21. Februar 2026 / Allgemeines

Winterblues? Wie sich das Wetter auf die Psyche auswirkt

Schlecht drauf, antriebslos und ständig müde? Warum der Winterblues gerade jetzt zuschlägt und was Schlafforscher über unsere Bedürfnisse wissen.

Nach Wochen mit Matsch und Kälte haben viele genug vom Winter.
Veröffentlicht am 21. Februar 2026 um 06:00 Uhr von dpa

War um den Jahreswechsel die Euphorie über jede Schneeflocke noch groß, ist die Stimmung bei vielen mittlerweile umgeschlagen. Nach vielen Wochen mit Glätte, Matsch und Kälte dominiert im Wetter-Smalltalk der Tenor: Es reicht jetzt auch mit dem Winter! Manche liegen mit Erkältung oder Grippe flach, aber auch eigentlich Gesunde fühlen sich ausgelaugt, energie- oder motivationslos. Woher kommt der Winterblues um diese Zeit?

«Nach einigen Monaten mit besonders wenig Tageslicht sind unsere Reserven oft schlichtweg erschöpft», erklärt Dietmar Winkler von der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Gerade in diesem Jahr, in dem der Winter oft anhaltend kalt war und wenig Sonnenstunden hatte, könnten dafür anfällige Menschen häufiger Symptome spüren. Hinzu kommt die «Erwartungsenttäuschung»: «Wir sehnen uns mental bereits nach dem Frühling, doch die Realität vor dem Fenster bleibt grau und kalt. Das zehrt zusätzlich an der Widerstandskraft.»

Der Schlafforscher und Chronomediziner Dieter Kunz von der Berliner Charité betont: «Der Mensch legt eine Art Mini-Winterschlaf ein. Im Herbst gehen wir in einen Energiesparmodus.» Der typische Winterblues zeige sich oft erst gegen Ende des Winters. Studien hätten gezeigt, dass der Gehirnumsatz des Glückshormons Serotonin im Laufe des Winters auf etwa 20 bis 30 Prozent falle. 

Alltag nimmt keine Rücksicht auf Winterschlaf-Modus

Lange Zeit sei man in der Forschung davon ausgegangen, dass künstliches Licht – weil zu dunkel im Vergleich zum natürlichen Licht – bei Menschen keinen Einfluss auf die innere Uhr und das Energielevel habe. «Das war ein Fehler.» Kunz und sein Team haben im Schlaflabor erwachsene Menschen in Berlin untersucht und herausgefunden, dass diese im Winter mehr als eine Stunde länger schlafen, wenn man sie ausschlafen lässt.

Arbeit, Schule und sonstige Alltagspflichten sind in der Regel allerdings nicht auf unsere saisonalen Schwankungen eingestellt. Da die meisten Wecker im Sommer wie im Winter zur gleichen Zeit klingelten, schliefen viele im Winter eine Stunde zu wenig, sagt Kunz. «Das ist nicht gesund.» Man sei weniger leistungsfähig und fühle sich nicht wohl.

Der Tiefschlaf hänge an der Tageslänge, andere Schlafphasen seien jedoch von der Außentemperatur abhängig, erklärt der Schlafforscher. Übersteige die Außentemperatur den Gefrierpunkt, dauere es noch etwa 14 Tage, bis sich die Schlafdauer und der Traumschlaf wieder verkürzten. Mit einem anstehenden Wetterumschwung in Teilen Deutschlands könnte diese Phase nun also für viele zeitnah anstehen. 

Manche trifft es besonders hart

Neben dem typischen, vielfach bekannten Winterblues gibt es auch schwerere Formen, die als klinisch relevante Depressionen eingestuft werden. Die Forschung spricht dabei von «Seasonal Affective Disorder» (SAD), also jahreszeitlich bedingten Depressionen. Einer in der Fachzeitschrift «Journal of Psychiatric Research» veröffentlichten Überblickstudie zufolge leiden – je nach Region und Messmethode – etwa ein bis zehn Prozent der Menschen unter solchen Problemen, Frauen und Jüngere sind besonders betroffen.


Bildnachweis: © Britta Pedersen/dpa
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