27. März 2018 / Allgemeines

Wo müssen die Schalter umgelegt werden?

Beim Unternehmerfrühstück stand die Zukunft der Stromlieferung im Blickpunkt

Wo müssen die Schalter umgelegt werden?

„Unter Strom“ oder mit „langer Leitung“? Wie sich die zukünftige Entwicklung der Energieversorgung in Deutschland, Europa und weltweit gestaltet, dürfte je nach – politischer – Perspektive unterschiedlich bewertet werden. Tatsache ist: Die Weichen werden jetzt gestellt, oder besser, sie sollten gestellt sein. Wie komplex sich die Thematik darstellt und wie schmal der Grat ist, auf dem wir uns versorgungstechnisch gemütlich eingerichtet haben – das machte Fritz Husemann beim ersten Unternehmerfrühstück im Jahr 2018 jetzt im Gütersloher Parkhotel  deutlich. Der Chef des Gütersloher Traditionsunternehmens (seit 1912) mit dem Wahlspruch „Kompetenz in Energie und Automatisierung“ stellte in einem kurzen Impulsvortrag anschaulich dar, wo aus seiner Sicht die Schalter umgelegt werden müssen.

Dem Laien empfiehlt er den Beststeller „Blackout“ zum Einlesen ins schwierige Thema. „Das ist technisch gut rechechiert.“ Horrorszenarien will er nicht heraufbeschwören, ein Blick auf „Ausfallzeiten“ scheint mindestens für Deutschland noch keinen wirklichen Grund zur Aufregung zu geben: 13 Minuten im Jahr sind vermutlich noch nicht einmal wahrnehmbar. Doch Frankreich ist immerhin bereits mit 100 Minuten in der Statistik verzeichnet. Und die Tendenz ist überall steigend, was nicht zuletzt  die kürzliche Episode mit nachgehenden Uhren dokumentiert hat. Die Ursache: temporäre Stromknappheit und politische Unstimmigkeit auf dem Balkan.

„Wir designen einen falschen Markt für Strom,“ sagt Husemann und spricht vom Aufbau  von „Fehlanreizen“. Für Stromlieferanten, die vom Netz genommen werden, müssten andere Speicherkapazitäten geschaffen werden. Genau das aber passiere nicht, kritisiert er und sieht im Energieeinspeisungsgesetz ein Werk, „das inzwischen auch für mich als Fachmann nicht mehr lesbar ist.“

Husemann liefert in seinem Vortrag zu früher Stunde aber auch Hinweise auf Stromspar-Lösungen: durch „intelligente“ Hausgeräte etwa – so wie Waschmaschinen, die automatisch dann waschen, wenn der Strom preiswert ist oder die grundsätzliche Nutzung von Speicherkapazitäten. Das „Prinzip Nachtspeicherofen“, eine Weile eher verpönt, erlebt auf diese Weise eine Renaissance.

Den bewussten Umgang mit Energie fördern, das ist auch ein Anliegen der Stadt Gütersloh, für die Stadtbaurätin Nina Herrling in Vertretung von Bürgermeister Henning Schulz die rund 25 Vertreter und Vertreterinnen von Gütersloher Unternehmen begrüßte. Das Unternehmerfrühstück, ein Angebot der Wirtschaftsförderung, hat sich zu einem Angebot für einen entspannten Meinungsaustausch entwickelt über alle Branchen in Gütersloh hinweg. Der nächste Termin ist im Juni.

Kontakt unter Wirtschaft Gütersloh 

Bild: Die Weichen werden jetzt gestellt für die Zukunft der Stromlieferung: (v.l.) Wirtschaftsförderer Rainer Venhaus, Stadtbaurätin Nina Herrling und Referent Fritz Husemann beim Unternehmerfrühstück.

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