen.» Auch eine zunehmende Einnahme von Schmerzmitteln hält der Mediziner für möglich. Zur Frage, in welchem Umfang das der Fall war, habe man allerdings keine Daten. Grundsätzlich sei Selbsthilfe aber gut und sinnvoll, sagte Meißner. Selbsthilfevereine könnten für Menschen mit chronischen Schmerzen etwa eine gute Anlaufstelle sein.

Mittlerweile seien durch eine gewisse Entlastung der medizinischen Versorgung wieder mehr Behandlungen von Schmerzpatienten möglich. Mit Fortschreiten der Impfkampagne rechnet Meißner mit einer weiteren Entspannung.

Sorgen bereiten dem Experten für Schmerztherapie mögliche Covid-19-Langzeitfolgen. Man sehe bereits, dass viele Covid-Erkrankte über längere Zeit an Kopf- und Muskelschmerzen litten. «Noch fehlen uns hierzu verlässliche Zahlen», sagte Meißner. Der Großteil der chronischen Schmerzen bei Menschen in Deutschland entfällt demnach weiterhin auf den Bewegungsapparat, vor allem den Rücken und die Gelenke.

Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft hat mehr als jeder vierte Erwachsene in Deutschland chronische Schmerzen. Dies verursacht demnach jährliche Kosten von schätzungsweise 38 Milliarden Euro. Wenn man bei akuten Schmerzen frühzeitig geeignete Maßnahmen treffe, könnten chronische Schmerzen in vielen Fällen verhindert werden, so Meißner.

Das Gesundheitssystem sei durch die sektorale Gliederung bislang nicht ausgelegt, auf diesen Umstand effektiv zu reagieren. So könnten etwa bessere Schmerztherapien nach Operationen die Zahl der Komplikationen verringern. Doch dafür gebe es keine Anreize, sagte Meißner. Dies könne nur politisch gelöst werden. Die Deutsche Schmerzgesellschaft appellierte deshalb an die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, bei der Krankenhausplanung sogenannte Schmerzbetten zur Behandlung von Schmerzpatienten explizit auszuweisen. Zudem forderten die Experten, Weiterbildungsstellen in spezieller Schmerztherapie zu finanzieren.


Bildnachweis: © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Sieben Kinder, viele Talente und bald noch mehr Trubel
Stadt Gütersloh

Familie Baturin aus Friedrichsdorf ist im Rathaus empfangen worden – Anlass war die Ehrenpatenschaft des...

weiterlesen...
Studie: Leben und Arbeiten im Kreis Gütersloh
Stadt Gütersloh

Migration und Integration von Menschen aus Mittel- und Südosteuropa.

weiterlesen...
25. Langenachtderkunst mit großer Eröffnungsshow
Stadt Gütersloh

200 Tänzerinnen und Tänzer stimmen auf den Abend ein.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Beben auf Philippinen: Zahl der Toten und Verletzten steigt
Allgemeines

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben auf den Philippinen wird das Ausmaß der Katastrophe deutlicher. Dutzende Menschen sind tot, Hunderte verletzt - und viele stehen unter Schock.

weiterlesen...
Weniger Auswanderer in WM-Gastgeberländer Kanada und USA
Allgemeines

Die USA und Kanada verlieren bei deutschen Auswanderern an Attraktivität. Das meldet das Statistische Bundesamt anlässlich der WM. Doch das dritte WM-Gastgeberland ist beliebter geworden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Beben auf Philippinen: Zahl der Toten und Verletzten steigt
Allgemeines

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben auf den Philippinen wird das Ausmaß der Katastrophe deutlicher. Dutzende Menschen sind tot, Hunderte verletzt - und viele stehen unter Schock.

weiterlesen...
Weniger Auswanderer in WM-Gastgeberländer Kanada und USA
Allgemeines

Die USA und Kanada verlieren bei deutschen Auswanderern an Attraktivität. Das meldet das Statistische Bundesamt anlässlich der WM. Doch das dritte WM-Gastgeberland ist beliebter geworden.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner