27. Juli 2022 / Allgemeines

Zahl der Inobhutnahmen wächst

Die Jugendämter in Deutschland nehmen wieder mehr Kinder und Jugendliche in Obhut. Für die Schutzmaßnahmen gibt es viele Gründe. Vor allem in einem Bereich steigt die Zahl der Fälle deutlich.

Jugendämter mussten wieder häufiger eingreifen, um Kinder und Jugendliche zu schützen.
von dpa

Die Zahl der Inobhutnahmen in Deutschland hat nach vier Jahren Rückgang wieder zugenommen. So wurden durch die Jugendämter im vergangenen Jahr rund 47.500 Kinder und Jugendliche zu ihrem Schutz vorübergehend untergebracht, das sind fünf Prozent mehr als 2020, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Im allergrößten Teil (60 Prozent) ging es um dringende Kindeswohlgefährdungen, 24 Prozent der Fälle erfolgten nach unbegleiteten Einreisen aus dem Ausland, 16 Prozent aufgrund von Selbstmeldungen.

Zunahme der unbegleiteten Einreisen

Eine deutliche Zunahme verzeichneten die Behörden bei den unbegleiteten Einreisen, hier stiegen die Zahlen um 3700 Fälle (49 Prozent). Dagegen gingen auch im zweiten Pandemie-Jahr die Inobhutnahmen aufgrund dringender Kindeswohlgefährdungen zurück - und zwar um sechs Prozent. Hier lasse sich nicht ausschließen, dass der erneute Rückgang mit den Kontaktbeschränkungen durch Corona zusammenhänge, erklärten die Statistiker. «Einschränkungen im Schul- oder Kitabetrieb können zum Beispiel dazu beigetragen haben, dass ein Teil der Kinderschutzfälle unentdeckt geblieben und das Dunkelfeld dadurch gewachsen ist», hieß es.

Knapp 42 Prozent aller vorübergehend untergebrachten Jungen und Mädchen waren 2021 unter 14 Jahre alt, also noch im Kindesalter. In gut der Hälfte dieser Fälle war der Grund die Überforderung der Eltern (53 Prozent). Des Weiteren ging es um Schutz vor Vernachlässigung (26 Prozent) oder vor körperlichen (18 Prozent) sowie psychischen Misshandlungen (12 Prozent).

Bei den Jugendlichen hingegen wurden die Inobhutnahmen am häufigsten nach unbegleiteten Einreisen eingeleitet (38 Prozent), danach folgte die Überforderungen der Eltern (24 Prozent). Jedes achte Kind und fast jeder dritte Jugendliche war den Angaben zufolge zuvor schon von Zuhause ausgerissen.

Mehr Jungen als Mädchen

Jungen wurden im vergangenen Jahr mit 56 Prozent etwas häufiger in Obhut genommen als Mädchen. «Dies ist jedoch ausschließlich auf den hohen Jungenanteil an den unbegleitet eingereisten Minderjährigen zurückzuführen», sagten die Experten. Ohne deren Berücksichtigung würde ihr Anteil sogar knapp unter dem der Mädchen liegen.

Während der Inobhutnahme wurde die Mehrheit der Betroffenen zum Beispiel in einem Heim untergebracht. Etwa jede zweite Schutzmaßnahme konnte nach spätestens zwei Wochen beendet werden. In etwa jedem achten Fall dauerte die Inobhutnahme drei Monate oder länger.


Bildnachweis: © picture alliance / dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Auf Entdeckungsreise durch Gütersloh
Veranstaltung

Stadtführungen der gtm starten wieder nach der Sommerpause

weiterlesen...
16 Stationen öffnen am Tag des offenen Denkmals
Veranstaltung

11. September: Viel Programm und Sonderführungen.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Expertenteam soll Massenpanik in Indonesien untersuchen
Allgemeines

Es ist eine der schlimmsten Stadion-Katastrophen in der Geschichte des Fußballs: Mindestens 125 Menschen sterben bei einer Massenpanik in Malang. Jetzt reagiert die indonesische Regierung.

weiterlesen...
Nobelpreis-Bekanntgaben beginnen in Stockholm
Allgemeines

Inmitten von Krisen und Konflikten schaut die Welt für eine Woche nach Stockholm und Oslo. Dort werden die diesjährigen Nobelpreisträger verkündet.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Expertenteam soll Massenpanik in Indonesien untersuchen
Allgemeines

Es ist eine der schlimmsten Stadion-Katastrophen in der Geschichte des Fußballs: Mindestens 125 Menschen sterben bei einer Massenpanik in Malang. Jetzt reagiert die indonesische Regierung.

weiterlesen...
Nobelpreis-Bekanntgaben beginnen in Stockholm
Allgemeines

Inmitten von Krisen und Konflikten schaut die Welt für eine Woche nach Stockholm und Oslo. Dort werden die diesjährigen Nobelpreisträger verkündet.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner